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Sport Fußball
07/01/2012

Zehn Gründe für Spaniens Rekordtitel

Die Spanier holten als erstes Team nach der EM 2008 und der WM 2010 einen dritten Titel in Serie. Warum eigentlich?

Überrascht? Verwundert? Mitnichten. Der dritte Triumph der Spanier in Serie bei Welt- und Europameisterschaften lag vielmehr auf der Hand.

Zehn gute Gründe, warum der alte und neue Europameister einfach Spanien heißen musste ...

1.) Turnier-Routine Drei Endspiele bei den letzten drei großen Turnieren. EM 2008, WM 2010, EM 2012. Wer immer um den Titel erfolgreich mitspielt, den bringt so rasch nichts aus der Ruhe. Spaniens Kicker wissen seit der EURO in Österreich und der Schweiz, wie man Turniere gewinnt. Und das gibt ganz einfach viel Selbstvertrauen.

2.) Trendsetter Barcelona und Spanien, zum Großteil auch bestehend aus den Protagonisten des FC Barcelona, dominieren seit Jahren den Weltfußball – sowohl auf Klub-Ebene als auch als Nationalteam. Das Tiki-taka wurde zur ultimativen Spielform ausgerufen, viele Teams versuchen das Kurzpass-Spiel zu kopieren, schaffen das aber nicht. Spanien gibt den Takt vor, andere Nationen suchen Mittel und Wege, um für Misstöne zu sorgen und können daher nur schwer eine eigene Identität kreieren, wenn Spanien der Gegner ist. Die Mannschaften sind dermaßen mit Spanien beschäftigt, dass sie mehr reagieren müssen als agieren können.

3.) Ballkontrolle Der Schlüssel zum spanischen Erfolg heißt Ballbesitz. Die Formel ebenso logisch wie einfach: Hat man den Ball in den eigenen Reihen, kann der Gegner kein Tor erzielen. Noch dazu sorgt man dafür, dass der Kontrahent stets hinterherhechelt. Erobert er dann doch einmal den Ball, fehlt ihm oft die nötige Kraft, Ruhe und Luft, um selbst in der Offensive gefährlich zu werden. Zudem praktizieren die Spanier bei Ballverlust ein aggressives Pressing und holen sich so schnell wieder das Spielgerät zurück. Und das Spiel kann wieder von vorne beginnen. Die perfekte Ballbehandlung auch in Drucksituationen lässt viele Gegner einfach verzweifeln.

4.) Ausnahmekönner Xavi, Iniesta, Fàbregas, Xabi Alonso und viele, viele mehr... Spanien verfügt über eine Vielzahl an qualitativ hochwertigen Spielern. Da kommt keine andere Nation mit. Der große Vorteil: Erwischt ein Spieler einen schlechten Tag (was auch bei den Spaniern vorkommen kann), dann übernehmen die anderen ohne Probleme dessen Rolle.

5.) Welttorhüter Iker Casillas ist seit Jahren jener Rückhalt, den sich Spanien in den Jahrzehnten davor so gewünscht hatte. In Ermangelung eines starken Schlussmannes gelang starken Nationalteams rund um Jahrhundert-Spieler Raúl bei keinem Turnier der ganz große Wurf. Der Erfolg stellte sich ein, als mit Casillas nicht nur ein Kapitän, sondern auch ein Torhüter heranwuchs, der Partien im Alleingang festhalten kann. Bestes Beispiel war das WM-Finale 2010: In Johannesburg konnte Casillas bei 0:0 zwei hervorragende Chancen von Arjen Robben entschärfen und sein Team vor einem Rückstand retten.

6.) Trainerfuchs Diesen Mann bringt einfach nichts aus der Ruhe. Der 61-jährige Vicente Del Bosque, selbst als Aktiver bei Real Madrid tätig, hat im Fußball schon alles erlebt. Er gewann nicht nur die spanische Meisterschaft, sondern zwei Mal die Champions League, dazu den Weltpokal, 2010 wurde er mit Spanien Weltmeister. Del Bosque steht über den Dingen, daher kann er auch mit Kritik gelassen umgehen. Wem soll er noch etwas beweisen müssen, wenn nicht sich selbst?

7.) Blockbildung Die Gleichung ist leicht: Spanien = Barcelona + Real Madrid. Mit Jordi Alba und David Silva standen bei dieser EURO nur zwei Spieler von anderen Klubs regelmäßig in der Startelf. Nicht zuletzt dank dieser Blockbildung ist die Selección dermaßen eingespielt, zumal sich die Spieler von Barça und Real trotz zahlreicher heftiger Auseinandersetzungen bei den Clásicos gut verstehen und untereinander Freundschaften pflegen. Titel schweißen bekanntlich zusammen.

8.) Quantität Teamchef Del Bosque konnte sich während der EURO sogar den Luxus leisten, weitgehend auf die Dienste der Señores Torres, Llorente, Mata oder Pedro zu verzichten, die wohl bei den meisten Teams spielen würden. Nicht nur das: Mit Villa und Puyol fehlten zwei absolute Leistungsträger der letzten Jahre – negativ ausgewirkt hat sich das nicht wirklich. Beide wurden bei der EM nicht wirklich vermisst.

9.) Technik Keine andere Mannschaft der Welt hat technisch so hochbegabte Spieler in den Reihen wie die Spanier. Jeder Spieler kann alles am Ball und deshalb auch alles mit dem Ball. Ballwegspringen bei der Ballannahme gibt es praktisch nicht. So werden leichtfertige Ballverluste vermieden. Deshalb müssen die Spanier praktisch nie dem Ball nachlaufen.

10.) Hunger Viele Mannschaften sind nach Erfolgen, wie sie die Spanier in den letzten Jahren feiern konnten, satt geworden. Meist hilft dann nur ein Umbruch im Team, um an alte Erfolge anschließen zu können. Nicht so bei den Spaniern: Die Erfolgsgeneration hat trotz aller Titelgewinne seit 2008 nichts von ihrem Siegeswillen eingebüßt. Vom Beginn der Vorbereitung weg war man gemeinsam auf ein Ziel fokussiert – und dieses wurde erreicht.

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