Andre Gomes (re.) traf im Hinspiel gegen Rapid.

© APA/AFP/BIEL ALINO

Europa League

Rapids Gegner: Schuldenabbau als Langzeitprojekt

Der FC Valencia hat zwar einen reichen Investor, aber noch immer finanzielle Probleme.

von Stephan Blumenschein

02/24/2016, 09:00 AM

Sportlich hat Valencia die Trendwende geschafft – mit 2:1-Siegen gegen Espanyol und in Granada in der Liga sowie dem 6:0 in der Europa League gegen Rapid. Der Aufstieg ins Achtelfinale ist Donnerstag in Wien Formsache.

Wirtschaftlich ist dies noch nicht gelungen. Trotz des Einstieges eines Investors aus Singapur drĂŒckt ein riesiger Schuldenberg den Champions-League-Finalisten der Jahre 2000 und 2001. Valencia ist ein Opfer der spanischen Finanzkrise. Ein 344 Millionen Euro teures Stadion sollte den Verein auch wirtschaftlich in Europas Spitze etablieren. Doch das Nou Mestalla wurde zum Desaster.

Stadion-Fiasko

Kredite in dreistelliger Millionenhöhe wurden aufgenommen, und der Grund, auf dem das alte Mestalla im Stadtzentrum steht, war verpfĂ€ndet worden. Doch 2008 platze die Immobilienblase, das GrundstĂŒck war praktisch nichts mehr wert. Der Schuldenstand betrug plötzlich 650 Millionen Euro.

2009 mussten die Bauarbeiten eingestellt werden. Eine Stiftung im Besitz der Region Valencia ĂŒbernahm den Klub und verordnete ihm ein hartes Sparprogramm. Trotzdem waren 2013 laut eines Gutachten des WirtschaftsprĂŒfers KPMG die Schulden höher als die Vermögenswerte.

Roter Teppich

Nur ein Investor konnte den Klub retten. Nach langen Verhandlungen wurde dieser im Mai 2014 mit Peter Lim prÀsentiert. Empfangen wurde der GeschÀftsmann mit einem roten Teppich von Tausenden Fans.

Doch Lim, der 70,4 Prozent am Verein ĂŒbernahm, machte nie einen Hehl daraus, dass die Sanierung des Klubs ein Langzeitprojekt ist: Ein Schuldenabbauplan bis 2029 wurde erstellt.

Der mit einem Vermögen von 1,91 Milliarden Euro 949-reichste Mann der Welt ist aber kein MĂ€zen, sondern will mit seinen Investitionen Geld verdienen. So ist er auch zum Fußball gekommen. Mit seiner Firma Meriton kaufte er Spielerrechte, um bei VerkĂ€ufen Gewinn zu machen. Diese als Third-Party-Ownership genannte Praxis wurde aber von der FIFA mittlerweile verboten.

Portugal-Connection

Zu Valencia soll er ĂŒber Jorge Mendes gekommen sein. Der portugiesische Manager, der auch Cristiano Ronaldo betreut (dessen Bildrechte wiederum Lim besitzt), soll auch fĂŒr die engen Beziehungen Valencias zu Benfica verantwortlich sein.

Aus Lissabon kamen 2014 mit JoĂŁo Cancelo, Rodrigo und AndrĂ© Gomes, den Mendes vertritt, drei Spieler leihweise. Erst 2015 wurden sie von Valencia gekauft – um zusammen rund 60 Millionen.

Auch dank des LeihgeschÀfts konnte das letzte GeschÀftsjahr mit einem Verlust von nur 1,7 Millionen Euro abgeschlossen werden. Obwohl Valencia nicht im Europacup spielte. Die Ablösesummen belasten ja erst das aktuelle Budget.

Der Schuldenstand betrug am 30. Juni 2015 trotzdem immer noch 387 Millionen Euro, darunter sind nicht nur langfristige Bankschulden von rund 250 Millionen, sondern auch ein 100 Millionen Darlehen der Lim-Firma Meriton.

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