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Sport Fußball
05/24/2019

Stefan Lainer: "Oliver Glasner war ganz wichtig für mich"

Stefan Lainer wandelt auf den Spuren seines Vaters Leopold Lainer. Die Beiden verbindet einiges.

Wie der Vater, so der Sohn. Das trifft zumindest auf Salzburgs Stefan Lainer und seinen Vater Leopold Lainer zu. Beide sind mehrfache österreichische Meister und das auch noch auf der selben Position. Leopold Lainer jubelte über drei Titelgewinne mit Austria Salzburg, Sohn Stefan hat Stand jetzt vier Meisterschaften mit Red Bull Salzburg zu Buche stehen. Im Doppel-Interview mit quattro.at (Das vollständige Interview finden Sie hier) sprachen die Beiden über die Veränderungen im Fußball, verschiedene Trainertypen und dem Traum vom Ausland.

Vater Leopold attestiert der heutigen Fußballer-Generation, dass sie "laufstärker, schneller und auch fußballerisch besser" sei. Gleichzeitig habe man aber zu seiner Zeit "mehr von unserer Kameradschaft gelebt. Da ist jeder für den anderen eingesprungen." Das sieht auch Stefan Lainer so: "Früher gab’s mehr Individualisten, die den Unterschied ausgemacht haben. Wenn ich mir unsere Mannschaft anschaue, wüsste ich keinen, der in dieser Saison nicht eins zu eins ersetzt worden ist. Individualisten, von denen die ganze Mannschaft lebt, gibt’s kaum noch."

"Damals konnten Einzelspieler ein Match entscheiden"

Gleichzeitig habe sich auch taktisch einiges verändert: "Pressing und Gegenpressing sind heute die Schlagwörter. Wir haben das nicht trainiert – hätten es aber wahrscheinlich auch ganz gut hingekriegt", meint Leo Lainer, "Es gab auch bei uns laufstarke Typen wie Feiersinger, Artner und noch einige andere. Es bedarf natürlich einer enorm guten Vorbereitung, um das über 90 Minuten spielen zu können. Damals konnten mehr einzelne Spieler ein Match im Alleingang entscheiden. Ich denke da bei Rapid an Panenka, Brucic oder Hans Krankl."

Fu§ball, FK Austria Wien - FC Red Bull Salzburg,

Heute gibt es nur mehr wenige solche Individualisten. Etwa Lionel Messi. "Wenn er nicht liefert, hat Barcelona ein Problem", weiß Leo Lainer. Bei Red Bull Salzburg würde das nicht passieren, meint Sohn Stefan: "Weil bei uns jeder ersetzbar ist. Das ist der generelle Trend im heutigen Fußball. Wir sind ein extremes Beispiel dafür, weil wir einen sehr modernen Fußball spielen. Unser Credo lautet: Unser Star hat 11 Köpfe."

Ernst Happel, Oliver Glasner und Marco Rose

Während Leopold Lainer unter Trainern wie Ernst Happel, Otto Baric oder Hans Krankl spielte, wurde Stefan Lainer von Oliver Glasner, Oscar Garcia oder Marco Rose gecoacht. baric habe ihn dabei am meisten beeinflusst. "Happel hat dir zweimal erklärt, was er sich von einem rechten Verteidiger erwartet. Ein drittes Mal hätte er es dir nicht mehr erzählt", so Leopold Lainer, "Aber Happel war ein moderner Trainer, er hat damals schon Pressing spielen lassen. Ein bisschen anders, als es heute FC Red Bull Salzburg spielt, eher Mittelfeld-Pressing."

FUSSBALL: TIPICO-BUNDESLIGA / MEISTERRUNDE: LASK LINZ - RZ PELLETS WAC

In der aktuellen Zeit könne er sich aber einen Trainer Happel nicht vorstellen: "Mit seiner Art würden viele Spieler nicht zurechtkommen. Da musste man schon viel schlucken, sensibel durfte man nicht sein." Stefan Lainer sieht derweil Noch-LASK-Trainer Oliver Glasner als ganz wichtigen Mann in seiner Karriere an: "Er hat mir geholfen, dass ich den Sprung von Liefering zu Ried und wieder zurück zu FC Red Bull Salzburg schaffen konnte. Er hat mich geholt, entwickelt und dann war ich auf dem Niveau, mich in Salzburg durchzusetzen." Oscar Garcia habe ihn schließlich taktisch noch einmal weitergebracht. Und Marco Rose? "Wieder ein eigener Trainertyp, der mich auf seine Art und Weise geprägt hat. Unter ihm hab ich meine besten Saisonen gespielt."

Lainer hat den Zenit noch nicht erreicht

Ein Thema, das Vater und Sohn eint ist der (noch) fehlende Wechsel ins Ausland. "Das Ausland wäre mein Wunsch gewesen, aber du bist als rechter Verteidiger nicht so leicht wo untergekommen. 1984/85 hab ich richtig gut gespielt, eine ähnliche Top-Saison wie der Stefan 2017/18. Ich hab mir gedacht, jetzt ist’s soweit. Aber im Finale gegen Everton (Anm.: mit Rapid) hat ein Fehler von mir zum 0:1 geführt. Da war für mich klar, jetzt interessiert sich kein Mensch mehr für mich."

Stefan Lainer, aktuell 26 Jahre alt, hat da freilich noch alle Chancen. Ein Wechsel zu Napoli scheiterte im vergangenen Sommer. Er sprach davon, sich "mit den Besten messen" zu wollen. "Grundsätzlich kann ich mich überall verbessern", so Lainer, "Ich hab nicht das Gefühl, dass ich den Zenit schon erreicht hab."