© EPA/Enric Fontcuberta

Sport Fußball
08/14/2020

Warum der FC Barcelona eigentlich FC Messi heißen müsste

Kein anderer Fußballer hat bei einem der Topklubs der Welt eine dominantere Rolle inne.

von Günther Pavlovics

Der kommerzielle Aufstieg der größten Fußball-Stars zu Marken fast auf Augenhöhe mit ihren Vereinen hat die alten Machtverhältnisse verschoben. Beim FC Barcelona ist zudem das Missverhältnis zwischen dem globalen Phänomen Lionel Messi und dem blassen, fußballfremden Präsidenten Josep Maria Bartomeu eklatant.

Der seit 2014 amtierende Klubchef muss um die Stimmen von Zehntausenden Mitgliedern werben, wenn er 2021 wiedergewählt werden will. Ohne Messi, dessen Vertrag 2021 ausläuft, geht das schon gar nicht. Deshalb sagt der 57-jährige Bartomeu auch: "Messi hat mehrere Male gesagt, er wird seine Karriere bei Barcelona beenden, dem Klub seines Lebens. Und ich habe keinen Zweifel, dass er weit länger als 2021 hier spielen wird."

Aber auch der Champions-League-Sieg wäre gut für die gedrückte Stimmung. Diese Saison wurde Barça in der Meisterschaft nur Zweiter hinter Real Madrid und schied im Cup schon im Viertelfinale gegen Bilbao aus. Allerdings sind die Katalanen im Viertelfinale gegen die Bayern nur Außenseiter. 

Messi im Alleingang

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge warnte aber vor dem Superstar. "Ich habe einen Riesenrespekt vor ihm. Er hat etwas, was kaum ein anderer hat: Er kann Spiele im Alleingang entscheiden."

Ohne Messi wäre Barcelona kaum der umsatzstärkste Klub der Welt (Saison 2018/’19: 841 Millionen Euro), weshalb der Argentinier – der seit 20 Jahren beim Klub ist und seit 16 Jahren als Profi spielt – Narrenfreiheit hat.

Sportdirektor Éric Abidal sagte nach dem Abschied von Trainer Ernesto Valverde im Jänner: "Viele Spieler waren nicht glücklich und haben nicht gut gearbeitet." Der Franzose bekam prompt von Messi die Antwort: "Wenn man über Spieler redet, sollte man auch die Namen nennen. Über die Kabine werden zu viele Dinge gesagt. Als würden wir alles erledigen: Trainer holen und sie feuern, Spieler herbringen." Das Machtwort des Mächtigen endete so: "Als ob ich viel Macht hätte und Entscheidungen treffen würde."

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Dabei hatte ihn Abidal nicht einmal namentlich genannt. "Ich wusste, dass ich das nicht zulassen konnte, dass der Sportdirektor mich so angreift." Bei jedem anderen Klub wäre der ruppige Stil gegenüber einem Vorgesetzten als Kompetenzüberschreitung eines Angestellten angesehen worden. Nicht so bei Barcelona. Dort bestätigte Bartomeu seinen Sportdirektor, damit der Kotau vor Messi nicht gar so tief ist.

Ein anderes Beispiel: Ein ehemaliger Finanzdirektor erdreistete sich, in einem Radio-Interview zu sagen: "Ich weiß nicht, warum wir Messi alle sechs Monate den Vertrag verlängern müssen." Messi schickte dem Sender aus dem Urlaub eine Audiodatei. Darin sagte er: "Herr Faus ist ein Mensch, der nichts von Fußball versteht. Barcelona ist einer der größten Klubs der Welt und verdient es, von den besten Führungskräften vertreten zu werden."

Die Führungskraft auf der Trainerbank wird von Messi derzeit geduldet, sie heißt Quique Setién, ist 61 Jahre alt und hat vor Barça nur Provinzklubs wie Betis, Las Palmas oder Lugo betreut. Aber er gilt als Verfechter des Tiki-Taka, des Ballbesitzfußballs, den Barça einst zur Vollendung gebracht hatte, der aber in den letzten Jahren immer mehr in Vergessenheit geraten ist.

Messis Mitspieler

Aber anders als einst Pep Guardiola fand er kein eingespieltes Kollektiv technisch versierter Kurzpassspieler vor, sondern einen kickenden Haufen, der vor allem von einem Spieler abhängig ist – von Lionel Messi. Hat der Argentinier keine Idee, stockt es gewaltig in der Offensive, auch, weil beispielsweise Luis Suárez lange verletzt war und Antoine Griezmann bisher hinter den Erwartungen zurückblieb.

Der Franzose muss meist auf dem Flügel spielen und kann nicht wie bei Atlético mit Tempo aus dem Zentrum kommen. Diese Rolle nimmt Messi ein. Der Kader besteht hauptsächlich aus durchschnittlichen oder alternden Spielern, die sich stetig von der Weltklasse entfernen.

Lionel Messi will schon seit einiger Zeit seinen Haberer Neymar zurück. 2017 wussten er, Gerard Piqué und Luis Suárez schon Wochen vor dem Verein, dass sich der Brasilianer von Paris aus seinem Barça-Vertrag kaufen lässt. Sie sagten kein Sterbenswörtchen. Wenige Tage nach dem Wechsel trafen einander die Herrschaften bei einer Privatparty und feierten. Vielleicht feiern sie bald wieder mit ihrem Freund. Und Messi unterschreibt über 2021 hinaus.

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