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01.10.2018

Viele Baustellen warten auf den neuen Rapid-Trainer

Trainerwechsel bei Rapid: Sieben Probleme, die den Nachfolger von Ex-Coach Goran Djuricin beschäftigen werden.

Goran Djuricin ist Geschichte. Aber allein deshalb wird bei Rapid sicher nicht alles gut. Der derzeit gesuchte nächste Trainer übernimmt einen Tabellenachten mit viel Potenzial, aber auch gewaltigen Baustellen. Sieben Probleme, die den Djuricin-Nachfolger beschäftigen werden:

- Keine klare Linie Wofür steht Rapid unter Djuricin, außer für einen menschlich ehrenwerten Umgang mit den Spielern? Am Anfang wollte er den Stil von Ex-Coach Barisic zurückbringen. Im Sommer kündigte der 43-Jährige in der Sportzeitung an, dass der Spielstil sowohl Guardiola als auch Klopp zum Vorbild habe und deren Ideen verbinden solle. Also Dominanz durch Ballbesitz plus schnelle Angriffe.

Das klingt nach der Quadratur des Kreises. Mit der anstehenden Trainer-Entscheidung sollte bei Rapid wieder ein klarerer Weg festgelegt werden – und dann auch konsequent verfolgt werden.

- Kein Rückhalt Für einige war Djuricin „der Trainerlehrling“, für andere „der Violette“, einige hatten für den Wiener überhaupt nur Schimpfwörter übrig. Der Kreis der Unterstützer war von Anfang an klein. Kühbauer hätte sicher mehr Rückhalt – bei den Ansprüchen der Fans wohl aber auch nur für einige Monate. Sportchef Bickel hat unterschätzt, wie stark der Unmut werden würde: „Gogo hat unglaublich viel richtig gemacht. Aber ich mache mir im Rückblick Vorwürfe, dass ich ihm so großen Druck aufgelastet habe.“

- Verletzungen Das größte dauerhafte Problem für den Trainer waren die vielen Verletzungen. Djuricin hatte bei keinem seiner 67 Pflichtspiele die Chance, die Top-Elf aufzustellen. Bickel wollte den Kader mit Blick auf die Herbst-Rückkehrer nicht mehr vergrößern, Djuricin trug das mit. Durch Dibon, Bolingoli, Schobesberger und Pavlovic – die allesamt gerade fit wurden oder nach der Länderspielpause ihr Comeback geben – hat der Nachfolger wesentlich mehr Qualität zur Verfügung.

- Zu wenig Power Es fällt auf, dass Rapid nie über ein ganzes Spiel kraftvoll agierte. Nach dem schauderhaften 0:0 gegen den WAC gab es intern Krach wegen Athletikcoach Beretzki. Der strenge Sportwissenschaftler hatte wenig Verständnis für „Müdigkeit“, Djuricin vermutete hingegen falsche Trainingssteuerung und setzte durch, dass Beretzki mehr an den Strukturen und nicht mehr direkt bei den Profis arbeitet.

- Schwaches Pressing Besseres Offensivpressing kündigte Djuricin als eines der großen Saisonziele an. Mit dem Spielstil der Einkäufe Knasmüllner und Alar war das aber nicht realistisch, und die Umsetzung sah dementsprechend halbherzig aus. Vielleicht hätte es mit den ursprünglichen Transfer-Favoriten Dovedan und Prevljak funktioniert, auf jeden Fall hätte Djuricin den Spielstil stärker adaptieren müssen.

- Galvão-Abgang Der Kader-Umbau im Sommer war stärker als geplant, obwohl die Verkäufe von Murg und Bolingoli gerade noch verhindert werden konnten. Von allen Abgängen wiegt der von Lucas Galvão am schwersten. Mit der Technik des Brasilianers war auch der feine (teils riskante) Spielaufbau dahin, Rapid hat deshalb große Probleme, spielerisch Druck aufzubauen. Nachfolger Mateo Barac präsentiert sich als ordentlicher Old-School-Verteidiger, aber ohne Spielwitz. Bickel meint: „Barac könnte sicher mehr, vielleicht kämpft er mit dem Druck.“ Ob dem neuen Trainer dabei die Rückkehr von Dibon entscheidend helfen wird?

- Glückskurve Im Europacup war jedes Duell an der Kippe, mit dem stets glücklicheren Ende für Rapid. Damit war das Kontingent wohl aufgebraucht. Auch wenn es nach neun Punkten in neun Runden komisch klingt: Es gab durchaus die Torchancen, in der Liga die Mindestanforderungen zu erfüllen.

Das Präsidium tagt: Wird es ein Legionär oder Kühbauer?

Auch wenn die Aufmerksamkeit derzeit woanders liegt, wartet auf Rapid am Donnerstag ein Highlight: Das Europa-League-Spiel im Ibrox Stadium. Rund läuft es derzeit auch bei den Glasgow Rangers nicht - in Livingstone gab es ein 0:1, Schottlands Rekordmeister liegt nur auf Rang sechs.

Wer Rapid nach der Freistellung von Goran Djuricin betreuen wird, ist offen. Am trainingsfreien Montag tagt das Präsidium, um die Short-List von Sportdirektor Fredy Bickel zu diskutieren. Der Schweizer hörte sich im Ausland um, nicht alle Kandidaten würden sich das Rapid-Umfeld derzeit „antun“.

In St. Pölten rüstet sich der SKN für mögliche Verhandlungen. Trotz aller Dankbarkeit gegenüber Didi Kühbauer wird es für den Erfolgscoach keinen Sonderpreis geben - die Rückkehr Kühbauers zu Rapid würde richtig teuer werden. 

Bei der Nachfolger-Suche wurde auch über Oliver Glasner diskutiert. Der 44-Jährige dürfte aber nicht zu bekommen sein. Im Frühjahr sprach LASK-Berater Jürgen Werner von einer Ausstiegsklausel, gegenüber Sky dementierte Werner aber, dass Glasner aktuell diese Option habe. Glasner selbst antwortete zu Rapid von Sky befragt: „Das ist überhaupt kein Thema für mich.“  Außerdem gilt er als logischer Salzburg-Trainer, wenn Rose den Meister einmal verlassen sollte.