Sport | Fußball
13.07.2017

Junuzovic: "Man hat eben nur die eine Karriere"

Der ÖFB-Teamspieler und Werder-Kapitän über seine Jahre in Bremen, einen möglichen Wechsel und über seine Jugend als Flüchtlingskind in Österreich.

Bleibt er? Geht er in die Türkei? Wechselt er nach England? Oder unterschreibt er bald einen neuen Vertrag bei Werder? Es scheint im Trainingslager von Bremen im Zillertal dieser Tage nur ein Thema zu geben: die Zukunft von Zlatko Junuzovic, dessen Karriere irgendwann wieder bei der Austria enden soll.

Geht es nach Werder-Sportchef Frank Baumann wird "Juno" definitiv auch kommende Saison in Bremen spielen. "Wir haben immer betont, dass Zlatko für uns ein ganz wichtiger Spieler ist und wir überhaupt keine Bestrebungen haben, ihn abzugeben. Deswegen wird das auch so sein, dass Zladdi in der kommenden Saison bei uns spielen wird", erklärte Baumann im Trainingslager in Tirol.

Der KURIER traf den Werder-Kapitän im Teamquartier im Posthotel in Zell am Ziller zum Interview.

KURIER: Herr Junuzovic, ganz ehrlich: Wie sehr nervt Sie die Frage nach Ihrer Zukunft inzwischen schon?

Zlatko Junuzovic: Es ist manchmal schon mühsam, wenn du immer nur auf das Gleiche angesprochen wirst. Aber ich kenne das Spiel, man versucht da natürlich auch, mich etwas aus der Reserve zu locken. Ich verstehe auch, dass sich die Werder-Fans ihre Gedanken machen, wie’s weitergeht. Ich bin der Kapitän, einige Spieler haben uns verlassen. Das ist dann Thema.

Aber wie geht es denn nun wirklich mit Ihnen weiter?

Das Angebot von Trabzon war wirklich sehr lukrativ, und ich habe mich auch damit beschäftigt. Das habe ich auch immer so kommuniziert. Ich bin sowieso einer, der mit offenen Karten spielt, und daher sage ich auch, dass ich mir meine Gedanken mache, wie es für mich und meine Familie weitergeht. Nichtsdestotrotz bin ich sehr froh, dass ich in Bremen bin, deswegen habe ich vor zwei Jahren verlängert und ich respektiere den Vertrag, aber ...

...aber?

Aber ich habe als Fußballer nun einmal nur eine Karriere. Und eines muss dabei auch jedem klar sein: Du bestimmst als Spieler allein über deine Karriere, und nicht die Öffentlichkeit. Deswegen kann ich die ganze Aufregung der letzten Tage nicht ganz nachvollziehen, jeder Spieler macht sich selbstverständlich über seine Zukunft Gedanken. Es sollte daher respektiert werden, dass man zwei, drei Tage über etwas nachdenkt.

Vielleicht sieht man an den Diskussionen Ihren Stellenwert für den Verein: Sie sind der neue Kapitän und gehören fast schon zum Werder-Inventar.

Mir ist das jetzt selbst einmal aufgefallen: Es ist im Grunde nur noch ein Spieler in der Mannschaft ( Philipp Bargfrede, Anm.), der schon 2012 da war, als ich nach Bremen gekommen bin. Schon daran kann man sehen, dass ich eine große Verbundenheit zum Verein habe.

Was hat sich verändert?

Als ich 2012 nach Bremen gekommen bin, war die Blickrichtung eine andere. Da hat man wegen der Erfolge in der Vergangenheit immer ein wenig nach der Europa League oder gar der Champions League geschielt.

Stattdessen spielte der Verein zuletzt meist gegen den Abstieg.

Jeder weiß, wie schwierig es in dieser Liga ist. Die Bundesliga ist einfach unberechenbar, man muss ja nur einmal schauen, welche Teams im vergangenen Jahr unten dringesteckt sind. Ich kann die Fans verstehen, dass sie den alten Werder-Zeiten etwas nachtrauern. Andererseits war gerade der Zusammenhalt unserer Fans in den letzten Jahren beeindruckend und hat uns durch viele schwierige Phasen geholfen. Das war außergewöhnlich.

Sie sind in Bremen zu einem regelrechten Abstiegskampf-Spezialisten geworden. Wie sehr geht das an die Substanz?

Offen gesagt ist das richtig mühsam. Nicht nur für uns Spieler, für alle rund um den Verein. Niemand will, dass Werder da hinten drinnen steht. Das laugt einen mit der Zeit dermaßen aus, vor allem mental. Wenn du auf den unteren Tabellenplätzen stehst, dann hast du das Thema Abstieg ständig im Kopf. Du nimmst es mit nach Hause, die Familie bekommt das zu spüren, und du kommst eigentlich nie richtig zur Ruhe. Weil du weißt, dass da viel dranhängt.

Sie sind Vater, Sie werden heuer 30 Jahre alt. Ändert das Ihre Sichtweise auf den Profi-Fußball? Ertappen Sie sich dabei, dass Sie bereits an die Karriere danach denken?

Ich kann’s nicht ändern, dass bei mir jetzt bald der Dreier vorne steht. Daran sieht man, wie schnell so eine Karriere vergeht. Man macht sich als Familienvater und mit meinem Alter sicher mehr Gedanken. Ich bereite mich auch schon auf die Zeit nach dem Fußball vor.

Inwiefern?

Ich habe zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Sportmanagement-Ausbildung gemacht. Es war gar nicht so einfach, neben dem Fußball dafür die Zeit zu finden. Das verlangt viel Disziplin, und auch an das Lernen habe ich mich erst wieder gewöhnen müssen. Da habe ich mich dann am Abend schon überwinden müssen, die Unterlagen durchzugehen. Ich bin aber froh, dass ich das gemacht und durchgezogen habe. Das verändert natürlich auch den Blickwinkel auf den Sport.

Themenwechsel: Sie sind ein Flüchtlingskind und mit Ihren Eltern mit fünf Jahren nach Österreich gekommen. Aktuell wird wieder viel über die Flüchtlingsproblematik gesprochen: Beschäftigt Sie das eigentlich?

Grundsätzlich möchte ich mich zu dieser Thematik nicht großartig äußern, weil es ein politisches Thema ist. Ich habe Vertrauen, dass die Politiker eine gute Lösung finden werden, obwohl das sicher nicht einfach ist. Eines kann ich aus meiner Sicht und meiner Erfahrung aber schon sagen ...

Nämlich?

Dass es extrem wichtig ist, sich zu integrieren. Genau das hat damals unsere Familie von Anfang an gemacht, obwohl es wirklich nicht einfach war. Mein Vater war Richter, diesen Beruf konnte er in Österreich nicht mehr ausüben. Meine Eltern mussten sich in einem fremden Land völlig neu orientieren. Sie haben sofort darauf geschaut, dass wir Kinder die Sprache lernen und uns an die Kultur anpassen. Ich bin meinen Eltern extrem dankbar, dass sie meine Schwester und mich so unterstützt haben und uns die Chance ermöglicht haben, dass wir uns im neuen Land entwickeln können.

Österreichs Fußballer des Jahres 2010

Zlatko Junuzovic (*26. September 1987) wurde im ehemaligen Jugoslawien geboren, wuchs im bosnischen Zvornik auf und kam mit fünf Jahren nach Kühnsdorf in Kärnten. Er spielte für den GAK, Austria Kärnten, Austria Wien und ist seit 2012 bei Werder Bremen.

Im Nationalteam bestritt der Mittelfeldspieler 55 Partien (sieben Tore).