Da war noch alles gut: Matej Mohoric am vergangenen Donnerstag

© REUTERS/JENNIFER LORENZINI

Sport
05/16/2021

Horror-Sturz beim Giro d'Italia: Rad-Ass Mohoric landet im Spital

Der Slowene schlug einen Salto und knallte mit dem Kopf auf die Straße. Das Team Bahrain verliert damit bereits den zweiten wichtigen Fahrer.

41 Kilometer waren am Sonntag auf der neunten Etappe des Giro d'Italia absolviert, als die Radsportwelt die Luft anhielt: Plötzlich saß der Slowene Matej Mohoric am Straßenrand und hielt sich an der Leitplanke fest, neben ihm sein Rad – in zwei Teile zerbrochen.

Was war passiert? In einer Linkskurve in der Abfahrt vom ersten Berg des Tages (Passo Godi) war dem Profi vom Team Bahrain das Hinterrad ausgebrochen, der 26-Jährige prallte mit dem Vorderrad in ein Loch, blieb hängen, hob wild ab, schlug einen Salto und knallte Kopf und Schulter voran auf die Straße.

(Vorsicht, das Video ist nichts für schwache Nerven.)

Matej Mohoric wirkte benommen und ging zum Straßenrand. Und er schien nicht zu wissen, was man von ihm will, als ihm ein Mechaniker ein Ersatzrad hinhielt. Er setzte sich auf den Boden, und einige Minuten später wurde der Unglücksrabe auch schon mit einer Schanzkrawatte um den Hals per Rettungswagen ins Spital gebracht. Dort wurde der Slowene weiteren Untersuchungen unterzogen.

"Wir reden hier definitiv von einer Gehirnerschütterung", sagte Bahrains Teamarzt Daniele Zaccaria der Rai. "Matej sprach nach dem Crash mit dem Mechaniker und den Sportdirektoren, und er hat sie gebeten, seine Freundin anzurufen. Er konnte sich an ihre Telefonnummer erinnern, was mich ein wenig beruhigt hat. Er war immer bei Bewusstsein."

Der 26-Jährige reiht sich damit ein in eine Riege prominenter Ausfälle bei der heurigen Italien-Rundfahrt, so war am vergangenen Donnerstag  bereits sein spanischer Teamkapitän Mikel Landa mit Schlüsselbein- und Rippenbrüchen ausgeschieden. Und auch Ineos hat mit Pawel Siwakow bereits einen wichtigen Mann verloren, beim Russen, der nach Kontakt mit einem Teamkollegen hart zu Boden ging, hatte sich eine Platte verformt, die er nach einem früheren Sturz zur Stabilisierung der linken Schulter eingesetzt bekommen hatte.

Hartes Finale

Als sich der Schrecken gelegt hatte, widmeten sich die verbliebenen 175 Herren wieder der Aufgabe des Tages, den insgesamt 158 Kilometern von Castel di Sangro hinauf ins kleine Skigebiet von Campo Felice hoch über Rocca di Cambio in den Abruzzen. Eigens für das Feld hatten sich die Organisatoren ins Zeug gelegt und 1,6 Kilometer neue Straße auf die Pisten gebaut. Wobei „Straße“ relativ zu betrachten ist, auf diesem Abschnitt wurde Schotter aufgetragen und festgewalzt.

Ein Ausblick auf die Mittwoch-Etappe, wenn insgesamt 35 Schotter-Kilometer  des Frühjahrsklassikers Strade Bianche in der Toskana zu absolvieren sind, an diesem Sonntag aber vor allem eine finale Gemeinheit. 6,6 Kilometer lang, bis zu 14 Prozent steil, das Ziel in 1.655 Metern Höhe.

Kampf auf Biegen und Brechen

Der Franzose Geoffrey Bouchard (AG2R Citroën) löste sich neun Kilometer vor dem Ziel von seinen Fluchtkollegen und ging solo ins Finale, das Feld mit den Favoriten auf den Gesamtsieg lag rund zwei Minuten zurück.

