Knasmüllners Selbstkritik: „Mir ist spät  das Licht aufgegangen“

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Porträt
02/22/2020

Vor Jubiläum für Rapid: Die späte Erleuchtung von Knasmüllner

50. Ligaspiel für Rapid: Über Christoph Knasmüllner, seine Selbstkritik und seine Zukunft nach dem Duell mit Hartberg.

von Alexander Huber

Christoph Knasmüllner bestreitet am Sonntag in Hartberg sein 50. Ligaspiel für Rapid. Seit seinem Kauf im Sommer 2018 von Barnsley um 550.000 Euro hat der Spielmacher in gesamt 67 Pflichtspielen 15 Tore erzielt und 27 aufgelegt. In diesem Zeitraum ist der Wiener damit der beste Scorer der Grünen.

„Das ist cool. Ich habe nicht gewusst, dass ich ein Liga-Jubiläum feiere und die besten Scorerwerte habe.“ Die Aussage passt zum 27-Jährigen. Knasmüllner kann mit seiner unbeschwerten Spielweise unangenehm für den Gegner sein, aber auch völlig abtauchen. So, dass nicht nur Rapid-Fans fragen: „Wo ist eigentlich der Knasi?“

Ex-Trainer Goran Djuricin erzählte, dass oft die erste Aktion über ein Topspiel oder eine Partie zum Vergessen entschied.

„Ich habe an meinem Auftreten gearbeitet und will noch präsenter werden“, erwidert Knasmüllner. „Aber ich bin halt ein Offensivspieler, der nicht so oft und nicht so lange den Ball hat.“

Späte Erleuchtung

Im Bayern-Nachwuchs wurde dem Edeltechniker größeres Talent als David Alaba zugebilligt. Doch weder in Deutschland, noch bei Inter Mailand gelang der Durchbruch. „Als ich dann auch bei der Admira nicht gespielt habe, hab’ ich gecheckt, dass Talent und Technik heute nicht mehr ausreichen. Mir ist erst spät, leider zu spät, das Licht aufgegangen“, sagt der Jungpapa zum KURIER.

„Besonders wichtig ist: Hart arbeiten, nie aufgeben und immer an sich glauben.“

Der Wunsch-Zehner

Bei Rapid fühlt er sich „richtig wohl“, obwohl die Konkurrenz für die Lieblingsposition („als Zehner im 4-2-3-1“) groß ist. Kitagawa kann das, Murg ebenso. Von den Jungen rückte (bis zu mehreren Blessuren) Talent Wunsch nahe, langfristig sieht Trainer Didi Kühbauer Supertalent Demir als Spielmacher am besten aufgehoben. Gegen WSG Tirol spielte aber Knasmüllner. „Weil er es im Herbst richtig gut gemacht hat“, lobt Kühbauer.

„Ich spüre, dass ich mir das Vertrauen des Trainers erarbeitet habe. Wenn das nicht so ist, hätte ich kein gutes Gefühl – und das kenne ich gut aus meiner Karriere“, erklärt Knasmüllner nach 10 Assists in den letzten 14 Einsätzen.

Barisic als Fan

Sportdirektor Zoran Barisic outet sich als Fan: „Knasi ist technisch extrem versiert, sehr kreativ, findet gute Lösungen, hat den Blick für Mitspieler, ist aber auch selbst effizient. Dazu ist er klug, taktisch stark und hat sich im vergangenen halben Jahr noch gesteigert. Kurz: Ich halte sehr viel von ihm, weil er es einfach draufhat.“

Zoran Barisic

Trotzdem sieht der Sportdirektor „noch viel Luft nach oben. Es spricht für ihn, dass er die Professionalität noch gelernt hat und konstanter wurde. Jetzt muss er noch mehr an sich glauben. Dass er ein Sensibelchen ist, macht nichts. Er darf Fehler machen und riskant spielen“.

Vertragsverlängerung

Barisic wird versuchen, den Vertrag über den Sommer 2021 hinaus zu verlängern: „Weil ich traurig und verärgert wäre, wenn er sein Riesenpotenzial nicht im Rapid-Dress ausschöpfen sollte.“

Wo sieht der Sportchef den Spielmacher aktuell? „Erst bei 70 bis 80 Prozent seines Leistungsvermögens.“