Champions League - Group E - Napoli v FC Salzburg

Der verwertete Elfmeter blieb Haalands beste Aktion in Neapel.

© REUTERS / CIRO DE LUCA

Sport Fußball
11/06/2019

Salzburgs Bilanz in Neapel: Starke Altstars, schwacher Jungstar

Nach dem vierten Gruppenspiel in der Champions League: Was fiel positiv auf, was negativ? Die Plus-Minus-Wertung ...

von Stephan Blumenschein

Nach zwei Niederlagen in Liverpool (3:4) und zu Hause gegen Napoli (2:3) kam Salzburg zum ersten Remis in der Champions League in der √Ąra Red Bull. Erling Braut Haaland brachte die G√§ste aus einem Foulelfmeter schon in Minute 11 mit 1:0 in F√ľhrung. Napoli glich kurz vor Ende einer spektakul√§ren ersten Halbzeit durch Herving Lozano (44.) aus.

Was bedeutet das 1:1 f√ľr Salzburg? Die KURIER-Plus-Minus-Wertung zu einem Spiel, das in den zweiten 45 Minuten nicht mehr ganz so prickelnd war ...

+ Ausgangslage Europa League: Weil Genk im Parallelspiel in Liverpool keine Sensation gelang (Belgiens Meister bezog mit einem 1:2 die dritte Niederlage im vierten Gruppenspiel), stehen die Chancen der Salzburger auf Platz 3 mittlerweile ausgezeichnet. Dieser berechtigt ja im Fr√ľhjahr zur Teilnahme am Sechzehntelfinale der Europa League. Mit einem Remis im direkten Duell in drei Wochen in Belgien w√§re der dritte Platz bereits fix. Salzburg k√∂nnte sich sogar eine Niederlage mit zumindest bis zu drei Toren Differenz leisten, denn dann w√ľrde das direkte Duell nach dem 6:2 in Salzburg immer noch f√ľr Red Bull sprechen. Nur wenn Genk dann im sechsten Gruppenspiel in Neapel mehr Punkte holt als Salzburg im Parallelspiel gegen Liverpool, w√ľrde der belgische Meister den √∂sterreichischen Meister noch √ľberholen.

- Ausgangslage Champions League: Salzburg hat den Aufstieg ins Achtelfinale nach vier Gruppenspielen nicht mehr in der eigenen Hand. Die Chance auf einen der beiden Pl√§tze in Gruppe E ist nur mehr von theoretischer Natur. Nur wenn die beiden noch folgenden Partien in Genk und gegen Liverpool gewonnen werden, darf gerechnet werden. Dann k√∂nnte es zum Beispiel mit dem Aufstieg klappen, wenn entweder Napoli in Liverpool und zu Hause gegen Genk insgesamt nur einen Punkt macht oder wenn Liverpool davor auch zu Hause gegen Napoli verliert. In diesem beiden F√§llen w√§re Salzburg mit zehn Punkten fix weiter.

+ Salzburger Altstars: 11,59 Kilometer ist Zlatko Junuzovic in den knapp 97 Spielminuten im Stadio San Paolo gelaufen - und damit mehr als jeder andere Spieler. Das Programm, das der ehemalige Teamspieler am Dienstag auf der Sechserposition abspulte, war bemerkenswert und vorbildlich f√ľr alle anderen Spieler. Auch Andreas Ulmer zeigte in seinem 100. Europacup-Spiel (99 f√ľr Salzburg, 1 f√ľr die Austria), dass er noch immer nicht zum alten Eisen geh√∂rt. Zwar agierte der Linksverteidiger nicht ganz fehlerfrei, aber die Leistung war trotzdem in Ordnung.

