Sport | Fußball
12.04.2018

Elfer von Madrid: "Bei diesem Kontakt muss man nicht fallen"

Athletik-Trainer Daniel Brand über Zweikämpfe im Fußball und den umstrittenen Elfmeter beim Champions-League-Krimi.

Daniel Brand arbeitet als Athletik-Trainer und Sport-Physiotherapeut täglich mit Profifußballern, unter anderem mit Österreichs U-19-Nationalteam. Der ehemalige Regionalliga-Kicker (PSV Team für Wien) über den umstrittenen Elfmeter in Madrid.

KURIER: Sie haben den Elfmeter bei Real gegen Juventus gesehen. War es ein Foul?

Daniel Brand: Ich bin kein Schiedsrichter, aus Sicht des Athletik-Trainers kann ich aber sagen: Bei diesem Kontakt muss man sicher nicht fallen.

Was macht Sie so sicher?

Es war weder die Attacke von Benatia so intensiv, noch war die fehlende Physis von Vazquez dafür verantwortlich, dass er zu Boden gegangen ist. Klar, Benatia war zu spät, aus sportmotorischer Sicht hat er aber sogar relativ geschickt versucht, zu retten, indem er den Ball von hinten seitlich wegspitzeln wollte.

Welchen Stellenwert hat Athletik-Training im Fußball?

Profis trainieren täglich zusätzlich zum Mannschaftstraining ihre Physis. Athletik, Stabilität, Kraft und Mobilität. Das ist einerseits Verletzungsprophylaxe, andererseits wird damit auch ganz gezielt das Durchsetzungsvermögen in Zweikämpfen trainiert. Dieses zusätzliche Training ist auf diesem Niveau nicht mehr wegzudenken, auch wenn das Bewusstsein dazu in Österreich leider noch eher in den Kinderschuhen steckt.

Fallen Fußballer öfters, als sie müssten?

Auf jeden Fall. Stürmer trainieren nicht weniger als Verteidiger und trotzdem fallen sie leichter, suchen den Kontakt oder versuchen, das Foul zu ziehen, je näher sie dem gegnerischen Tor kommen. Es gibt Strategien und Fußball-taktische Überlegungen, wie Spieler Fouls geschickt herausholen. Fußball ist zum Teil Schauspielerei, das ist aber auch das Schöne daran und wird immer wieder zu Diskussionen führen.