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19.04.2018

Schaub: "Wieder kein Titel, das tut weh und ist bitter"

Rapid ist nach der bitteren Cup-Niederlage in Graz über ein Jahrzehnt ohne Titel.

Sturm-Trainer Heiko Vogel schwärmte von einem "Fußballfest" und strapazierte mit Blick auf das Cup-Finale gegen Titelverteidiger Salzburg sogar ein abgewandeltes Zitat aus "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche. "Mit Red Bull wartet jetzt 'ne Übermannschaft, der wir in einem Spiel vielleicht den Titel abringen können", sagte der Deutsche nach dem 3:2-Halbfinalsieg n.V. über Rapid.

Während sich die Grazer nach packenden 120 Minuten bereits auf das große Endspiel am 9. Mai in Klagenfurt freuen durften, hieß es für die unterlegenen Hütteldorfer Wunden lecken. "Das ist extrem ärgerlich", betonte Trainer Goran Djuricin, der vor allem die eklatanten Fehler bei den ersten beiden Gegentoren durch Bright Edomwonyi beklagte. "Wir haben es ihnen sehr leicht gemacht, in zwei, drei Situation nicht gut verteidigt, das müssen wir abstellen. Wir hätten die Partie wirklich gewinnen können", wusste der 43-jährige Wiener, dessen Zukunft weiter ungewiss ist.

Fredy Bickel, der als Geschäftsführer Sport für die Verlängerung von Djuricins Vertrag hauptverantwortlich ist, war naturgemäß ebenfalls enttäuscht, fand aber auch positive Worte. "Ich habe die Ansätze einer großen Mannschaft gesehen, wie wir reagiert haben. In solch einer Partie zweimal einen Rückstand aufzuholen, das war Klasse. Wir haben schlussendlich unglücklich verloren", gab der 52-jährige Schweizer zu Protokoll, gestand aber auch: "Nach einer solch bitteren Niederlage ist es schwierig für das gesamte Team."

Der Cup war schließlich Rapids letzte Titelchance in dieser Saison, seit der die Meisterschaft 2008 hat der Rekordchampion keine Trophäe mehr geholt. Und der letzte Cup-Triumph datiert sogar aus dem Jahr 1995. "Wieder kein Titel, das tut weh und ist bitter", bekräftige Louis Schaub, der in der 89. Minute den Matchball für die Gäste ausgelassen hatte, als er an Tormann Jörg Siebenhandl scheiterte. "Was die erste Halbzeit betrifft, können wir uns einiges vorwerfen. Wir hätten aber gegen Ende das Spiel auch entscheiden und das Momentum nützen können."

Sturm nutzte dagegen die laut Djuricin "blöden Fehler" von Rapid eiskalt aus und ging in der regulären Spielzeit zweimal durch den pfeilschnellen Nigerianer Edomwonyi (24., 62.) in Führung, die Schaub (58.) und Giorgi Kvilitaia (84.) jeweils egalisierten. In der Verlängerung entschied dann ein Kopfballtor von Emeka Eze (102.), der für seinen Landsmann Edomwonyi eingewechselt worden war, die spektakuläre Partie in der mit 15.750 restlos gefüllten Merkur Arena. "Zum Schluss hat der Glücklichere gewonnen", meinte Djuricin und pries das Spiel als "Werbung für den österreichischen Fußball".

Auch für Vogel war dieses Match "etwas Besonderes". Der 42-Jährige sprach aber von einem "verdienten" Sieg seiner Mannschaft, "weil wir die klareren Chancen hatten". Gleichzeitig lobte er die Leistung von Rapid: "So ein Tempo über 120 Minuten habe ich in letzter Zeit nicht gesehen. Ein Finale mit drei Mannschaften gibt es leider nicht. Mir war die Qualität des Gegners bewusst, das hat sich auch bestätigt. Es war mental ein schwieriges Spiel, aber meine Mannschaft ist immer wieder zurückgekommen und hat nie an sich gezweifelt."

Sein Schlussmann Siebenhandl war ebenfalls überglücklich nach dem Finaleinzug. "Es war das intensivste Spiel in meiner Karriere. Super, nach einem solchen Spiel als Sieger vom Platz zu gehen. Ich freue mich riesig. Wir haben auf die Gegentore immer sehr gut reagiert. Es war eine überragende Mannschaftsleistung von uns vor zwei Fangruppen, die für ihre Mannschaft alles tun, wie auch wir für unsere Fans", betonte der 28-Jährige.

Siebenhandl hatte mit einem weiten Ausschuss das 1:0 vorbereitet, nachdem er schon am Samstag beim 3:0-Heimsieg gegen Mattersburg auf diese Art einen Assist geliefert hatte. "Ich weiß, dass ich ganz gut ausschießen kann, und wir haben schnelle Stürmer. Ich will schon, wenn es die Situation erlaubt, auf unsere schnellen Spitzen spielen", erklärte der ÖFB-Teamtorhüter, dass diese Vorlagen von ihm beabsichtigt waren.

Jetzt freut sich Siebenhandl bereits auf Klagenfurt: "Ich war 2010 im Kader von Wiener Neustadt und erinnere mich an die Kulisse, die damals durch die vielen Sturm-Fans überragend war." Damals feierten die Grazer vor 28.000 Zuschauern einen 1:0-Finalsieg. Es war der vierte und bisher letzte Cup-Triumph für die Grazer.

FUSSBALL: UNIQA ÖFB CUP / SK STURM GRAZ - SK RAPID WIEN

Wir haben schon bewiesen, dass wir auch Salzburg Paroli bieten können.

Stefan Hierländer

Für Stefan Hierländer ist das Finale sogar ein echtes Heimspiel, spielte er doch in seiner Teenagerzeit in Klagenfurt. "Mein Ziel war es, das Finale in meinem Heimatstadion zu spielen, das ich sehr gut kenne", sagte der 27-jährige Kärntner. Der Mittelfeldmann ist überzeugt, dass Sturm den Europa-League-Semifinalisten bezwingen kann. "Wir haben schon bewiesen, dass wir auch Salzburg Paroli bieten können."

Bis zum Endspiel warten aber noch drei Meisterschaftspartien auf die Grazer: Nach dem Pack-Derby am Samstag (16.00) in Wolfsberg, kommt es am 29. April in der wohl wieder ausverkauften Merkur Arena zum schnellen Wiedersehen mit Rapid. Und eine Woche später gastiert Sturm am 6. Mai im möglicherweise vorentscheidenden Liga-Match in Salzburg, bevor es nur drei Tage später zum großen Cup-Showdown der beiden Teams kommt.