Sport
23.04.2017

Triumph in Shenzhen: Wiesberger ist wieder ein Sieger

Bernd Wiesberger gelingt in China der zweitgrößte Erfolg der Karriere und lässt die Kritiker verstummen.

Wieder einmal hatte Bernd Wiesberger auf den letzten Metern vieles zu verlieren. Mit drei Schlägen Vorsprung war Österreichs Top-Golfer beim Shenzhen International auf die letzte Runde gegangen. Es wurde kein ruhiger, triumphaler Golf-Sonntag für den 31-jährigen Burgenländer bei seinem 200. Auftritt auf der European Tour.

Es stürmte in China, und der Regen erschwerte das Spiel, das Wiesberger vor allem an den ersten beiden Turniertagen so einfach aussehen hatte lassen. Einfach war gestern nichts mehr.

Mit mutigem und teilweise waghalsigem Spiel rettete Wiesberger eins unter Par ins Clubhaus – ein Ergebnis, das (noch) nicht zum Sieg reichte, sondern lediglich zum Stechen mit Freund Tommy Fleetwood. Der Engländer hatte mit einer furiosen Schlussrunde von neun Schlägen unter Par das Tempo bestimmt und war deshalb in der Entscheidung zu favorisieren gewesen.

Attacke

Doch Wiesberger, der bei drei Versuchen noch nie ein Stechen für sich entscheiden konnte, blieb seiner mutigen Linie auch am ersten Extra-Loch treu – und wurde belohnt. Während Fleetwood die konservative, sichere Variante wählte, griff Wiesberger an. Der Annäherungsschlag aus dem höheren Gras über das Wasser, den Experten später "gefährlich" nannten, sicherte ihm auf dem schwierigen Par 4 den Schlaggewinn (es war eines von nur drei Birdies an diesem Tag auf Loch 18).

"Ich fühle mich schon ein bisschen erleichtert. Es hätte mich erwischen können, aber ich bin ruhig geblieben", sagte Wiesberger, der für seinen vierten Turniersieg auf der European Tour 437.017 Euro kassierte. In der Saisonwertung, die er in den vergangenen beiden Jahren jeweils als Neunter beendet hatte, stieß er auf Rang sechs vor.

An Konstanz hatte es Wiesberger in seiner Profi-Laufbahn selten gemangelt. Seit der PGA Championship im August 2016 hatte er sich bei 15 Turnieren nacheinander in den Preisgeldrängen klassiert, sieben Mal landete er in den Top fünf, zwei Mal davon als Zweiter. Nur ein Sieg wollte seit den French Open im Juni 2015 einfach nicht gelingen.

Gelassenheit

Nicht nur einmal wurde Wiesbergers anhaltende Sieglosigkeit von Medien und Experten thematisiert, er selbst reagierte stets gelassen. Weder stellte er Spiel oder Equipment komplett infrage, noch folgte er dem eilig formulierten Rat, sich einem Sportpsychologen anzuvertrauen. Stattdessen vertraute er sich selbst.

Er müsse sich lediglich immer wieder in aussichtsreiche Positionen bringen, meinte Wiesberger, dann klappe es schon. Nach sieben vollen Saisonen auf der European Tour hat der 31-Jährige Dutzende, ähnlich talentierte Golfer kommen (und auch wieder gehen) sehen, die es nicht zum Turniersieger geschafft haben.

Wie hoch die Dichte ist, zeigt ein Blick auf die bisherige Saison: In den 17 Bewerben gab es 15 verschiedene Sieger. Bernd Wiesberger ist seit Sonntag einer davon.

Endlich.