Umbauarbeiten: Im November wird der Nachfolger von Präsident Krammer gewählt, alle drei Kandidaten  versuchen, die Wünsche von Sportstadtrat Hacker zu erfüllen

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Sport Fußball
09/03/2019

Sportstadtrat Hacker: "Natürlich hab’ ich Interessen bei Rapid"

Peter Hacker im Interview: Der SPÖ-Politiker erklärt Fehler von Rapid und seine Schlüsselrolle im Präsidentschaftswahlkampf.

von Alexander Huber

Nach Runde sechs und dem Rapid-Sieg im Derby macht die Bundesliga Pause, nicht aber der Präsidentschaftswahlkampf bei den Hütteldorfern. Die drei Kandidaten Martin Bruckner, Robert Grüneis und Roland Schmid bereiten sich auf ihre Hearings beim Wahlkomitee vor.

So unterschiedlich ihre Vorstellungen sind, so einig sind die Kandidaten was die Rolle von Peter Hacker (SPÖ) betrifft: Ohne Wiens Sportstadtrat geht (fast) nichts.

Im KURIER-Interview spricht der 56-jährige Rapid-Fan erstmals öffentlich über seine Schlüsselrolle im Präsidentschaftswahlkampf, die klaren Forderungen der Wiener Politik an den Verein und die Versäumnisse der aktuellen Führung von Rapid.

KURIER: Wie sehen Sie Ihre Rolle und jene der Stadt Wien beim Präsidentschaftswahlkampf von Rapid?

Peter Hacker: Die Stadt hat viel Steuergeld bei Rapid und anderen Vereinen in die Hand genommen, um die aktuelle Infrastruktur zu ermöglichen. Deswegen geniere ich mich nicht, zu sagen: Natürlich hab’ ich Interessen bei Rapid und zu diesen stehe ich. Wir machen ja keine Wirtschaftsbetriebsförderung, sondern wir investieren Steuergeld in die Sportinfrastruktur, damit die Menschen etwas davon haben. Darüber hinaus sponsern wir über unsere Beteiligungen zahlreiche Sportvereine – darunter auch Rapid.

Was erwarten Sie sich?

Ich erwarte mir von der Rapid wie auch von der Austria: Eine Weiterentwicklung der positiven Fankultur. Die Vereine sollen in den Breitensport hineinwirken, durch Kooperationen mit Schulen. Und ich will Frauenfußball gefördert wissen.

Können Sie Ihre Meinung zu den Fans konkretisieren?

Das war keine Kritik am Status quo. Die Wiener Vereine bemühen sich um eine positive Fankultur. Ich spreche das auch dezidiert an, weil der Sport eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung hat. Es darf keinen Rassismus oder Rechtsextremismus geben. Ich will keinen Nationalismus, bin aber ein Fan von gesundem Patriotismus.

... und ein Fan von Rapid?

Ja, ich bin Rapid-Fan, seit ich denken kann. Aber ich bin nicht fanatisch und schaffe es, das von meiner Aufgabe zu trennen. Der Sportstadtrat freut sich auch über einen Austria-Sieg im Europacup.

Wie haben Sie sich konkret in den Präsidentschaftswahlkampf eingebracht?

Auf ihren Touren waren alle Präsidentschaftskandidaten bei mir. Ebenso einige, die sich am Ende nicht beworben haben. Es haben mich auch Fanvertreter befragt. Die haben alle das gehört, was ich jetzt angeführt habe.

Es wurden für beide Wiener Vereine je rund 26 Millionen Euro für die Infrastruktur bereitgestellt. Ist das der Grund, warum Sie das Cupfinale künftig in Hütteldorf sehen wollen?

Ich denke, der ÖFB hat aus dem Gerücke um das letzte Cupfinale gelernt, dass es gut wäre, mehrere Optionen zu haben. Wenn sich Wien mit drei Stadien für das Cupfinale bewirbt, kann man dann im Frühjahr entscheiden, ob es im Allianz Stadion oder woanders gut passt.

Die Neos sehen bei Robert Grüneis eine mögliche Unvereinbarkeit zwischen seinem Job als Chef bei ASCR, der Verbindung zu den Wiener Stadtwerken und seinem Antreten als Präsidentschaftskandidat. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Netter Versuch. Grüneis wäre ja nicht der Geschäftsführer bei Rapid, sondern Präsident. Er muss keine Sponsorverträge verhandeln. Würden alle Präsidenten Compliance-Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen, würden Tausende Vereine im Land den Präsidenten verlieren. Da wollten die Neos wieder einmal in die Schlagzeilen kommen.

