Sport | Fußball
22.12.2018

Wiener Derby: Nicht ohne unsere Fans

Ungewohnte Einigkeit: Austria und Rapid wollen auch künftig Derbys mit Anhängern des Auswärtsteams.

Nur langsam glätten sich die Wogen des vergangenen Derbys zwischen Austria und Rapid vor einer Woche, wobei diesmal das Duell abseits des Rasens Rapid gegen Polizei lautete und dann zu einem Polit-Zweikampf zwischen Innenminister Herbert Kickl und Rapid führte. Immerhin könnte der Vorfall dazu führen, dass sich nun alle Beteiligten bald an einen Tisch setzen wollen, um künftig ähnliche Vorfälle zu vermeiden. Denn im Frühjahr könnte es bei allen Eventualitäten zwei Derbys zwischen der Austria und Rapid in der Generali Arena geben. Einmal in der Liga, einmal im Cup-Bewerb.

Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl regte die Idee eines Sicherheitsgipfels an und verteidigte abermals das Vorgehen der Polizei, als 1338 Rapid-Fans über sieben Stunden lang angehalten worden waren. Es gab nur zwei Anzeigen. „Es hat aber viel, viel mehr Straftaten gegeben“, betont Pürstl. In den kommenden Monaten soll es noch zu einigen weiteren Anzeigen kommen.

Alle zu Tisch

Rapid-Präsident Michael Krammer ist zum Gipfelgespräch bereit und bittet gleich mehrere Protagonisten zu Tisch. Auch die Präsidenten von Austria Wien und Sturm Graz, Bundesliga-Chef Gerhard Stocker sowie eben Pürstl sollen an einer künftigen Lösung mitbasteln. Krammer griff zum Hörer und besprach sich mit dem neuen Ober-Veilchen Frank Hensel, der sich aber einen runden Tisch wünscht, an dem alle Bundesligateams sitzen, da – zumindest indirekt – alle in irgendeiner Weise von dem Fanproblem betroffen sind.

Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Lehren für die Zukunft.

Michael Krammer | Rapid-Präsident

Es gehe um „die Lehren für die Zukunft“, sagte Krammer. Er betonte ein Mal mehr, dass man das Vorgehen der Polizei am vergangenen Sonntag weiter „für unangemessen“ halte, aber „kein Öl mehr ins Feuer gießen“ wolle: „Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen. Am Ende geht es nur um eine gute Lösung für den Fußball.“

Könnte eine Lösung womöglich darin liegen, dass künftig bei Wiener Derbys zwischen Austria und Rapid auf Gästefans verzichtet wird, um endlich eine Ruhe in den Stadien zu haben?

Einer Meinung

Ausnahmsweise sind sich in dieser Causa die zwei Wiener Klubs, die seit einiger Zeit kaum eine vernünftige Gesprächsbasis haben, einig und lehnen Zustände wie in Athen oder Buenos Aires strikt ab. Rapids Geschäftsführer Christoph Peschek stellt klar: „Einem Ausschluss von allen Fans eines Vereins können wir nichts abgewinnen. Wir wollen stimmungsvolle Fußballfeste, und da gehören die Anhänger beider Klubs dazu. Zudem ist es auch für die Sicherheit besser, wenn die Fans gemeinsam im Stadion sind als außerhalb.“

Austrias AG-Vorstand Markus Kraetschmer sieht es sehr ähnlich und lehnt leere Gästeränge ab. „Sicherheitsexperten raten sogar zu Gästefans in eigenen Sektoren, weil sie sich sonst Karten für die normalen Sektoren kaufen.“ Damit könnte die Gefahr von Ausschreitungen gar steigen. Schon vor einem möglichen Gipfeltreffen in der Causa prima hat Kraetschmer kein Bauchweh vor weiteren Derbys in der Generali Arena. „Wir sind jedenfalls gerüstet und freuen uns, wenn es ein Derby gibt.“

Sicherheitsexperten raten uns sogar zu Derbys mit Auswärtsfans in eigenen Sektoren.

Markus Kraetschmer | Austria-AG-Vorstand

Der Sport ist sekundär

Schade sei nur, dass einmal mehr nicht übers Sportliche gesprochen wird. „Der Sport steht wieder nur in der zweiten Reihe.“ Nicht zum ersten Mal, wenn man die jüngere Derby-Geschichte genau betrachtet. „Die Häufung der Probleme ist in letzter Zeit schon spürbar“, sagt Kraetschmer, der in 21 Jahren bei der Austria schon viele Derbys erlebt hat. „Ich sehe das als gesellschaftspolitische Entwicklung.“

Die Gewaltbereitschaft sei in den letzten Jahren gestiegen. „Das ist kein Phänomen von Austria und Rapid, sondern ein europaweiter Trend.“ Der Fußball sei wieder einmal eine Präsentationsplattform und ein Ventil für persönlichen Unmut. „Ich habe das Gefühl, dass die Grenzen hinaus geschoben werden. Daher braucht es umso mehr die Exekutive und auch die Legislative.“ Und vor allem Vernunft bei allen Beteiligten.

Die nächsten Wiener Derbys werden zeigen, ob Klugheit siegt. Möglich ist eines noch im Cup (Halbfinale oder Finale), weitere in der Liga, wenn Austria und Rapid die Meistergruppe erreichen. Falls nicht, dann könnte es sogar noch ein direktes Duell um den Europacup geben.

Rapid vs Polizei. Nach dem Derby hagelt es schwere Vorwürfe.