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Sport
12/01/2021

Handball-WM: Die bemerkenswerten Karrieren der Österreicherinnen

Nach zwölf Jahren bestreitet das Nationalteam wieder ein WM-Spiel. Für einige Spielerinnen war es ein langer, ereignisreicher Weg. Drei von ihnen stellen wir vor.

von Philipp Albrechtsberger

Ladys first heißt es wieder im österreichischen Handball. Während die Herren im Jänner bei der EM zum neunten Mal seit 2010 an einem Großereignis teilnehmen werden, kehren die Damen diese Woche nach langer Abwesenheit zurück auf die große Bühne. Mit einem Durchschnittsalter von 24,8 Jahren wird der Auswahl eine glänzende Zukunft in Aussicht gestellt. Wenngleich das Team vorerst ohne Teamchef auskommen muss: Bei Herbert Müller fiel ein Corona-Routinetest positiv aus, zudem gibt es zwei Verdachtsfälle.

Neben China zum Auftakt am Donnerstag (18 Uhr/ORF1) warten in Gruppe H im spanischen Torrevieja am Samstag Argentinien (18 Uhr) und am Montag Gastgeber Spanien (20.30/jeweils live ORF Sport+). Was das Team neben seiner Jugend auszeichnet, sind die vielfältigen Charaktere mit zum Teil außergewöhnlichen Lebenswegen.

  • Sonja Frey, die Spielmacherin mit der starken Stimme

Sie spielte schon bei einer Endrunde der Erwachsenen, aber sagt, „sie wisse so gut wie nichts“ über die Abläufe und Anforderungen an ein großes Turnier. Sonja Frey war gerade einmal 16 Jahre alt, als sie 2009 in China für Österreich WM-Luft schnuppern durfte. Aus dem Toptalent von damals ist die unumschränkte Führungsspielerin und Antreiberin in Rot-Weiß-Rot geworden.

In Spanien wird Sonja Frey nun bereits ihr 100. Länderspiel bestreiten, dennoch verspürt sie ein seltenes Kribbeln vor dem ersten Wurf. „Wir haben so unglaublich lange auf diesen Moment hingearbeitet“, sagt die 28-Jährige.

Den vielen knappen Entscheidungen und verpassten Chancen im Nationalteam stand stets eine glänzende Vereinskarriere gegenüber. Frey lernte den Sport bei WAT Fünfhaus und den MGA Fivers in Wien, mit 19 Jahren wechselte sie nach Deutschland, wo sie vier erfolgreiche Saisonen beim Thüringer HC verbrachte.

Es folgten weitere Stationen in Frankreich und nun bei Ikast in Dänemark – Länder, in denen der Frauen-Handball einen enormen Stellenwert genießt. „Ich wollte einfach immer wieder einen neuen Reiz setzen und eine neue Art des Handballs kennenlernen“, sagt sie. „Mein persönliches Spiel hat das immer bereichert.“ 

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Sonja Frey ist längst auch außerhalb des Spielfeldes zu einer starken Stimme geworden. Einige lukrative Angebote lehnte sie in der Vergangenheit oft ganz bewusst  ab, wie sie im KURIER einmal betont hatte: „Ich finde es sehr schwer, in ein Land zu gehen, in dem Frauen nicht wertgeschätzt oder andere Kulturen diskriminiert werden.“

  • Anna Hajgató, der Rückhalt mit dem jungen Reisepass

Die erste große Bewährungsprobe wird vermutlich die Bundeshymne werden. Immerhin ist Anna Hajgató erst seit knapp vier Wochen Österreicherin. Wer nun glaubt, der österreichische Damen-Handball verfällt wieder in alte Muster mit Einbürgerungen am Fließband, der irrt. Die 29-jährige Torfrau, eine gebürtige Ungarin, lebt mehr als die Hälfte ihres Lebens bereits in Österreich, aufgewachsen ist sie in der Südstadt, wo sie sich mit 14 Jahren ins Internat einschreiben hat lassen.

Auf die Idee, Österreicherin und damit spielberechtigt für das Nationalteam zu werden, ist sie selbst gekommen – das war im Mai dieses Jahres. „Mein Zuhause, was Handball betrifft, ist Österreich“, sagt Anna Hajgató. Bis heute schätzt sie das Gesamtpaket, das das Bundessportzentrum in der Südstadt mit Schule und Handball ihr bot. „Es gab 2006 nichts Besseres als die Südstadt“, ist die Absolventin der Wirtschaftsuniversität überzeugt. 

Als 14-Jährige in ein fremdes Land mit einer ihr fremden Sprache zu gehen sei dennoch nicht einfach gewesen. „Dieser Schritt erfordert viel Hingabe. Aber auch die Aussicht, eine neue Sprache zu lernen, fand ich reizvoll.“ Dieses Feuer für Handball  verspürt sie, seitdem sie 10 ist. Damals sah sie im TV die Handballerinnen WM-Silber gewinnen. Die Hymne, die sie dabei hörte, war aber noch die ungarische.

  • Nina Neidhart, die Torjägerin mit dem Biss fürs Studium

Videostudium steht mittlerweile bei jedem Handball-Team auf der Tagesordnung, Nina Neidhart hat bei der WM in Spanien aber auch ein paar andere Lernmaterialien im Gepäck. „Ganz ohne Lernen geht es einfach nicht“, sagt die 20-jährige Zahnmedizinstudentin.

Der kürzlich neu eingeschlagene Berufsweg der Flügelspielerin hat in der Szene durchaus für Gesprächsstoff gesorgt. Neidhart ging im Sommer für das Studium zurück nach Österreich und beendete damit ihre vielversprechende Karriere in Deutschland beim Thüringer HC. „Ich habe schon lange überlegt, ob der Schritt zurück der richtige ist“, sagt sie, „aber es war letztlich ganz klar eine Entscheidung für die Uni und meiner Karriere danach.“

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Bei Hypo Niederösterreich, ihrer neuen alten Heimat, kann die Mödlingerin Sport und Studium bestens zusammenführen. „Das Studium, das ich jetzt mache, ist wenig bis kaum kompatibel mit der ersten deutschen Bundesliga.“

Alle Überzeugungsarbeit der Verantwortlichen in Thüringen schlug  fehl, selbst Cheftrainer Herbert Müller, der Neidhart auch beim österreichischen Nationalteam betreut, blitzte mit der Zusage von mehr Freiheiten für die Uni ab. „Mit einem Studium in Deutschland hätte ich mich viele Jahre an das Land gebunden. Diese Aussicht war auch nicht so verlockend.“ Ihr ist bewusst, dass das  Niveau in Österreichs Liga geringer ist. „Ich bin dennoch überzeugt, dass ich mich bei Hypo weiterentwickeln kann“, sagt Nina Neidhart, „das hier soll ja nicht meine einzige WM bleiben.“ 

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