Ins Rampenlicht gespielt: Der 19 Jahre junge Philipp Lienhart aus Lilienfeld bei der U-20-WM. Am Samstag war er im Real-Profikader.

© Deleted - 790539

Real Madrid
10/18/2015

Lienharts ganz realer Fußball-Traum

Mit seiner Profi-Premiere bei Real Madrid schrieb der 19-Jährige Geschichte.

von Alexander Huber, Philipp Albrechtsberger

Fußballspieler fürchten die Ersatzbank. Für den Niederösterreicher Philipp Lienhart gab es am Samstag 90 Minuten lang kaum einen schöneren Ort auf der Welt: Der 19-Jährige nahm im Estadio Santiago Bernabéu Platz – und zwar auf der königlichen Ersatzbank von Real Madrid. Der Abwehrspieler war beim 3:0-Ligasieg gegen Levante zum ersten Mal Teil der Profimannschaft des spanischen Rekordmeisters und zehnfachen Gewinners der Champions League bzw. des Europapokals der Landesmeister.

Damit hat der im Sommer von Rapid um 800.000 Euro in die spanische Hauptstadt verkaufte Lienhart bereits jetzt österreichische Fußball-Geschichte geschrieben. Dass ausgerechnet der Lilienfelder zum ersten rot-weiß-roten Export beim wohl größten Klub der Welt werden konnte, lag an den Leistungen bei der U-19-EM 2014 in Ungarn. Auf Empfehlung von Rapid-Coach Barisic ("Nimm Philipp, er hat keine Schwächen") beförderte ÖFB-Trainer Heraf den damals 17-Jährigen als jüngsten Spieler in den EM-Kader.

"Präzises Uhrwerk"

Lienhart drängte sich im Training auf, war mitverantwortlich für Österreichs Semifinal-Einzug und überzeugte die Scouts von Real. Rapid verlieh den Amateur für ein Jahr mit Kaufoption nach Madrid, seine Auftritte in der spanischen U-19-Meisterschaft wurden bei Real als "präzise wie ein Schweizer Uhrwerk" beschrieben.

Seit diesem Sommer lernt Lienhart von Trainer und Ex-Weltfußballer Zinédine Zidane im B-Team von Real dazu. Nach Verletzungen von Stammspielern wurde der 19-Jährige diese Woche in das Training der Profis befördert. Vom Madrider Fachblatt Marca wird Lienhart als "sehr eleganter Innenverteidiger mit großer Zukunft" geadelt. Der Titel des ersten großen Porträts lautete: "Die österreichische Perle."

Erlesene Liste

Nur wenigen österreichischen Kickern war es bislang vorbehalten, Teil eines Klubs von Welt zu sein. Hier eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

In Spanien gibt es neben Real Madrid nur noch einen Klub von globaler Strahlkraft, denFC Barcelona. Und dort sorgte mitHans Kranklbereits ein Österreicher für Schlagzeilen. Der Goleador wurde Ende der Siebzigerjahre Torschützenkönig in der spanischen Liga und Europapokalsieger.

Knapp danach lernte auch Krankls Nationalteamkollege Herbert Prohaska die große, weite Fußballwelt kennen. In Bella Italia stieg Österreichs Jahrhundert-Fußballer zum Cupsieger (Inter Mailand) und Meister (AS Roma) auf. Beim Hauptstadt-Klub wurde Jahre später auch Michael Konsel zum besten Torhüter einer Serie-A-Saison gewählt.

Aus der Riege der Torhüter war auch Alexander Manninger bei ganz großen Klubs aktiv: fünf Jahre bei Arsenal (Meister und FA-Cup-Sieger 1998) hinter David Seaman, vier Jahre bei Juventus Turin (Meister 2012) hinter Gianluigi Buffon.

Den Pokal der Landesmeister gewann Heinz Schilcher an der Seite des großen Johan Cruyff zwei Mal mit dem damals großen Ajax Amsterdam (1972/’73). Bereits 1970 holte Franz Hasil mit Feyenoord Rotterdam den Pokal der Landesmeister und den Weltpokal. Die aus dem Landesmeister-Bewerb hervorgegangene Champions League gewann Wolfgang Feiersinger mit Dortmund (ohne Finaleinsatz).

Vorgestoßen in die Riege der Weltstars ist David Alaba beim FC Bayern. Davor gewannen Andreas Herzog (UEFA-Cup) sowie August Starek und Peter Pumm (Meister) Titel in München.