┬ę Wiener Sport-Club/Christopher Glanzl

Sport Fu├čball
06/23/2020

Spatenstich auf dem Sport-Club-Platz

Nach jahrzehntelangen Diskussionen begannen die Bauarbeiten. Der Verein hat viel vor - und wieder finanzielle Probleme.

von Florian Plavec

F├╝r manche ist es eine einfache Baustelle. F├╝r Sympathisanten des Wiener Sport-Clubs ist es das Wunder von Dornbach. Nach jahrzehntelangen Konfrontationen und Planungen wurde am Dienstag in Hernals offiziell der (teilweise) Neubau des Sport-Club-Platzes in Hernals begonnen. Zum Teil abgerissen ist bereits die Stehplatztrib├╝ne Kainzgasse.

Das Stadion wurde 1904 errichtet und ist damit der ├Ąlteste noch bespielte Fu├čballplatz in ├ľsterreich, m├Âglichweise sogar auf dem europ├Ąischen Festland. Doch so traditionsreich Verein (gegr├╝ndet 1883) und Platz auch sind, so bauf├Ąllig war die Anlage. Schimmel setzte sich im Kabinentrakt fest, Regenwasser tropfte in die R├Ąume, Unkraut wucherte auf den Trib├╝nen.

"Mein erster Fu├čballmatchbesuch als kleiner Bub war hier", erinnert sich der Wiener Sport-Stadtrat Peter Hacker (56) an seine Kindheit. "Das Stadion ist nicht nur eine Sport-, sondern auch eine Kultst├Ątte und es schaut immer noch so aus wie damals. Das macht einen zwar sentimental, aber ideal ist das nicht. Diese ehrenw├╝rdige Trib├╝ne schicken wir hin, wo sie hin soll: In die Vergangenheit."

Architekt Albert Wimmer verspricht "ein richtiges Schmuckk├Ąstchen. Von au├čen, aber auch von innen". Wimmer hat mit seinem Team bereits die Red Bull Arena in Wals-Siezenheim geplant, sowie das neue Tivoli Stadion, das W├Ârthersee Stadion und das EM-Stadion in Lemberg/Ukraine. Mindestens 2.000 Zuschauer wird die neue Sitzplatztrib├╝ne fassen. "Wenn alles planm├Ą├čig l├Ąuft, sitzen wir in einem Jahr wieder hier in einem neuen Stadion."

Folgende Arbeiten sind geplant:

  • Ab sofort wird die Stehplatztrib├╝ne Kainzgasse abgerissen. Danach wird das Spielfeld um einige Meter in Richtung Osten verlegt. Zeitgleich wird die Friedhofstrib├╝ne (Norden) standfest gemacht, allerdings nicht ├╝berdacht. Im September soll die Meisterschaft auf dem (bereits verschobenen) Spielfeld beginnen.
  • Die zwei Masten, die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Flutlichter beim Prater Stadion (jetzt Ernst-Happel-Stadion) getragen haben, werden saniert und bleiben bestehen. Eine Umr├╝stung auf energiesparende LED-Beleuchtung ist angedacht.
  • W├Ąhrend die Meisterschaft im Gange ist, soll die neue Trib├╝ne an Stelle der jetzigen Haupttrib├╝ne im Westen errichtet werden. Das Multifunktionsgeb├Ąude umfasst auf zwei Etagen und einer Fl├Ąche von 1.400 Quadratmetern UEFA-konforme Funktionsr├Ąume, Kabinen, B├╝ros, Medienr├Ąume und Platz f├╝r VIPs. Ebenfalls geplant ist der Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach.
  • Noch nicht fix ist, ob auf der Seite der Kainzgasse wieder eine sehr kleine Trib├╝ne aufgestellt wird. Sollte das der Fall sein, w├╝rden sich die Breite des Spielfeldes von 68 auf 65 Meter verringern. Das reicht zwar f├╝r Regionalliga und 2. Liga. Sollte der Verein aber einmal in die Bundesliga aufsteigen, m├╝sste diese Trib├╝ne h├Âchstwahrscheinlich wieder weichen, um auf die vorgeschriebenen 68 Meter zu kommen.
  • Die Blaue Trib├╝ne (S├╝den) wird saniert und bleibt bestehen.

Die Baukosten von 6,25 Millionen Euro werden zur G├Ąnze von der Stadt Wien getragen. Der Verein selbst ist aber (wieder einmal) in einer finanziell ung├╝nstigen Lage. "Wir haben durch unsere Spendenaktionen zwar 35.000 Euro lukrieren k├Ânnen", sagt Sport-Club-Pr├Ąsident Wolfgang Raml. "Aber die Corona-Pause hat dramatische Auswirkungen auf die Fu├čball-Sektion gehabt. Derzeit haben wir ein Budgetloch von 75.000 bis 100.000 Euro."

Dennoch wird (vermutlich) ab September in Dornbach wieder Ostliga-Fu├čball zu sehen sein. Unklar ist noch, ob und wie viele Zuschauer zu den Spielen zugelassen werden. Der Sport-Club-Platz bleibt auch Heimst├Ątte der Rugby-Nationalmannschaft, und auch das Fu├čball-Nationalteam der Frauen k├Ânnte in Zukunft seine Heimspiele auf dem renovierten Platz austragen. Der ├ľFB soll schon Zustimmung signalisiert haben.

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