Sport | Fußball
10.10.2017

Strukturfrage: Der ÖFB ist kein Reformhaus

Der Fußball-Verband setzt auf Föderalismus, Experten raten zu einem Umdenken.

Schon beim Abflug nach Moldau zeigte sich, dass es beim Nationalteam Gesprächsbedarf gibt. ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer war noch kaum am Flughafen, da plauderte er schon mit Teamkapitän Julian Baumgartlinger. Die Spieler sind sauer, dass rund um die Partien gegen Serbien und Moldau mehr über das Chaos im Verband gesprochen wurde als über den Sport.

Nun gilt es vor allem für den Juristen Hollerer, den Scherbenhaufen zusammenzukehren, der verursacht wurde: "Die Außendarstellung war beschämend. Aber es ist auch die Chance, es nun besser zu machen."

Das Theater rund um die Bestellung des neuen Sportdirektors Peter Schöttel war eines Verbandes unwürdig. Es meldeten sich Landesverbandspräsidenten zu Wort, die für den Breiten- und Amateurfußball verantwortlich sind, denen Präsident Leo Windtner im Zuge seiner Wiederwahl aber wieder mehr Mitspracherecht eingeräumt hatte.

Zentraler Systemfehler

Grund genug für routinierte Führungsspieler, seit Jahren Vorzeigeprofis im Fußballgeschäft, über eine Reform des ÖFB für eine bessere Entscheidungsfindung in Spitzensport-Angelegenheiten nachzudenken. So wie sie Funktionärsurgestein Peter Kleinmann für dringend nötig hält. Der ehemalige Mister Volleyball ist freilich ein unbequemer Zeitgenosse, der seine Meinung gerne ausspricht, gleich, ob das Gegenüber sie hören will oder nicht.

Kleinmann ist aber auch ein Idealist in Sachen Sport. Ihm liegt der Sport am Herzen, dafür kämpft er, auch wenn es nicht seinen geliebten Volleyball betrifft. "Der österreichische Mannschaftssport unterliegt einem Systemfehler", sagt er zur aktuellen Diskussionen rund um den ÖFB, und er stellt eine Frage: "Mit welcher Berechtigung dürfen Landesverbandspräsidenten mitbestimmen? Fast alle besitzen keine Kompetenzen, um in Fragen des Spitzensports, wo es um Millionen geht, mitzureden. Diese Präsidenten haben im operativen Geschäft nichts zu suchen. Solange man solche trojanischen Pferde hat, kann es mit dem Spitzensport nicht funktionieren."

Starker Föderalismus

ÖFB-Mann Hollerer hält entgegen: "Das Gremium ist wie ein Aufsichtsrat. Die Präsidenten entscheiden nur auf Vorschläge der Experten, wie es in vielen anderen Unternehmen üblich ist. Ein Jammer ist, dass zuletzt dieser Prozess öffentlich nie erklärt wurde."

Der ÖFB hat Bedenken, mit einer Satzungsänderung in den Bundesländern an Bedeutung zu verlieren. "Dann kommt der Vorwurf, dass von Wien aus diktiert wird."

Kleinmanns Sportvision sieht aber eine klare Trennung vor. Das Nationalteam soll mit Erfolgen positive Emotionen schaffen und Werbung für die Sportart machen. Die Landesverbände wiederum sollen die Werbung von oben nutzen, um mehr Kinder zum Sport zu bringen. "Das ist ihre Aufgabe, nicht den Teamchef zu suchen und zu bestellen", legt Kleinmann nach.

Den Teamspielern geht es zu Recht um die Beibehaltung der Professionalität. "Geht es bei all den Diskussionen den Leuten wirklich um den Sport? Denn der soll beim A-Team im Vordergrund stehen", sagt Marc Janko.

Viele Packeleien

Derzeit sind 13 Leute im ÖFB-Präsidium stimmberechtigt, nichts Ungewöhnliches für einen Aufsichtsrat. Alle neun Landesverbandspräsidenten stimmen mit. Kleinmann erachtet eine Reduzierung des Gremiums für sinnvoll, hat er das doch selbst ab 2001 im Volleyballverband durchgesetzt. "Dann sollen die neun Präsidenten einen auswählen, der im Präsidium für sie spricht."

Was zusätzlich den Vorteil hätte, dass sie sich schon im Vorfeld auf eine gemeinsame Meinung verständigen müssten. Hollerer findet: "Natürlich kann man diesem Vorschlag etwas Positives abgewinnen. Ich aber sehe mehr Vorteile im bestehenden System", sagt der Jurist.

Viele können sich aber folgende Alternative vorstellen: Neben dem Vertreter der Verbandspräsidenten sollte das Gremium aus dem ÖFB-Präsidenten, dem Sportdirektor, einem ÖFB-Wirtschaftsfachmann und Vertretern der Bundesliga bestehen. Denkbar wäre auch ein Vertreter der ÖFB-Sponsoren. "Das Problem des österreichischen Mannschaftssports ist, dass der Breitensport glaubt, über den Spitzensport bestimmen zu können", sagt Peter Kleinmann. "Das ist grundlegend falsch."