Am Ziel - und am Ende: Roger Bannister nach seinem Rekordlauf

© APA/AFP/-

Rückblick
05/06/2020

Heute vor 66 Jahren: Als ein Brite Sportgeschichte schrieb

Am 6. Mai 1954 lief der 25-jährige Roger Bannister als erster Mensch der Welt die Meile in weniger als vier Minuten.

von Florian Plavec

Magische Grenzen. Es gibt sie in vielen Sportarten, vor allem aber in der Leichtathletik. Und die wichtigsten Marken stehen in den Laufdisziplinen. Jim Hines (USA) sprintete 1968 in Mexiko City die 100 Meter in weniger als 10 Sekunden, Eliud Kipchoge (KEN) lief im vergangenen Jahr in Wien die Marathon-Distanz unter Laborbedingungen in weniger als zwei Stunden (1:59:41).

Eine Meile (1.609 Meter) in weniger als vier Minuten zu laufen, galt jahrzehntelang als unmöglich. Der Körper würde unter dieser unmenschlichen Belastung zerbrechen, prophezeiten Forscher. Die Athleten selbst sprachen von einer Ziegelmauer, die nicht einzureißen sei. Bis Roger Bannister kam und der Welt das Gegenteil bewies.

100 Meter unter 10 Sekunden: Jim Hines (USA) am 20. Juni 1968 in Sacramento

Eine Meile unter 4 Minuten: Roger Bannister (GBR) am  6. Mai 1954 in Oxford

10.000 Meter unter 30 Minuten: Taisto Mäki (FIN) am 29. September 1938 in Tampere

Marathon unter 2 Stunden: Inoffiziell Eliud Kipchoge (KEN) am 12. Oktober 2019 in Wien. Offiziell noch nicht geschafft.

Stabhochsprung über 6 Meter: Serhij Bubka (UdSSR) am 13. Juli 1985 in Paris

Weitsprung über 8 Meter: Jesse Owens (USA) am 25. Mai 1935 in Ann Arbor (USA)

Kugelstoßen über 20 Meter: Bill Nieder (USA) am 12. August 1960 in Walnut (USA)

Diskuswurf über 70 Meter: Mac Wilkins (USA) am 1. Mai 1976 in San Jose (USA)

Zehnkampf über 9.000 Punkte: Roman Sebrle (CZE) am 26./27. Mai 2001 in Götzis (AUT)

Am 6. Mai 1954 steht der 25-jährige Brite an der Startlinie des Ifflex Road Track der Oxford University. Vier Stadionrunden und neun Meter sind zu laufen. Er sieht, dass die Fahnen auf der Kirche nicht mehr flattern, die Verhältnisse sind gut, der Startschuss ...

„Ich fühlte mich großartig“, erinnert sich Bannister mehr als ein halbes Jahrhundert später. „Ich war extrem locker, es war, als würde ich fliegen.“ Ein Pacemaker gibt das Tempo vor. „Schneller!“ ruft Bannister schon nach wenigen Metern. Doch der Tempomacher ist erfahren und behält die Geschwindigkeit bei. 58 Sekunden nach der ersten Runde, 1:58 Minuten nach der zweiten. Dann übernimmt der zweite Tempomacher, nach 3:01 Minuten sind drei Runden absolviert. Plötzlich ist Bannister auf sich allein gestellt, und er weiß, dass er die letzte Runde unter 60 Sekunden laufen muss. „Ich habe alles aus mir herausgeholt. Die letzten Meter schienen unendlich lang zu sein. Doch mir war bewusst, dass der Moment meines Lebens naht.“ Bannister überquert die Linie - und bricht zusammen.

Dann verkündet der Platzsprecher: „Sieger Bannister mit neuem Weltrekord in einer Zeit von drei ...“

„In diesem Moment explodierte die Menge“, erinnert sich Bannister. „Ich habe die genau Zeit gar nicht mehr verstanden.“ 3:59,04 Minuten sind es schließlich.

Die Ziegelmauer ist eingerissen, der Rekord hat nur wenige Wochen Bestand. Bannister beendet noch am Ende des Jahres 1954 seine Karriere, die Queen verleiht ihm den Order of the British Empire. Er stirbt am 3. März 2018 im Alter von 88 Jahren.

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