Wo ist die Grenze zwischen Ihren erwähnten „Interessen bei Rapid“ und dem Vorwurf Ihrer Kritiker, dass Sie den Verein rot einfärben wollen?

Ich vertrete die Steuerzahler gegenüber dem Verein, der Steuergelder bekommt – das ist mein Job. Ich mische mich aber nicht in das Geschäft von Rapid ein. Meine Vorgaben ändern sich nicht, egal, wer dort sitzt. Ob das der Herr A, B oder C wird, ist mir gleich. Und auch das Parteibuch ist mir gleich.

Peter Hacker wurde am 29. Juni 1963 geboren. Der frühere Assistent von Bürgermeister Zilk arbeitet seit 1982 für die Stadt Wien. Von 1992 bis 2003 war der Sozialmanager Drogenkoordinator, von 2011 bis 2018 Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien. 2015 sprang Hacker, der als prononciert links gilt, als Flüchtlingskoordinator ein. Im Mai 2018 holte Bürgermeister Ludwig den Chef der SPÖ Alsergrund als Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport in die rot-grüne Regierung.

Ein konkretes Beispiel: Renate Anderl war auf der Liste Bruckner eingeplant. War es Ihr Wunsch, dass die Arbeiterkammer-Präsidentin in letzter Minute zur Liste Grüneis wechselt?

Renate Anderl ist doch keine Würstlbuden-Besitzerin, sondern die AK-Präsidentin. Die braucht keinen Zuruf vom Stadtrat, um zu wissen, was sie machen soll. Das ist eigentlich eine Gemeinheit gegenüber einer tollen Frau nach dem alten Macho-Motto „Der Frau sagen schon wir, wen sie wählen soll“. Und auch die Persönlichkeiten aus dem Wahlkomitee warten nicht auf einen Anruf von mir, wen sie unterstützen sollen.

Für die ursprünglich geplante „große Variante“ des Nachwuchszentrums im Prater fehlen Rapid Zusagen und Umwidmungen der Stadt Wien. Hat der Verein etwas falsch gemacht?

Wenn ein Ergebnis versprochen wurde und es kommt nicht, ist das Management noch nicht fertig. Das gilt auf der ganzen Welt so und auch bei Rapid. Derzeit gibt es eine laufende Diskussion. Wenn höhere Investitionen der öffentlichen Hand gewünscht sind, will ich eine konkrete Rechnung, wie sich das refinanzieren wird.

Wobei es schwer zu berechnen ist, wie eine verbesserte Nachwuchsarbeit später einmal mehr Transfererlöse bringen sollte.

Es geht da um eine Kostenrechnung, die der Sportabteilung der Stadt nicht in der gewünschten Präzision vorliegt. Es geht nicht nur um die Investition, sondern auch um Betriebsführung und Finanzierung des Trainingsbetriebs auf einer neuen Rasenheizung oder unter Flutlicht.

Christoph Peschek kam von der Wiener SPÖ zu Rapid. Beim Stadionbau galt er als hilfreiche Verbindung, weil er weiß, wie das Rathaus und wie der Verein tickt. Ist das nicht mehr so?

Ich war rund um den Stadionbau nicht dabei, das kann ich nicht beurteilen. Christoph Peschek ist ein sehr engagierter, talentierter Mann. Wir haben nicht so viel Kontakt, aber er weiß, was ich von Rapid fordere. Außerdem habe ich großes Verständnis für ihn, weil er gerade in einer schwierigen Phase steckt: Wenn sich die Führung ändert, ist es für den Geschäftsführer immer schwer.

Früher gab es eine Achse zwischen Rudolf Edlinger und Michael Häupl: Wenn es wirklich ernst wurde, haben sie sich zusammengesetzt und eine Lösung für den Wiener Fußball gesucht. Ist so eine Art der Politik 2019 nicht mehr möglich?

Doch. Ich bin weder Häupl noch Edlinger, aber Kommunikation bleibt das A und O – auch wenn es einige in der Politik gerade zum Kult machen, nicht mehr miteinander zu reden. Viele Vereinspräsidenten haben meine Handynummer und rufen mich auch an. Mit mir kann man immer über gescheite Ideen reden.