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Sport Fußball
11/22/2021

Wüsten-WM: Wie Katar dem ÖFB-Team an die Substanz gehen wird

Sportwissenschafter Gerhard Zallinger über klimatische Umstellungen trotz Winter-WM und Belastungen nach dem dichten Herbst.

von Andreas Heidenreich

Die Idealtemperatur für einen Marathonlauf liegt bei etwa acht Grad Celsius. Bei zwölf Grad lief der Kenianer Eliud Kipchoge im Jahr 2019 den Weltrekord in Wien. Doch wie ist das eigentlich beim Fußball? „Da gibt es meines Wissens keine konkreten Daten. Ich würde meinen, dass es in etwa 15 Grad sind, weil es im Fußball Steh-Phasen gibt, während wir bei einem Marathon von einer permanenten grenzwertigen Belastung sprechen“, sagt Gerhard Zallinger.

Der Sportwissenschafter ist seit über einem Jahrzehnt als Athletikcoach beim ÖFB engagiert und bereitet als solcher beim Herren-Nationalteam David Alaba und Co. auf ihre physischen Belastungen vor. Im Idealfall tut er das auch in einem Jahr, wenn die WM in Katar angepfiffen wird. Die Verlegung des Turniers am Persischen Golf in die Vorweihnachtszeit hat nicht nur ihn aufatmen lassen.

Karibik-Kick

Zallinger hat viel gesehen und war unter anderem dabei, als Österreichs Juniorenteam im Juli 2011 bei der U-20-WM in Kolumbien am Start war. Bei den Spielen in Cartagena und Barranquilla an der Karibikküste hatte es nicht nur annähernd 40 Grad, sondern auch eine Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent.

Zallinger erinnert sich, wie man versucht hat, die Körpertemperatur der Spieler in kurzen Trainingspausen mittels Kühlwesten zu senken und erzählt von einem Nebeneffekt: „Wir hatten in Kolumbien auch reihenweise Magen-Darm-Infekte. Die Abkühlung des Verdauungstraktes während so einer infektionalen Phase hat wiederum für etliche Bauchkrämpfe gesorgt.“

Eine Extremsituation wie diese wird den WM-Teilnehmern im November und Dezember in Katar erspart bleiben. Wer glaubt, die Spiele würden durch einen besseren konditionellen Zustand der Akteure gegenüber einem Turnier am Saisonende an Qualität gewinnen, könnte aber irren.

Etwa wegen des oft dichten Terminkalenders im Herbst, gerade auch in Europa mit mittlerweile drei internationalen Klubbewerben. „Im Vergleich dazu ist die Sommerpause für Nationalspieler oft auch nicht ausgiebig. Gerade, wenn wir im Oktober und November beim Nationalteam zusammenkommen, haben viele Spieler ein dichteres Pensum an Wettkämpfen hinter sich als im Sommer“, sagt Zallinger.

Sonnen-Spiele

Und auch ganz ohne Umstellung auf das Klima wird es bei der Winter-WM nicht gehen, wenn die Spieler aus dem etwa zehn Grad kühlen Mitteleuropa ins 20 bis 25 Grad warme Katar reisen und dort teils untertags bei direkter Sonneneinstrahlung spielen. Denn in Katar wird die Gruppenphase in nur zwölf statt wie bisher in 15 Tagen durchgepeitscht.

Bei vier Spielen pro Tag kommt es dabei zu Anstoßzeiten um 13 Uhr, 16 Uhr, 19 Uhr und 22 Uhr Ortszeit (MEZ jeweils zwei Stunden früher). „Das ist keine Extremsituation, aber wichtig wäre trotzdem eine gute Gewöhnungsphase, also rechtzeitig vor Ort zu sein“, sagt Zallinger – wohlwissend, dass es das nicht spielen wird. Denn eine Vorbereitung wird es de facto nicht geben. In der deutschen Bundesliga wird etwa bis 13. November gespielt werden. Schon acht Tage später erfolgt in Al Khor das WM-Eröffnungsspiel.

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