Andreas Ulmer trug in Halbzeit zwei ein Leipzig-Dress.

© GEPA pictures/ Felix Roittner

Fußball
07/13/2016

Trikotgate bei Red Bull: Ulmer spielte im Leipzig-Dress

Andreas Ulmer hatte in der zweiten Hälfte gegen den FK Liepaja ein Trikot des deutschen Red-Bull-Klubs an.

von Stephan Blumenschein

Es gibt bei Red Bull wirklich nichts, was es nicht gibt. Den mageren 1:0-Heimsieg gegen FK Liepaja im Hinspiel der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation fixierten zehn Salzburger und ein Leipziger. Andreas Ulmer hatte das Spiel gegen Lettlands Meister nämlich in einem Dress des deutschen Red-Bull-Klubs beendet. Im Vereinswappen auf seinem Trikot stand nicht FC Salzburg, sondern RB Leipzig.

Aufgefallen war das erst nach dem Spiel. Ulmer war in die Mixed Zone in der Garage der Red-Bull-Arena gekommen, hatte sich dort den Fragen der Journalisten gestellt. Nach dem dezenten Hinweis eines Red-Bull-Mitarbeiters versuchte er das Klublogo abzudecken. Da war es aber schon zu spät. Denn zahlreiche Fotografen hatten schon Spielbilder mit Szenen von Ulmer an die diversen Medien verschickt. Selbst Salzburg hatte noch um 23 Uhr ein Ulmer-Bild, auf dem doch deutlich das Leipziger Logo zu erkennen ist, auf die offizielle Facebook-Seite hochgeladen. Erst kurz vor neun Uhr am Tag danach war dieses wieder gelöscht worden.

Nach dem Seitenwechsel - ein Leipziger

Kurios ist noch ein anderes Detail: Auf dem Mannschaftsbild, das obligatorisch vor jedem Europacupspiel gemacht wird, hatte der Linksverteidiger noch – wie alle seine anderen Kollegen – ein Salzburg-Dress an. In der Pause muss er dann dieses gewechselt haben. Von da an spielte er als Leipziger. Übrigens auch mit seinem Namen auf dem Rücken.

Seit zwei Jahren werden Salzburg und auch Leipzig vom US-Ausrüster Nike ausgestattet. Eingefädelt hatte den Deal Oliver Mintzlaff, seines Zeichens Vorstandsvorsitzernder von RB Leipzig, aber auch Head of Global Soccer beim Salzburger Getränkekonzern. Am Dienstag Abend war der ehemalige Mittelstreckenläufer und persönliche Pressesprecher von Ex-Salzburg-Sportchef Ralf Rangnick unter den 7000 Zuschauern.

Laut UEFA-Bestimmungen hätte der Spieldelegierte Ulmers Dress „konfiszieren“ können, damit der europäische Verband „geeignete Schritte“ einleitet. Doch das ist laut Klubangaben nicht passiert. In den Ausstattungsregularien sind die Konsquenzen für so eine skurrile Causa natürlich nicht geregelt. In so einem Fall ist dann der UEFA-Generalsekretär zuständig. Sollte wirklich ein Verfahren eingeleitet werden, reicht das Strafmaß von Ermahnung bis zum Entzug der Lizenz.

Verwechslungspotenzial

Wie das falsche Dress in die Europacup-Garnitur rutschen konnte, konnte bei Salzburg nach dem Spiel niemand erklären. Durchaus möglich ist aber, dass es ein Verpackungsfehler war. Salzburg hatte in der Sommerpause 600 bis 700 Dressen von Nike bekommen. Noch am Mittwoch wurden alle überprüft, ein weiteres mit Leipzig-Logo wurde nicht gefunden.

Die Verwechslung war durch die neuen Salzburger Dressen begünstigt worden. Diese sind im Design ident mit jenen der Leipziger. Dazu unterscheidet sich das Wappen der beiden Klubs nur durch den Klubnamen. In der österreichischen Bundesliga schaut das Salzburger Logo übrigens anders aus, in diesem ist auch der Name Red Bull enthalten. Sponsorwerbung im Wappen ist aber sowohl in Deutschland als auch in UEFA-Bewerben hingegen verboten.

Für die Außendarstellung der Fußballabteilung des Getränkekonzerns ist der Trikotgate aber so was ähnliches wie ein Supergau. Seit gut eineinhalb Jahren wird öffentlich die Trennung zwischen den beiden Red-Bull-Klubs bei jeder Gelegenheit herausgestrichen, um nicht einmal Probleme mit der UEFA zu bekommen, sollten sich einmal sowohl Leipzig als auch Salzburg für den Europacup qualifizieren. Und dann passiert so ein Fauxpas.