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Analyse
04/17/2020

Warum der Anpfiff der Bundesliga einem Drahtseilakt gleicht

Viele Klubs zweifeln am Wiederbeginn Mitte Mai. Nicht nur die verpflichtenden Corona-Tests werden zum Problem.

von Alexander Huber

Der Wille zum Ankick ist vorhanden. Aber sonst fehlt es im Profi-Fußball an allen Ecken und Enden: Verordnungen der Regierung, fertige Pläne für Geisterspiele, Zusagen für nötige Corona-Tests – momentan ist nix fix, dafür aber umso mehr infrage gestellt. Zoran Barisic gibt einen Einblick in die tägliche Arbeit bei Rapid und in jene seiner Sportdirektoren-Kollegen: „Pläne sind in der Corona-Krise zum Verwerfen da. Was heute noch gilt, kann morgen weggeworfen werden.“ Wo hakt es konkret?

Terminstress
Viele Vereine zweifeln, dass bereits Mitte Mai mit dem Cupfinale der Reigen an Geisterspielen beginnen kann. Auch wenn am Dienstag das eingeschränkte Training beginnt, ist nicht klar, ab wann Mannschaftstraining mit Körperkontakt erlaubt ist. Parallel gilt es, viele Corona-Tests zu organisieren (und zu bezahlen).

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich bis Ende Juni alles ausgeht.“

Zoran Barisic | Rapid-Sportdirektor

Diskutiert wird auch die Image-Frage: Kommt es gut an, wenn im TV Geisterspiele laufen, die Kinder aber noch nicht in die Schule dürfen? Rapid kämpft zwar um die Fortsetzung der Saison, beim Terminplan bremst Sportdirektor Barisic allerdings: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich bis Ende Juni alles ausgeht.“ Das von der UEFA aufgemachte Zeitfenster bis Anfang August solle genutzt werden.

Rechtsstreit
Ein Grund, warum ÖFB und Bundesliga Tempo machen, sind die auslaufenden Verträge. „Auch wenn der Vertrag bis zum letzten Spiel der Saison läuft, ist er mit 30. Juni befristet“, erklärt Gernot Zirngast als Chef der Spielergewerkschaft VdF. Für die Zeit danach müssten Sonderregelungen gefunden werden, sonst drohen Klagen.

Die Bundesliga stellt sich zusätzlich auf eine Klage von Ried ein: Der Tabellenführer der 2. Liga kann laut ÖFB-Gutachten nur aufsteigen, wenn beide Profiligen fertiggespielt werden – das ist höchst unwahrscheinlich.

Auslosung für Altach
Altach hat mit Abstand die weitesten Anreisen, meistens per Flugzeug. „Fliegen ist in nächster Zeit nicht möglich. Unser Input wird sein, im Block auswärts zu spielen“, kündigt Geschäftsführer Christoph Längle einen Antrag auf eine Änderung der Auslosung an. „Etwa am Samstag bei der Austria, dann am Dienstag in Mattersburg.“

Finanziell dürfte Altach noch gut aufgestellt sein: Mit der Vertragsverlängerung von Trainer Alex Pastoor bis 2022 wurden trotz Corona-Krise Fixkosten für zwei weitere Jahre beschlossen.

Die Bundesliga muss aufpassen, dass sie mit Ried, Klagenfurt und Lustenau nicht drei potenzielle Starter für die Zwölferliga verliert."

Gernot Zirngast | Chef der Spielergewerkschaft

Trainingsverbot in Liga 2
„Die Regierung hat den Zweitligisten nicht erlaubt, ab Dienstag wieder in das Training einzusteigen, obwohl Spieler von 13 der 16 Vereine laut unserer Umfrage bereit wären“, ärgert sich Zirngast. Eine Sondergenehmigung gibt es nur für Lustenau als Cupfinalist. „Ried hat aber eine reine Profi-Mannschaft – warum werden die anders behandelt als St. Pölten? Wir verurteilen das“, sagt der Gewerkschafter. Am 24. April droht aber ohnehin das Aus: Weil sich bis auf die Titelkandidaten kein Verein die nötigen Corona-Tests leisten will oder kann, droht bei der nächsten Ligakonferenz der Abbruch der 2. Liga.

Zukunftssorgen
Zirngast warnt davor, dass die Krise das Liga-Format beschädigt: „Die Bundesliga muss aufpassen, dass sie mit Ried, Klagenfurt und Lustenau nicht drei potenzielle Starter für die Zwölferliga verliert. So wie es kaum noch Aufsteiger in die 2. Liga gegeben hat, könnte es künftig auch an Kandidaten für die oberste Spielklasse mangeln.“ Zirngast meint: „Es wird um Entscheidungen gehen, die keinen Verein auslöschen. Vielleicht sollte man ernsthaft über die Aufstockung zur 14er-Liga reden.“

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