Handball-Botschafter: Erst in der Kleinstadt fühlt er sich wie ein Profi
Im neuen Jahr kommt’s zum sportlichen Duell mit Deutschland. Damit sind nicht die Fußballer gemeint, die bei der Weltmeisterschaft erst in der Finalphase auf den großen Nachbarn treffen könnten. Schon am 15. Jänner lautet das Auftaktspiel bei der Handball-EM in Dänemark Deutschland – Österreich.
Zu sehen zur Primetime in ARD und ORF.
Spätestens seit zwei Jahren weiß man auch am Küniglberg, dass sich mit Handball Topquoten erzielen lassen – als die österreichische Auswahl zum EM-Achtelfinalisten und ihr junger Tormann Constantin Möstl Publikumsliebling wurde.
Im Herbst 2024 wählte man Möstl bei der Sporthilfe-Lotterien-Gala zum Aufsteiger des Jahres. Eine Bezeichnung, die inzwischen auch auf Möstls deutschen Verein Lemgo zutrifft, der nur im unteren Tabellendrittel angesiedelt gewesen war, jetzt aber sensationell an der Spitze mitmischt.
Nicht zuletzt dank dem wurfstarken Niederösterreicher Lukas Hutecek, 25, und dem Wiener Constantin Möstl, 25.
„Lukas ist schon länger in Lemgo. Er hat mir viel geholfen“, sagt Möstl. Die zwei Nationalspieler rechneten lachend aus, „dass wir 334 von 365 Tagen im Jahr gemeinsam verbringen“.
Die beiden hatten bereits zusammen in der Nachwuchs-Auswahl gespielt. „Nur im Verein waren wir immer Gegner.“ Hutecek aufseiten der Fivers Margareten, Möstl bei Westwien.
Jenem Union-Klub, der nach Gewinn des Staatsmeistertitels wegen wirtschaftlicher Not freiwillig aus der ersten Liga ausschied, nachdem Wiens Sportstadtrat Peter Hacker öffentlich erklärt hatte, dass er nicht dazu da sei, Profis zu finanzieren. Nicht wissend, dass sich „Profis“ à la Möstl ohne „Zweitberuf Sohn“ hauptamtliches Handball gar nicht leisten hätten können.
Möstl gelingt ein Blick zurück ohne Zorn. Mit Zwischenstopp im handballbegeisterten Vorarlberg landete er in Lemgo. Einer 40.000 Einwohner zählenden deutschen Hochschulstadt, in der er sich sowohl von der Bezahlung als auch von den Trainingsmöglichkeiten her – anders als in der Millionenstadt Wien – wie ein Profi fühlen kann.
Und wo sich Möstl „zum Glück im Gegensatz zu Fußballern“ – unbehelligt bewegen kann. Obwohl ihn soeben das staatliche deutsche TV ausführlich würdigte. Und er befragt zum bevorstehenden EM-Kracher Deutschland – Österreich, ohne goschert zu wirken, meinte: „Wir sind nicht mehr das ganz kleine Handball-Land, das sich verstecken muss.“
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