- Salzburger Jungstar: Zwar hat Erling Braut Haaland auch in Neapel bewiesen, dass er vom Elfmeterpunkt eiskalt ist (er erzielte so sein siebentes Tor in vier CL-Spielen), aber sonst war seine Vorstellung in Neapel eine Entt√§uschung. Der 19-J√§hrige kam √ľberhaupt nicht ins Spiel, wirkte phasenweise wie ein Fremdk√∂rper und konnte sich gegen die (zugegeben starken) Innenverteidiger von Napoli nicht wirklich durchsetzen. Was sich schon nach seiner Einwechslung am Samstag in Mattersburg angedeutet hatte, zeigte auch das Spiel gegen Napoli. Ganz so spurlos, wie man in Salzburg tut, d√ľrfte die mediale Hysterie am 19-J√§hrigen nicht vor√ľber gehen, wobei man nat√ľrlich auch anmerken muss: Haaland ist noch extrem jung, da sind Leistungsschwankungen normal. Dazu trifft er in der Champions League auf die besten Verteidiger der Welt.

+ Taktische Flexibilit√§t: Das sogenannte In-Game-Coaching von Salzburg-Trainer Jesse Marsch, also das Eingreifen von der Trainerbank w√§hrend eines Spiels, ist schon bemerkenswert. Das unterscheidet ihn auch von seinem Vorg√§nger Marco Rose, der taktisch kaum einmal w√§hrend eines Spiels eingriff. In Neapel ver√§nderte der US-Amerikaner die Grundordnung mehrmals, verschob die Positionen der Spieler auf dem Rasen wie Figuren auf einem Schachbrett. Seine √Ąnderungen wirkten sich auch positiv aus - zumindest in der Defensive. Die Salzburger lie√üen in der zweiten H√§lfte nach der R√ľckkehr zur Viererkette weit weniger Chancen des Gegners vor als noch in der ersten H√§lfte.

- Taktische Unordnung: Es w√§re vielleicht nicht ganz so schlecht, wenn der Salzburger Trainer wieder einmal auch in einem Champions-League-Spiel seine Mannschaft in einer Grundordnung in ein Spiel schicken w√ľrde, die f√ľr eine Balance zwischen Offensive und Defensive sorgt. Die ersten gut 30 Minuten in Neapel waren f√ľr die Zuschauer ohne Frage attraktiv, aber dass der Gegner bis zur Pause 18 Torann√§herungen hatte, zeigt, dass die neuformierte Dreierkette √ľberfordert war, weil sie oft von ihren Kollegen in Stich gelassen wurde. Erst als Marsch w√§hrend der ersten H√§lfte auf zwei Sechser umstellte, wurde es besser. Noch besser klappte das 4-4-2 mit Raute nach dem Wechsel. Da stand Salzburg dann defensiv √ľber weite Strecken wirklich gut und blieb erstmals in der Champions League in zumindest einer Spielh√§lfte ohne Gegentor.

+ Jesse Marsch: Der mediale Auftritt des US-Amerikaners war auch in Neapel eine Werbung f√ľr Red Bull Salzburg und auch f√ľr die √∂sterreichische Bundesliga. Sowohl in der Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel als auch in jener nach dem Spiel bewantwortete der US-Amerikaner die nicht unkomplizierten und sich oft wiederholenden Fragen der italienischen Sportjournalisten ausf√ľhrlich. Dabei blieb er immer freundlich und macht den Eindruck, dass ihm auch dieser Teil seiner Arbeit Freude bereiten w√ľrde. Er war sich auch nicht zu schade zu dolmetschen, als ihm eine Frage auf Englisch gestellt worden war.

- Carlo Ancelotti: Was sich hingegen der Napoli-Starcoach nach dem 1:1 gegen Salzburg geleistet hat, war eines Trainers seiner Reputation nicht w√ľrdig. Die obligatorische und verpflichtende Pressekonferenz unentschuldigt zu schw√§nzen, ist ein Affront gegen√ľber der √Ėffentlichkeit. Die Aufregung unter den italienischen Sportjournalisten im Pressekonferenz-Raum war auch dementsprechend gro√ü. F√ľr den 60-J√§hrigen wird es wohl auch Konsequenzen durch die UEFA geben. Der Champions-League-Veranstalter ist ziemlich nachtragend, wenn seine Vorgaben nicht umgesetzt werden.

Jederzeit und √ľberall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare