Gewandelt: U-21-Teamchef Werner Gregoritsch

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Sport | Fußball
05/16/2019

Werner Gregoritsch im Interview: "Ich war die Lokomotive"

U-21-Teamchef Werner Gregoritsch spricht über die EM-Vorbereitung, seine Wandlung, den Zusammenhalt im Team und Alkohol.

Österreich bei einer U-21-EM? Ja, das gibt es.

Mit Trainer Werner Gregoritsch ist erstmals in der ÖFB-Geschichte die Qualifikation für die Endrunde gelungen. Die besten Zwölf spielen im Juni in Italien. Österreich trifft in Triest auf Serbien (17. 6.), in Udine auf Dänemark (20. 6.) und Deutschland (23. 6.).

Im KURIER-Interview spricht Werner Gregoritsch über den Zusammenhalt im Team, Videos und Alkohol.

KURIER: Sie bereiten die erste U-21-EM mit Österreich vor. Was sind die wichtigsten Punkte?

Werner Gregoritsch: Das Wichtigste ist, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Ich bin überzeugt: Mit einem ähnlichen Team wie im Play-off können wir ein gutes Turnier spielen. Mit der Qualifikation haben wir bereits Historisches geschafft.

Wöber, Laimer, Schlager, Danso, Wolf, Lienhart und Lazaro könnten für die U 21 spielen, sind aber auch für Teamchef Foda ein Thema. Wie viele A-Teamspieler bekommen Sie?

Mit Franco Foda ist alles sehr gut abgestimmt: Zuerst spielt das A-Team, und nach der Partie in Nordmazedonien bleibt noch eine Woche bis zu unserem EM-Auftakt gegen Serbien. Ich plane mit bis zu vier Spielern, die nachkommen. Ich bin in dieser Hinsicht etwas schizophren.

Wie meinen Sie das?

Ich möchte natürlich die bestmögliche Mannschaft. Ich freue mich aber ganz ehrlich über jeden der 15 U-21-Spieler, die es bei mir ins A-Team geschafft haben. Das Problem für unseren EM-Kader wird woanders liegen.

Und zwar?

Es gibt keine Abstellungspflicht der Vereine. Lienhart und Wöber sind noch verletzt. Da ist es nicht selbstverständlich, dass sie direkt aus der Reha anreisen dürfen.

Ist es nicht schwierig, ohne Top-Elf etwas einzustudieren und den Test gegen Frankreich am 11. Juni zu bestreiten?

Einstudieren ist im Team ohnehin immer schwierig. Unsere beiden großen Themen sind die Regeneration, weil die Spieler unterschiedlich belastet ankommen. Das zweite sind die Mechanismen – die kennen alle, weil wir immer vom 4-2-3-1 mit gewissen Varianten ausgehen.

Gibt es Spieler, auf die Sie nicht mehr hoffen?

Ich kann hier verraten, dass alle Kandidaten bei der EM dabei sein wollen. Auch Lazaro, der seit zwei Jahren fix im A-Team dabei ist. Das macht mich schon stolz.

Wie sehen Sie Ihre Aufgabe als Trainer?

Es war immer mein Traum, die besten Jungen zu trainieren. Das ist wunderbar aufgegangen. Ich war dafür die Lokomotive. Ich bin wie ein englischer Manager, der Supervisor. Ich habe sehr gute Assistenten und Mitarbeiter. In der Verteilung der Aufgaben bin ich wichtig, aber alleine würde das nie gehen.

Wie haben Sie sich entwickelt?

 

Ich habe früher Gas gegeben. Jetzt heißt es: „Du bist so leise geworden.“ In 20 Jahren hab’ ich gelernt: Selbstbewusstsein ist gut, aber ja nicht groß Herumposaunen. Ich sehe das Ganze jetzt anders. Deswegen gibt es wohl auch diese menschliche Ebene mit den Spielern, die passt.

Es hat auch Aufreger gegeben. Wie nach dem Aus im Play-off 2016 gegen Spanien ...

Mir hat das für die Spieler leidgetan. Erst wird von uns kaum Notiz genommen, dann gab es eine Feier zum Abschluss und plötzlich wird unglaublich viel geschrieben, auch Unwahres. Aber daraus ist auch etwas entstanden.

Und zwar?

Es sind noch sechs Spieler da, die damals dabei waren – auch beim Feiern – und gesagt haben: „Trainer, wir werden es noch allen zeigen.“

Sie haben im Februar im Interview mit laola1.at gesagt: Bis zur EM gibt es keinen Alkohol mehr. Hängt das mit den Vorkommnissen zusammen?

Ja, weil manche Spieler mit den Freiheiten nicht umgehen konnten. Wir halten das jetzt so: Wenn der Lehrgang zu Ende ist, sind sie frei und nicht mehr in meiner Verantwortung. Auch ich ordne jetzt alles dem Sport unter. Das war ein Lernprozess.

Max Wöber hat nach der Qualifikation den Zusammenhalt als größten Trumpf genannt. Stimmen Sie ihm zu?

Absolut! Wir sind ein echtes Team, das an sich glaubt. Das hat sich entwickelt, weil wir in der Quali eigentlich fast weg waren. Von Null weg haben wir es noch ins Play-off geschafft und dann als Lieblingsgegner von allen noch Griechenland geschlagen.

Bei der EM werden Sie so lange wie noch nie mit den Spielern zusammen sein. Bei der EM 2016 ist in Frankreich das schiefgegangen. Was planen Sie?

Es war sensationell, wie das Frauen-Nationalteam bei der EM 2017 in den Niederlanden miteinander umgegangen ist. So möchte ich das auch.

Ich habe mich mit Teamchef Dominik Thalhammer schon ausgetauscht. Wir dürfen sicher nicht zu viel reinpressen im Teamcamp oder Druck aufbauen. Es wird auch freie Tage geben, weil wir im Kopf frisch sein müssen.

Sind Sie glücklich, dass ausgerechnet Österreich in Norditalien spielen darf?

Nichts im Leben ist Zufall. Die Kombination aus der EM-Premiere, der schönen Gegend und den vielen Österreichern, die zu unseren Spielen anreisen werden – das kann etwas ganz Besonderes werden.

Und das Teamcamp liegt dazu mitten in den Weinbergen ...

Wir hatten keine andere Chance (lacht). Unser Hotel erinnert an die Habsburger-Zeit, die Leute dort haben viel Bezug zu Österreich. Das ist alles unglaublich.

Wie bekommen Sie Informationen über die drei Gegner?

Der ÖFB macht das sehr professionell. Die Videoanalyse läuft wie beim A-Team: Alle Gegner wurden zugeteilt. Und diese Videos sind speziell für diese Spielergeneration so wichtig.

Warum?

Es bringt nichts mehr, ihnen nur etwas zu erzählen. Sie stellen klare Fragen und wollen Fakten. Alles muss argumentierbar sein. Wenn ich sage „Du läufst zu wenig“, muss ich das mit Videos und Daten belegen können.

Wie lautet das Turnierziel?

Wenn ich Realist bin, sage ich: ein Sieg! Aber ich glaube an die Mannschaft, und deswegen heißt das Ziel: Platz zwei in der Gruppe! Dann könnten wir uns auch noch für Olympia qualifizieren. Wobei wir den Gruppensieg schon auch nehmen würden (lacht).