Uli Hoeneß war die Leere ins Gesicht geschrieben.

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Sport Fußball
05/19/2020

Vor acht Jahren: Der Tag, an dem Uli Hoeneß bitterlich weinte

Am 19. Mai 2012 verloren die Bayern in München das Champions-League-Finale gegen Chelsea nach Elfmeterschießen.

von Stephan Blumenschein

Es waren TV-Bilder, die um die Welt gingen: Ein bitterlich weinender Bayern-Boss Uli Hoeneß musste auf der Tribüne der Münchner Allianz Arena von seiner Frau getröstet werden. Aus dem "Finale dahoam" war am 19. Mai 2012 ein "Drama dahoam" geworden. Die favorisierten Bayern hatten das Finale der Champions League gegen den FC Chelsea am Tag genau vor acht Jahren mit 4:5 nach Elfmeterschießen verloren.

"Grausam. Es ist Wahnsinn. Dreimal hatten wir die Chance, das Spiel für uns zu entscheiden. Wir hatten es eigentlich immer unter Kontrolle. Chelsea hat doch keine Torchance gehabt", sagte Hoeneß kurz danach in die TV-Kameras. Seine Tränen in den Augen konnte er noch immer nicht verbergen. Zu tief war der Schmerz, zu groß die Enttäuschung, nachdem die so erfolgsverwöhnten Bayern im eigenen Stadion gedemütigt worden waren.

Untröstlich beim Rekordmeister war vor allem Bastian Schweinsteiger, der mit dem letzten Bayern-Elfmeter nur die Stange getroffen hatte. Als Chelsea-Star Didier Drogba anschließend traf, blieb die Bayern-Welt kurz stehen. "Ich habe in diesen Momenten, nach dieser großen Enttäuschung, nichts mehr um mich herum wahrgenommen. Ich war verzweifelt, enttäuscht, wie paralysiert", sagte Schweinsteiger mit leerem Blick.

Dabei hatten die klar überlegenen Münchner schon bis zur späten Führung durch Thomas Müller (83.) viele Chancen zur Entscheidung gehabt. Doch die Blues schlugen zum Entsetzen der Bayern eiskalt zurück: Nach dem ersten Eckball glückte Drogba (88.) der späte Ausgleich. Zu allem Überfluss vergab Arjen Robben in der Verlängerung noch einen Strafstoß (95.). Im Elfmeterschießen versagten neben Schweinsteiger noch Ivica Olic die Nerven - und ganz München weinte.

Nach dem Drama gab es durchaus Kritik – auch vom damaligen Präsidenten Hoeneß. "Vielleicht müssen wir uns fragen, warum es so passiert ist, ob das die Spieler sind, die das erzwingen. Ob wir davon genug haben. Ich habe heute keinen Jens Jeremies gesehen, der schon beim Einlaufen den Gegner in die Waden beißt. Wir können nicht sagen, alles ist in Ordnung, wenn wir dreimal Zweiter sind. Ich bin nicht derjenige, der das so hinnimmt", sagte er in aller Deutlichkeit.

Ein Jahr später durfte dann auch Hoeneß zufrieden sein. Mit Trainer Jupp Heynckes gelang das historische Triple, gekrönt mit dem Final-Triumph in der Königsklasse. Mit einem 2:1 gegen Borussia Dortmund wurde im Londoner Wembley Stadium nachgeholt, was im Jahr davor im eigenen Stadion gegen einen Klub aus Englands Hauptstadt nicht gelungen war.