Attila Valter, der 22-jährige Ungar von Groupama-FDJ, der  am vergangenen Donnerstag so überraschend ins Rosa Trikot geschlüpft war, offenbarte fünf Kilometer vor dem Ziel erste Schwierigkeiten, hielt aber noch irgendwie mit den Besten mit.

Einen Kilometer vor dem Ziel hatte Bouchard Gesellschaft von Koen Bowman (NED/Jumbo-Visma) bekommen, die Besten folgten mit nur noch 24 Sekunden Abstand, speziell das britische Team Ineos um den Gesamtzweiten Egan Bernal trat gewaltig in die Pedale.
600 Meter – 14 Sekunden;
500 Meter – zehn Sekunden;
der Antritt von Egan Bernal bei 400 Metern vorbei an Bouchard und Bouwman.

Nach 4:08:23 Stunden hatte der Kolumbianer die Etappe gewonnen und sich das Rosa Trikot gesichert, sieben Sekunden vor Giulio Ciccone (ITA/Trek-Segafredo) und dem zeitgleichen Alexander Wlasow (RUS/Astana), drei weitere Sekunden verloren Remco Evenepoel (BEL/Deceuninck-Quick Step) und Dan Martin (IRE/Israel).

"Ich kann es gar nicht glauben. Ich habe wirklich sehr viel geopfert für diesen Erfolg", sagte Egan Bernal, der nun der fünfte Kolumbianer in Rosa ist. Der 24-Jährige war sich nicht sicher gewesen, ob er gewinnen würde, "aber meine Teamkollegen haben mir vertraut und mir den Rücken freigehalten." Und dann überwältigten ihn seine Gefühle. Mit Tränen in den Augen und leicht schluchzend fügte Bernal an: "Es ist noch ein langer Weg bis zum Ende dieses Giro. Aber selbst wenn ich die Maglia Rosa nur für einen Tag haben sollte, hat sich all das schon gelohnt."

Respektabel verkaufte sich Attila Valter, der am Sonntag  zwar 50 Sekunden Rückstand kassierte, aber mit 43 Sekunden immer noch Gesamtfünfter ist. Vorne liegt Bernal mit 15 Sekunden Vorsprung auf Evenepoel und 21 auf Wlasow, und die Sorgen um den Rücken des Tour-de-France-Siegers von 2019 dürften damit endgültig weggewischt sein.

Ausblick

Am Montag folgen 139 Kilometer von L’Aquila – in trauriger Bekanntheit seit dem schweren Erdbeben von 2009 – nach Foligno. Wie gemacht für eine Ausreißergruppe, weil es aber die letzten 40 Kilometer vorwiegend flach bis bergab dahingeht, auch ein guter Boden für einen Massensprint. Am Dienstag ist dann der erste Ruhetag.

9. Etappe (Castel di Sangro–Campo Felice, 160 km): 1. Bernal (COL) Ineos 4:08:23, 2. Ciccone (ITA) Trek-Segafredo +7, 3. Wlasow (RUS) Astana gl. Zeit, 4. Evenepoel (BEL) Deceuninck-Quick Step +10, 5. D. Martin (IRE) Israel gl. Zeit, 6. Caruso (ITA) Bahrain +12, 7. Bardet (FRA) DSM, 8. Soler (ESP) Movistar, 9. Martinez (COL) Ineos, 10. Almeida (POR) Deceuninck-Quick Step alle gl. Zeit, 33. Großschartner (AUT) Bora-hansgrohe +1:16, 141. Brändle (AUT) +25:14.

Gesamt: 1. Bernal 35:19:22, 2. Evenepoel +15, 3. Wlasow +21, 4. Ciccone +36, 5. Valter (HUN) Groupama-FDJ +43, 6. Carthy (GBR) EF-Nippo +44, 7. Caruso +45, 8. D. Martin +51, 9. S. Yates (GBR) BikeExchange +55, 10. Formolo (ITA) Emirates +1:01, 51. Großschartner +32:18, 144. Brändle +1:32:12.

10. Etappe, Montag: L’Aquila–Foligno 139 km.

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