Sport | Fußball
04.06.2018

Warum das Nationalteam unter Foda wieder im Aufwind ist

Fünf Spiele, fünf Siege, den Weltmeister geschlagen - das ÖFB-Team kommt unter dem neuen Trainer wieder in Fahrt.

Wenn man in einem Testspiel den Weltmeister schlägt, dann kann man sich entscheiden. Zwischen Euphorie und Realismus. Es gehört wohl auch zu den Aufgaben eines Teamchefs, für das nötige Korrektiv bei all dem Jubel zu sorgen. Franco Foda zeigte sich am Tag nach dem ersten Sieg über Deutschland seit 32 Jahren zwar müde, aber bestens gelaunt. Lediglich ein Glas Rotwein hatte er sich in der dritten Halbzeit gegönnt. Er gemahnte einmal mehr zu Demut: „Wir müssen bodenständig und realistisch bleiben.“

Wie soll man nun das 2:1 von Klagenfurt gegen Deutschland einordnen, wie einen Mittelweg finden zwischen Tiefstapelei und dem aberwitzigen Trugschluss, bald um den WM-Titel mitzuspielen? Fünf Siege feierte Foda als Teamchef in fünf Spielen. Es gibt einige gute Gründe, weshalb sich das Nationalteam wieder auf einem sehr guten Weg befindet:

Mentalität „Du musst einmal nach einem Rückstand gegen Deutschland zurück ins Spiel kommen“, staunte Foda nicht schlecht. Der Glaube an sich selbst zeichnet das aktuelle Team aus. „Das war vielleicht die wichtigste Botschaft des Abends. Die Mannschaft hat Außergewöhnliches geleistet. So etwas gibt einem Stärke.“

Flexibilität Seit Beginn seiner Tätigkeit predigt Foda die taktische Flexibilität und wendet die Theorie bei jeder sich in der Praxis ergebenden Gelegenheit an. Gegen Russland begann er mit einem 3-4-3, stellte dann auf ein 5-3-2 um. Gegen Deutschland vertraute er bis zum Schluss auf das 3-4-3 und wurde dafür belohnt. Die Variante mit der Dreier-Abwehr funktioniert gut, die Spieler dürften sich in diesem System ganz wohl fühlen. „Weil wir hier sehr flexibel sind und schnell switchen können.“ So rückte einmal Alaba als vierter Verteidiger zurück, dann wieder Lainer auf der anderen Seite. „Der nächste Schritt wäre dann, dass sich ein Innenverteidiger wie Prödl mal ins Mittelfeld fallen lässt, um dort Überzahl zu schaffen“, wünscht sich der Teamchef. Eine Rolle, die er übrigens auch Ilsanker oder Baumgartlinger zutraut.

Universalität Der Teamchef steht offensichtlich auf Allrounder, weil ihm diese Spieler erst seine taktische Flexibilität ermöglichen. „Schöpf hat gegen Russland links hinten, gegen Deutschland rechts vorne gespielt. Ein Alaba kann auf vielen Positionen spielen“, freut sich Foda über seine personellen Möglichkeiten, auch wenn sie ihm oftmals die Qual der Wahl bescheren.

Tempo Österreich drehte gegen Deutschland nach der Pause auf, setzte den Weltmeister unter Druck, zwang ihn zu vielen Fehlern. „Da haben wir bei ihnen Stress erzeugt. Ich habe mich draußen gefragt, wie lange wir dieses Tempo durchhalten können.“ Bis zum Ende. „Das war sehr zufriedenstellend. Unglaublich, mit welcher Leidenschaft wir da agiert haben.“

Spielereien Österreichs Team verfügt über Spieler, die sich mit spielerischen Mitteln aus der Bedrängnis befreien können. Legionäre wie Alaba, Baumgartlinger, Arnautovic, Schöpf oder Grillitsch haben bei ihren Vereinen in den Top-Ligen gelernt, unter Raum- und Zeitdruck ihre Technik anzuwenden. Eine Reifeprozess, der Foda zugute kommt. „Wir haben in der zweiten Halbzeit richtig gut Fußball gespielt mit Kurzpass-Spiel und schönen Kombinationen.“

Thema Alaba Es ist Ruhe eingekehrt in der ewigen Diskussion, weil Alaba seinen Platz auf der linken Seite offenbar gefunden hat. „Ich habe diese Diskussion nie geführt. Er kann auf vielen Positionen spielen“, weiß Foda nach einigen Gesprächen mit dem Bayern-Legionär. „Er ist ein Antreiber, ein wichtiger Typ für uns. David ist Weltklasse.“ Ohne den Sieg gegen den Weltmeister in einem Testmatch überzubewerten, lautet das Fazit: Österreich kann an einem Tag unter gewissen Umständen mit der absoluten Spitze mithalten kann. Das verleiht Zuversicht, aber keine Gewissheit für die Zukunft.