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26.04.2018

Salzburg verliert das Halbfinal-Hinspiel in Marseille

Ein Handstor nach einem Walke-Fehler und ein Gegentor nach einem Konter sorgten für einen 2:0-Gückssieg der Franzosen.

Im Viertelfinale konnten die Salzburger nach einer begeisternden Aufholjagd in der Red-Bull-Arena ein 2:4 aus dem Hinspiel gegen Lazio Rom wettmachen. Im Semifinale benötigt Österreichs Serienmeister am Donnerstag im Rückspiel gegen Olympique Marseille einen noch größeren Kraftakt. Denn das gestrige erste Duell im Stade Vélodrome ging mit 0:2 verloren – ein Resultat, das die starke Leistung der Gäste nicht widerspiegelt.

Salzburg-Trainer Marco Rose hatte mit seiner Aufstellung überrascht. Statt A-Teamspieler Xaver Schlager stand U-21-Teamspieler Hannes Wolf in der Startelf und übernahm die Spielmacherrolle. Sonst bot der Deutsche jene Akteure auf, die in diesem Frühjahr in der Europa League bisher für Furore gesorgt hatten.

60.000 Menschen können laut sein. Und sind es 60.000 südländische Fußballfans, dann sind diese besonders laut. Die Marseille-Fans verwandelten das ausverkaufte Stade Vélodrome in einen Hexenkessel. Das war aber genauso erwartet worden, darauf waren die Salzburger deshalb auch vorbereitet gewesen.

Kleinlicher Schiri

Die prickelnde Atmosphäre war keine Überraschung – anders als die Spielleitung von William Collum. Der Schotte pfiff ziemlich unbritisch. Statt das Spiel weiterlaufen zu lassen, gab es in der Startphase bei jeder Kleinigkeit Freistöße – aber das auf beiden Seiten.

Mehr entgegen kam das allerdings den Franzosen. Denn Olympique hat mit Dimitri Payet einen der weltbesten Spezialisten für Standardsituationen in seinen Reihen. Der OM-Kapitän konnte sich in der Startviertelstunde warmschießen.

In der 15. Minute war es dann so weit, nach einem Payet-Freistoß landete der Ball im Salzburger Tor: Thauvin hatte sich am langen Eck selbst an die Hand geköpfelt, nachdem Keeper Walke den Ball verfehlt hatte. Dem Deutschen unterlief just gestern sein erster echter Patzer in dieser Saison – 1:0.

Schon davor hatte es Salzburg gar nicht schlecht gemacht. Wie geplant wurde Marseille so gut wie möglich so weit wie möglich vom eigenen Strafraum ferngehalten. Das offensive Verteidigen funktionierte auch nach dem frühen Rückstand gut.

Wenige Chancen

Es war überhaupt ein Spiel, das sich hauptsächlich im Mittelfeld abspielen sollte. Beide Mannschaften, die schon in der Gruppenphase gegeneinander gespielt hatten, zeigten einigen Respekt. Chancen blieben Mangelware, wohl auch weil OM bis zur Pause keine Standardsituation aus aussichtsreicher Position mehr hatte. Aber auch Salzburg kam in einer fußballerisch enttäuschenden ersten Hälfte nur einmal gefährlich in den Strafraum: Munas Dabbur fand nach einem Solo allerdings keine Anspielstation (26.).

Nach dem Wechsel begann Salzburg extrem aggressiv. Die Franzosen schienen extrem überrascht zu seinen, waren minutenlang nur staunende Zuschauer. Marseille-Keeper Pelé kam nach einer Schlampigkeit an der Strafraumgrenze in höchste Not gegen Hwang (47.). Dann übersah Collum ein klares Foul von Lopez an Lainer im Strafraum (52.). Und Sekunden danach ließ Wolf die große Ausgleichschance aus. Seinen Schuss konnte Pelé mit einer Parade abwehren.

Effizienter war Marseille. Der erste gelungene Angriff in Hälfte 2 führte zum 2:0: Payet nutzte den freien Raum auf der rechten Salzburger Seite. Sein Zuspiel verwertete der eingewechselte Njie (63.). Die Franzosen hatten aus wenig viel gemacht.

Ein 0:2 nach einer guten Stunde ist ein extrem bitteres Ergebnis für ein Gästeteam. Eigentlich müsste man stürmen, um mit einem Auswärtstreffer die Ausgangslage für das Rückspiel schlagartig zu verbessern. Andererseits erhöht dies die Gefahr, ein drittes Tor zu kassieren und damit ziemlich chancenlos ins Rückspiel zu starten.

Salzburg fand den richtigen Mittelweg zwischen Offensive und Defensive. Doch das Glück war Österreichs erstem Europacup-Semifinalisten seit 1996 gestern einfach nicht hold. Der eingewechselte Frederik Gulbrandsen traf aus kurzer Distanz nach einer perfekten Flanke von Andreas Ulmer nur die Stange (78.). Es blieb beim unglücklichen 0:2.