Sport | Fußball
16.08.2018

Zehn brennende Fragen vor der Härteprüfung bei Rapid

Nach einer heftigen Aussprache versprechen Spieler und Trainer eine Reaktion gegen Slovan Bratislava

Hochspannung in Hütteldorf: Das erste große Saisonziel – die Qualifikation für die Europa League – könnte noch vor dem Play-off verpasst werden. Nur ein Sieg (1:0 oder mit mindestens zwei Toren Unterschied) sichert Rapid nach dem 1:2 in Bratislava gegen Slovan im Rückspiel der dritten Quali-Runde den Aufstieg. Krise, Abwärtsspirale, Trainer-Diskussion – das Vorspiel war für die Grünen wahrlich nicht optimal. Sind die Rapidler bereit für die erste große Prüfung? Zehn Fragen und Antworten vor einem heißen Europacup-Abend.

Bei Rapid geht es wieder einmal rund. Können Spieler und Verantwortliche damit umgehen?
Trainer Goran Djuricin versichert: „Seit Dienstag sehe ich in den Augen der Spieler, dass sie genau wissen, worum es geht. Wir werden ein Zeichen setzen.“ Sorgen angesichts des großen Drucks? „Es gibt keine Angst auf dem Rasen. Angst ist nur in ganz schlimmen Umständen des Lebens oder im Krieg ein Thema.“
Richard Strebinger sagt zu den intensiven Aussprachen: „Die Mannschaft ist wie eine zweite Familie, und da geht es auch mal lauter zu. Das gehört dazu. Wir wissen, was zu tun ist, das stimmt mich sehr zuversichtlich.“

Wird Stefan Schwab spielen können?
Beim Abschlusstraining übte der beste Mann vom Hinspiel erstmals wieder mit der Mannschaft. Je nachdem, wie der Oberschenkel reagiert, könnte erst nach dem Aktivieren entschieden werden, ob der Mittelfeldmotor hilft.

Wer wäre der Ersatz-Kapitän?
Passend zur aktuellen Diskussion um Mentalität und Hierarchien im Rapid-Kader könnten alle drei gewählten Kapitäne ausfallen: Co-Kapitän Christopher Dibon und die Nummer drei Max Hofmann sind rekonvaleszent. Der Innenverteidiger will nach seiner Wadenverletzung Ende August wieder spielen. Gegen den WAC (0:0) trug nach der Pause erstmals Richard Strebinger die Schleife. „Als Kapitän einzulaufen, wäre eine große Ehre, aber ich hoffe sehr, dass das Schwabi tun wird“, meint der Tormann.

Würde ein Aus Rapid in finanzielle Probleme bringen?
Budgetiert wurde mit dem Erreichen des Play-offs, aber nicht mit den Einnahmen der Gruppenphase. Präsident Krammer betont: „Es würden definitiv keine finanziellen Einschnitte nötig sein.“ Allerdings würde der Kader reduziert werden, da mehrere Spieler nur bei häufiger Rotation realistische Chancen auf regelmäßige Einsätze hätten. Albin Gashi wurde bereits nach Den Bosch verliehen (samt Kaufoption).

Was würde mit Trainer Djuricin nach einem Aus passieren?
Die bisher nur diskret geführte Trainerdiskussion würde offiziell werden. Vereinbart ist, dass mit Beginn der Länderspielpause am 3. September analysiert und abgerechnet wird. Verbessern könnte Djuricin sein Standing also nur noch mit Erfolgen beim LASK, gegen Wacker und bei Sturm. Laut Klubführung ist das Schicksal von Djuricin auf keinen Fall mit jenem von Sportdirektor Fredy Bickel verbunden.

Nach dem WAC-Spiel gab es erstmals „Gogo raus“-Rufe. Kann es beim Einfluss der Fans überhaupt eine Rettung für Djuricin geben?
Auf jeden Fall. Im sich selbst befeuernden Social-Media-Zeitalter wird gerne vergessen, dass auch die letzten beiden Meistertrainer auf Ablehnung stießen. Josef Hickersberger hörte lange bevor er das Meisterteam von 2005 formte „Hicke raus“-Rufe. Und Peter Pacult war wegen seiner Austria-Vergangenheit und persönlichen Auseinandersetzungen schnell unten durch in der Fan-Szene.

Wie sieht’s mit der Unterstützung der frustrierten Fans aus?
Rund 16.000 Karten sind weg, der heute mit Sitzplätzen ausgestattete Block West ist ausverkauft. Aus Sicherheitsgründen sind nur 21.900 Plätze zugelassen. Vor dem Spiel gibt es eine große Choreografie, während der Partie wird die Unterstützung da sein. Über das Nachspiel entscheidet der Ausgang.

Bereitet sich Rapid auf ein Elfmeterschießen vor?
„Selbst wenn wir ein Gegentor kassieren, können wir mindestens zwei Tore machen“, rechnet Djuricin. Da ein 2:1 nicht unwahrscheinlich scheint, hat jeder Spieler zum Trainingsende „zumindest einen Elfmeter geübt“. Lieber wäre den Hütteldorfern natürlich eine Wiederholung von 2007: Beim letzten Duell gab es ein 3:1, das würde reichen. Steffen Hofmann erzielte damals zwei Tore.

Über 1000 Slovan-Fans reisen individuell an, die Hälfte gilt als rechtsextrem und gewaltbereit. Wie kam es zur Lösung, die Fan-Experten als die gefährlichste ansehen?
Die ÖBB haben den geplanten Sonderzug aus Sicherheitsgründen gestrichen. Die Polizei gibt Slovan die Schuld daran, dass stattdessen kein Bus-Konvoi zustande gekommen ist. Die Slowaken beklagen auf der Klub-Homepage hingegen, dass nach der „kurzfristigen Zug-Absage“ keine 20 Busse mehr zu organisieren gewesen seien. Es folgt von Slovan der Aufruf zur „maximalen Mobilisierung: Kommt mit allen Möglichkeiten, die es gibt, nach Wien“. Rund 1000 Polizisten wollen in Wien und NÖ dagegenhalten.

Wie gefährlich wird der Spieltag?
Im Stadion sollte die gewaltbereite Slovan-Szene mit rund 300 Sicherheitskräften halbwegs unter Kontrolle zu halten sein. Rapid lässt rund um den Slovan-Block bewusst je einen Sektor frei. Insider befürchten allerdings, dass untertags in der Stadt grüne Fan-Lokale angegriffen werden könnten.