© EPA/Tamas Kovacs

Sport
04/27/2020

Handball-Star Bilyk über seinen Titel: "Das tut schon weh"

Keine Feier, kaum Emotionen. Wie der österreichische Teamkapitän seinen Triumph mit dem THW Kiel erlebte.

von Christoph Geiler

„Wie fühlt sich das an?“

Eigentlich steht diese Frage am Index der verbotenen Interviewfragen. Aber Hand aufs Herz, bei Nikola Bilyk drängt sich diese Frage förmlich auf: Über eine formlose Textnachricht erfuhr der 23-jährige Wiener, dass er mit dem THW Kiel zum deutschen Handballmeister gekürt wurde. Zur Titelfeier trafen sich die Spieler online im Videochatroom.

Also Herr Bilyk, wie fühlt sich das an, so Meister zu werden?

Es war seltsam, wie das alles abgelaufen ist. Allein dieser Videocall, bei dem alle daheim angestoßen haben. In Wahrheit hat fast alles gefehlt, was man sich von einem Meistertitel und einer Meisterfeier erwartet. Ich hatte jedenfalls ganz andere Bilder vor Augen.

Wie hatten Sie Sich Ihren ersten Titel ausgemalt?

So wie man’s eben kennt. Dass man nach dem letzten Saisonspiel die Trophäe in die Höhe halten kann, dass die Mannschaft gemeinsam mit den Fans feiert. Alle, die schon einmal Meister geworden sind, sagen, dass es in Echt noch viel schöner ist als in den Träumen. Diese Emotionen sind jetzt völlig weggefallen. Das tut schon weh.

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Heißt das, Sie können Sich über diesen Meistertitel nicht richtig freuen?

Ich habe zumindest gemischte Gefühle. Natürlich ist da eine Freude und Zufriedenheit, aber die aktuelle Situation gibt es zugleich auch nicht her, sich richtig zu freuen. Wobei ich mich noch glücklich schätzen kann.

Inwiefern?

Weil ich zum Glück noch jung bin und noch einige Jahre Vertrag in Kiel habe. Ich hoffe schon, dass ich noch die eine oder andere Meisterschaft gewinnen kann.

Die deutschen Klubs haben sich dafür ausgesprochen, Kiel zum Meister zu erklären. Hat Sie das überrascht?

Es hat gezeigt, dass die anderen Teams großen Respekt vor unserer Leistung hatten. Ich würde auch nicht sagen, dass wir unverdient zum Meister gekürt wurden. Besondere Situationen erfordern besondere Lösungen – und das war eben so eine besondere Lösung. Wir haben uns das alle nicht ausgesucht. Es war jetzt aber auch höchste Zeit, dass ein Schlussstrich gezogen wurde.

Sie hatten die Warterei satt?

Das Wichtigste war, dass eine Entscheidung gefallen ist. Es gibt nichts Schlimmeres, als in Ungewissheit zu leben. Spielen wir noch einmal? Wie geht’s weiter. Du musst in dieser Zeit als Handballer aber funktionieren und weiter trainieren.

Dann sind Sie jetzt so fit wie nie zuvor?

Wir Spieler haben jetzt die Möglichkeit, den Körper zu trainieren und an Defiziten zu arbeiten. Ich persönliche trainiere im Moment zwei Mal am Tag, ich will diese Chance nützen und mich körperlich verbessern.

Erfordert dieses Einzeltraining nicht große Disziplin?

Natürlich denkt man sich auch manchmal: ,Für was soll ich überhaupt trainieren, wenn die Vorbereitung für die neue Saison eh erst in zweieinhalb Monaten losgeht?’ Andererseits tut das Training in dieser Situation richtig gut, auch dem Kopf, weil man nicht ständig über die Sachen nachdenkt, die auf der Welt passieren.

Hatten Sie schon Zeit, die Saison Revue passieren zu lassen? Sie stehen im Allstar-Team der Liga.

Seit ich in Kiel bin, bin ich immer ins Allstar-Team gewählt worden. Das drückt nicht unbedingt aus, wie ich mich als Handballer entwickelt habe. Viel wichtiger ist, dass der Erfolg mit der Mannschaft da ist. Ich habe den Anspruch, jedes Jahr besser zu werden. Die große Aufgabe ist, diese Leistungen konstant abzurufen. Aber das kommt mit der Erfahrung. Wenn du gewisse Situationen und Herausforderungen immer wieder erlebst, dann lernst du sie auch zu beherrschen.

Apropos Erfahrung, Sie sind erst 23, fühlen Sie Sich denn noch als junger Spieler?

Ganz ehrlich: Ich habe mich auf dem Spielfeld noch nie als junger Spieler gesehen. Im Sport ist das Alter nebensächlich, es geht nur um Leistung. Und da ist es völlig egal, ob jetzt einer 18 oder 35 ist.

Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen: Wie stellen Sie Sich den Handballsport im Herbst vor?

Im Moment wollen alle nur, dass es bald wieder losgeht. Wie sich das dann entwickelt, ist eine andere Frage. Wenn’s sein muss, spiele ich auch in einer leeren Halle. Klar fehlt dann ein wichtiger Faktor, aber irgendwann vermisst man den Sport so sehr, dass man Geisterspiele in Kauf nimmt. Man will einfach nur Handball spielen.

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