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Sport Fußball
03/17/2019

Ein Bundesliga-Gemälde für Geburtstagskind Neymar

Aus der Kategorie "Kuriositäten": Der ehemalige Bundesliga-Stürmer Wolfgang Mair und sein Portrait von Neymar.

von Christoph Geiler

Als Wolfgang Mair am Flughafen Charles de Gaulle feststellen musste, dass sein Koffer die Reise nach Paris nicht mitgemacht hatte, dürfte er sich vorgekommen sein wie ein Fußballer, der fünf Minuten vor dem Champions-League-Finale draufkommt, dass seine Schuhe und das Trikot verschwunden sind.

Und man muss dem ehemaligen ÖFB-Teamspieler wirklich hoch anrechnen, dass er in diesem Moment der Verzweiflung nicht komplett die Fassung verloren hat. Vor allem, nachdem das Flughafenpersonal von ihm auch noch wissen wollte, wohin denn der Koffer nachgeschickt werden sollte. „Ja, wohin nachschicken, wenn ich nur eine Nacht in Paris bin?“

Rote Nacht

Es war die Feier zum 27. Geburtstag von Neymar, die Wolfgang Mair an diesem Februarmontag in die französische Hauptstadt geführt hatte. 350 prominente Gäste waren in den Pavillon Gabriel an den Champs-Élysées geladen, die Party stand unter dem Motto „Die rote Nacht“ , und für den Osttiroler war an diesem Abend eine besondere Rolle vorgesehen: Wolfgang Mair, der ehemalige Bundesligastürmer, sollte ein Porträt von Geburtstagskind Neymar anfertigen. Auf dem roten Teppich, live und innerhalb von sechs Stunden. „Das ist eine extreme Herausforderung, vor allem, weil ich zuvor noch nie Live-Action gemacht habe, aber so eine Gelegenheit kriegt man nur einmal“, sagt Mair.

Dafür nahm er auch gerne all den Stress und die Mühen in Kauf. Erst vier Tage vor der Feier war der 39-jährige Fußball-Künstler als Act für den Kunst-Fußballer engagiert worden. Das Management von Neymar war angetan von den bisherigen Arbeiten des Tirolers, der schon während seiner ersten Karriere gerne zum Pinsel gegriffen hatte. Es gibt einige heimische Kicker, die daheim einen „Kowalski“ hängen haben, wie sich Mair auf seinen Werken traditionell verewigt.

Pinselsuche

Auch Neymar ist nun Besitzer eines Kowalski. Aber bis und wie es dazu kam, sorgte bei Mair für jede Menge Aufregung und Sorgen. Und nicht nur einmal musste der 39-Jährige befürchten, dass die Leinwand womöglich leer bleiben würde. Es begann schon mit dem Flieger, der in München wegen des schlechten Wetters zuerst nicht abheben konnte. Es ging weiter mit dem Koffer, der nicht in Paris auftauchte und in dem sich dummerweise die Pinsel, Farben und alle anderen notwendigen Materialen befanden.

Und als dann Wolfgang Karner, ein Galerie-Mitarbeiter aus Salzburg, der Mair in Paris assistierte, am frühen Abend in der französischen Metropole auch noch bei einem Geschäft für Künstlerzubehör kurz nach Ladenschluss abblitzte, schien sich endgültig alles gegen Mair verschworen zu haben. „Ein Elfmeterschießen ist viel weniger Stress als das, was ich da erlebt habe“, sagt der ehemalige Stürmer schmunzelnd.

Wäre da nicht dieser hilfsbereite Taxifahrer gewesen, wer weiß, ob dieses Porträt heute überhaupt die Wände der Pariser Luxusvilla von Neymar schmücken würde. „Zufälligerweise war der ein Hobbymaler und ist quer durch Paris gefahren, um von daheim einige Sachen zu holen. Das hat mir den Abend gerettet“, erzählt Mair.

I love it

Mit diesem Notfall-Malset machte sich der Osttiroler daran, Neymar zu verewigen. Nicht nur wegen der neugierigen Blicke der Party-Besucher war die Anspannung enorm, er wusste auch, dass er sich keinen Fehler erlauben durfte. „Mir haben gewisse Materialien gefehlt. Wenn Neymar auf dem Bild geschielt hätte, dann hätte ich es nicht mehr ausbessern können“, erklärt Mair, der nach sechs Stunden Arbeit mit seinem Werk anfänglich nicht restlos zufrieden war. „Aber wie dann Neymars Tätowierer gesagt hat, dass das Bild voll gut ausschaut, da habe ich gewusst, dass es passt.“

Und Neymar selbst geriet im Angesicht seines Ebenbildes ohnehin ins Schwärmen. „Great, man, I love it“, war seine Reaktion, und spätestens ab diesem Zeitpunkt konnte Wolfgang Mair den Abend genießen. „Wobei ich nicht viel mitgekriegt habe, was rund um mich passiert. Ich habe nicht einmal bemerkt, dass der Buffon auf der Party war. Dabei wollte ich eigentlich unbedingt ein Foto mit ihm.“