Sport
16.08.2018

Nikola Bilyk: „Ich weiß, was ich kann“

Der 21-Jährige startet in seine dritte Saison im Trikot des THW Kiel. Ein Gespräch über die großen Würfe.

Nikola Bilyk hatte sogar im Urlaub an der Adria alle Hände voll zu tun. Während andere Handballer im Sommer die Erholung suchten, fand der 21-jährige Kiel-Legionär die Erfüllung im intensiven körperlichen Training. Das erste Bewerbsspiel am Samstag im Cup wird Bilyk wegen einer Schleimbeutelentzündung verpassen.

KURIER: Können und wollen Sie grundsätzlich nicht auf der faulen Haut liegen? Oder hat Sie nach der enttäuschenden Saison mit dem THW gar das schlechte Gewissen geplagt?

Nikola Bilyk: Beides. Einerseits brauche ich die Bewegung, um mich wohlzufühlen. Ohne Sport könnte ich nicht leben. Andererseits möchte ich nicht mehr so eine Saison haben. Wenn du erfolgreich sein willst, dann musst du an deinen Schwächen arbeiten und noch mehr Zeit investieren.

Haben Sie deshalb einen privaten Athletikcoach engagiert?

Ich möchte nichts dem Zufall überlassen und will mich als Handballer weiterentwickeln. Jetzt bin ich jung, jetzt habe ich die Power, jetzt kann ich richtig an mir arbeiten, um ein Weltklasse-Handballer zu werden. Wenn du einmal 26 bist, wirst du deinen Wurf nicht mehr großartig verändern. Die nächsten Jahre sind entscheidend für die Entwicklung meiner Karriere.

Sie wurden als größtes Rückraumtalent der Welt und als Jungstar gepriesen. Waren und sind diese Vorschusslorbeeren für Sie keine Bürde?

Das war für mich eher eine große Motivation. Dass mir viele Experten zutrauen, dass ich es sehr weit bringen kann, hat mich noch einmal gepusht. Und es hat mir auch gezeigt, dass ich bisher vieles richtig gemacht habe, und dass die Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, die richtigen sind.

Hatten Sie denn nie Angst, zu scheitern? Immerhin waren Sie bei Ihrem Wechsel nach Kiel erst 19. Und der THW ist jetzt nicht irgendein Verein.

Darüber habe ich gar nie nachgedacht. Mir war klar, dass manche Leute gemeint haben, dass der Wechsel viel zu früh gewesen sei. Aber ich weiß, was ich kann, ich habe immer schon gewusst, was ich als Handballer draufhab’. Außerdem wollte mich der Trainer unbedingt haben. Ich sehe grundsätzlich im Leben immer die Chance, etwas zu erreichen – und nicht die Gefahr, zu scheitern.

Wie sehr unterscheidet sich der Nikola Bilyk von seiner Debütsaison 2016 in Kiel vom Nikola Bilyk von heute?

Ich habe extrem viel dazugelernt, in allen Bereichen. Ich bin sicher athletischer, ich reagiere auf dem Spielfeld in entscheidenden Situationen auch cooler und souveräner. Das bringen die vielen Spiele auf diesem Niveau einfach mit sich. Andererseits ...

... andererseits?

Andererseits haben sich die Gegenspieler auch viel besser auf mich eingestellt. In meiner ersten Saison hat mich noch kaum jemand gekannt, da haben die Gegner geschaut, was der Junge draufhat. Das hat sich definitiv geändert. Die Gegenspieler passen besser auf mich auf, sie spielen jetzt auch alle härter gegen mich, weil sie meine Stärken kennen.

Das spricht ja eigentlich für Sie.

Ich sehe das als Herausforderung. Das wird mich begleiten, denn je besser das Niveau, desto größer ist die Aufmerksamkeit, und umso schwieriger wird es. Von einem Weltklassespieler wissen die Gegenspieler alles.

Sie spielen beim deutschen Rekordmeister. Wie groß ist dort der Druck nach dem fünften Rang in der Vorsaison?

In Kiel steht der Erfolg über allem. Bei diesem Verein geht es darum, Titel zu holen. In dieser Stadt wird der Handball gelebt, bei Siegen wirst du von 10.000 Leuten in der Halle gefeiert, aber dann natürlich auch kritisiert, wenn es nicht läuft. Die letzte Saison war eine bittere Erfahrung, aber ich bin überzeugt, dass wir noch sehr erfolgreich sein werden. Ich habe ja bis 2022 einen Vertrag.

Würden Sie anderen Österreichern ebenfalls zum frühen Schritt ins Ausland raten?

Im Grunde muss das jeder selbst für sich entscheiden. Ich glaube aber, dass es jedem hilft, wenn er schon früh in eine stärkere Liga wechselt. Was du in Deutschland, Frankreich oder Spanien lernst, das kannst du in Österreich nicht lernen, so ehrlich muss man sein. Da geht’s gar nicht nur um den Sport, sondern um die Entwicklung als Persönlichkeit. Du bist weg von deinen Eltern, du musst auf eigenen Beinen stehen, das ist ein großer Schritt.

In Ihrem Leben dreht sich seit klein auf alles um den Handball-Sport. Hatten Sie nie das Gefühl, dass dabei etwas auf der Strecke geblieben ist?

Natürlich muss man dafür viel Zeit investieren, und ich war als Jugendlicher sicher nicht so viel unterwegs wie andere Gleichaltrige. Aber dafür lebe ich meinen Traum: Ich bin überglücklich, dass ich Handballer sein darf.