Sport | Fußball
02.09.2018

Salzburg und Leipzig: Eine Beziehung mit Hindernissen

Vor der Europa League: Skurriles, Kurioses, Skandalöses aus der Welt der Red-Bull-Klubs.

Kann das wirklich Zufall sein? Oder stecken da gar höhere Mächte dahinter? Den Losfeen Hernan Crespo und Aron Winter gelang jedenfalls das Kunststück, die Red-Bull-Klubs Salzburg und Leipzig bei erster Gelegenheit in eine Europa-League-Gruppe zusammenzubringen.

Red Bull und RasenBallsport treffen gleich im ersten Spiel der Gruppe B am 20. September (21 Uhr) in Leipzig aufeinander. Das zweite Duell folgt dann am 29. November (18.55 Uhr) in der Salzburger Red-Bull-Arena.

Seit 2009, seit der Getränkekonzern die Lizenz des Leipziger Vororteklubs SSV Markranstädt übernommen hat, haben die beiden Vereine eine Beziehung, die einmal inniger war als sie jetzt ist. Skurriles, Kurioses und Skandalöses aus der kleinen Welt der beiden Red-Bull-Klubs.

Die Geburtskrankheiten

Aller Anfang ist schwer, auch der Einstieg von Red Bull in den deutschen Fußball war das. Da es in Markranstädt keine professionellen Strukturen gab, mussten Angestellte der Salzburger Geburtshelfer spielen. Und die hatten viel Arbeit. Schon die Namensfindung war mühsam. Weil Firmennamen im deutschen Fußball in Klubnamen nicht erlaubt sind, musste eine Bezeichnung gefunden werden, die Red Bull suggeriert, aber nicht enthält. Schließlich war RasenBallsport, kurz RB, die Lösung. Aber auch mit dem Wappen gab es so große Probleme, dass der Klub die erste Saison ohne ein solches spielte. Dem Fußballverband war das vorgelegte Logo zu ähnlich jenem von Red Bull gewesen.

Das Solo

Dietmar Beiersdorfer war einer jener Manager, die das Projekt RB Leipzig in die Spur bringen sollten. Als es in Salzburg im Frühjahr 2011 sportlich nicht lief, mussten nicht nur Trainer Stevens, sondern auch der Red-Bull-Fußballchef gehen. In Leipzig wollte man davon nichts wissen. „Bei uns bleibt alles wie es ist: Dietmar Beiersdorfer ist unser Vorstandsvorsitzender“, teilte der damalige RB-Pressesprecher mit – ohne dies mit der Konzernzentrale in Fuschl abgesprochen zu haben. Red-Bull-Boss Mateschitz hatte aber längst anders entschieden und Beiersdorfer auch von seinen Aufgaben in Leipzig enthoben.

Der Novize

Es sollten zweieinhalb Jahre vergehen, bis der erste Salzburger nach Leipzig wechselte – kein Wunder, musste RB doch in der fünftklassigen Oberliga beginnen. Der erste Red-Bull-Profi kam erst nach dem Aufstieg in die Regionalliga. Er trug einen prominenten Namen: Roman Wallner. Im Jänner 2012 wurde der Teamstürmer mit einem lukrativen Vertrag gelockt. Lange blieb er nicht: Nach nur sieben Monaten kehrte Wallner nach Österreich zurück.

Der Transferpfusch

14 Spieler sind von Salzburg nach Leipzig gewechselt, darunter Nils Quaschner im Sommer 2015. Sein Transfer war aber schon sechs Monate früher vermeldet worden. Doch das FIFA-Regulativ verhinderte diesen vorerst. Quaschner hatte im Herbst 2014 für Salzburg und als Kooperationsspieler für Liefering gespielt. Weil die FIFA die Red-Bull-Klubs als eigenständig ansah und die österreichische Kooperationsspielerregelung nicht anerkennt, hätte er von Leipzig im Frühjahr nicht eingesetzt werden dürfen. Denn es ist verboten, in einer Saison für drei Klubs zu spielen. Red-Bull-Fußballchef Ralf Rangnick ärgerte sich maßlos: „ RB Leipzig wäre ganz klar und für jedermann nachvollziehbar der zweite Verein in dieser Saison.“

Das Umgehungsgeschäft

Red Bull und Rapid hatten nie eine gute Beziehung. Besonders gestört wurde diese aber durch den Wechsel von Marcel Sabitzer zu Salzburg 2014. Er hatte eine Klausel in seinem Vertrag genützt, dass er um eine fixe Ablöse Rapid verlassen darf – aber nur ins Ausland. Deshalb wurde er von Leipzig verpflichtet und nach Salzburg verliehen. Laut dem Transferregulativ war das umstrittene Umgehungsgeschäft in Ordnung. Für den damaligen Rapid-Manager Andreas Müller hatte die Sache aber ein „Gschmäckle“. Rangnick zeigte sich später reuig: „Wenn wir die Uhr zurückdrehen könnten, würden wir es so nicht mehr machen.“

Der Trikotgate

Salzburg und Leipzig haben einen Ausrüster. Lange wurde in ähnlichen Dressen gespielt. 2016 kam es dann beim Europacupspiel gegen Liepaja zu einem Fauxpas: Andreas Ulmer hatte in der Pause die Wäsche gewechselt und danach in einem Trikot mit einem Leipzig-Logo gespielt. Salzburg hatte kurz zuvor 700 neue Dressen erhalten, darunter hatte sich das „Kuckucksei“ befunden.

Die Degradierung

Kurz vor Transferschluss Ende August 2016 sorgte Ralf Rangnick für Aufregung. „Das wird noch zu besprechen sein“, antwortete der Nur-Noch-Leipzig-Sportchef in einem Sky-Interview auf die Frage nach den Wechselmodalitäten, Stunden nachdem der Transfer von Bernardo nach Leipzig von RB öffentlich gemacht wurde. Dies kam einer Degradierung Salzburgs gleich – wie der Blitztransfer an sich, der am Tag des Hits bei Rapid über die Bühne ging. Trainer Oscar war erbost: „Wir haben jetzt zwei Ausbildungsteams: Liefering A und Liefering B!“