Sport | Fußball
07.05.2018

WM-Teilnehmer, Teil 1: Spanien ist wieder Weltmacht

Die WM-Teilnehmer, Teil 1. Bei der Abschieds-Gala von Andres Iniesta ist der Weltmeister von 2010 Mitfavorit

Im März hatte Andrés Iniesta in einem Interview gesagt, dass die Spiele bei der WM möglicherweise seine letzten Auftritte für Spanien sein werden. Mittlerweile hat der 33-Jährige auch verkündet, dass er mit Ende der Saison auch Barcelona verlassen wird. Nach 21 Jahren. Mit zwölf Jahren hatten die Katalanen ein blasses Bürschchen aus Albacete an die Nachwuchsakademie „La Masia“ geholt.

Andrés Iniesta ist einer der feinsten Fußballer des Landes, das so viele feine Fußballer hervorgebracht hat. Und er steht, zusammen mit seinem kongenialen Partner Xavi, für die glorreiche Zeit der „Selección“. Von 2008 bis 2012 gingen alle großen Titel an Spanien. 2010 wurde das so stolze Land erstmals Weltmeister, Iniesta hat in der 116. Minute das entscheidende Tor im Finale gegen die Niederlande geschossen.

Na dann: Prost

Iniesta lässt seine Karriere in China ausklingen, Klub und Gage sind wohl noch offen. Aber unter 30 Millionen Euro im Jahr wird er wohl nicht spielen. Außerdem kostet sein Wechsel kein Hand- sondern Korkengeld. Sechs Millionen Bouteillen Wein à sechs Euro, hieß es zuletzt, sollen geboten worden sein. Das zweite Standbein des offensiven Mittelfeldspielers ist die „Bodega Iniesta“, die auf 200 Hektar in Fuentealbilla nach Albacete in der Region Kastilien-La Mancha Weinreben gepflanzt hat.

32 Titel hat Iniesta in seinem Trophäenschrank stehen, 29 davon mit dem

FC Barcelona. Mit dem Nationalteam holte er bei der EM 2008 den ersten Titel seit 1964 – in Wien.

Aber es war nicht nur der Erfolg, der in den Jahren danach beeindruckte, es war die Art und Weise wie Spanien die Titel gewann. Der Stil wurde prägend und wurde unter anderem auch von Jogi Löw für das deutsche Nationalteam adaptiert.

2010 setzten sich die Spanier durch, 2014 holten die Deutschen den WM-Titel. Das Duell der beiden Teams fiel aus, weil sich Spanien schon in der Vorrunde verabschiedet hatte. Es war das traumatische Ende des goldenen Zeitalters, mit dem 1:5 gegen die Niederlande gab es einen historischen Zusammenbruch. Vor zwei Jahren scheiterte Spanien bei der EM im Achtelfinale an Italien.

Danach wurde Julen Lopetegui mit dem Generationswechsel betraut. Der Ex- Tormann hatte davor lange mit den Nachwuchsnationalteams gearbeitet.

Jetzt arbeitet Lopetegui in einem schwierigen sportlichen Umfeld. Es gab politische Wirren rund um die katalanische Autonomiebewegung und damit Verteidiger Gerard Piqué. Es gab Wirbel im spanischen Verband, weil der jahrelange Chef Angel Maria Villar wegen Korruptionsverdacht zwangsabgesetzt wurde.

Noch immer hat Spaniens größter Sportverband (18.286 Vereine, 697.195 gemeldete Spieler) mit Juan Luis Larrea nur einen provisorischen Präsidenten, die Wahl zum Chef des Verbandes RFEF ist am 17. Mai.

Gesunde Mischung

Lopetegui aber konzentriert sich auf das Sportliche. Er setzt auf einen gesunden Mix zwischen Jung und Alt. Zentrale Rollen nehmen Sergi Busquets (29) und Iniesta (33) ein. In der Innenverteidigung spielen Pique (31) und Sergio Ramos (32). Neben Iniesta und Sergio Ramos ist mit David Silva (32) noch ein dritter Spieler dabei, der vor zehn Jahren das EM-Finale in Wien gewonnen hat.

Mit David de Gea, Dani Carvajal und Isco haben drei Spieler einen Stammplatz, die unter Lopetegui vor fünf Jahren die U-21-EM gewonnen haben. Fehlt Busquets, dann springt der damalige Kapitän und jetzige Bayern-Spieler Thiago (27) in der zentralen Rolle ein.

Die Taktik des Teamchefs umschrieb ein Journalist so: „die Mannschaft, um neue Partituren zu bereichern, ohne ihren klassischen Kanon zu verraten“. Das Kurzpassspiel Tikitaka wurde um einen Stilmix mit Pressing und Konterspiel bereichert. Aber die Grundlage bleibt gleich: viel Ballbesitz und dadurch Dominanz im Mittelfeld. „Wenn wir die Kontrolle verlieren, dann sind wir verwundbar“, sagt Lopetegui.