Sport | Fußball
18.08.2018

Rapid zeigt seine zwei Gesichter

Europacup-Show nach zuletzt schwachen Leistungen. Was folgt am Sonntag gegen den LASK?

Christoph Knasmüllner wird nie so kämpfen können wie Veton Berisha. Und Veton Berisha wird nie so kicken können wie Christoph Knasmüllner. Die beiden Rapidler spielen im offensiven Mittelfeld nebeneinander und sind doch die unterschiedlichsten Fußball-Charaktere in dieser sonderbaren Mannschaft, die mit dem 4:0 gegen Slovan für ein von vielen nicht mehr erwartetes Europacup-Highlight gesorgt hat.

Trotz ihrer Unterschiede stehen die beiden als Symbol dafür, was die Hütteldorfer noch schaffen könnten: Wenn der Kämpfer Berisha seine spielerischen Mängel so gut kaschieren kann wie gegen die Slowaken und sich der Techniker Knasmüllner so eifrig an der gemeinsamen Balleroberung beteiligt wie im Hütteldorfer Hochdruckgebiet, ja dann kann das noch eine richtig gute Saison für Rapid werden.

Als echte Mannschaft hätte dieser Kader großes Potenzial. Noch dazu, wo ganz hinten mit Richard Strebinger der stärkste Rückhalt seit vielen Jahren wartet. „Wir haben alle gemeinsam gearbeitet und dann auch Fußball gespielt. So soll es sein“, erkannte der Tormann.

Tolle Teamleistung

„Die Teamleistung steht über allem, und die war toll, darauf bin ich stolz“, meinte Trainer Goran Djuricin, der mit dem ungewohnt asymmetrischen Spielaufbau über links und Boli Bolingoli gegen die Slowaken auch den richtigen taktischen Kniff auspackte. Wenn sich Rapid nach diesem physischen wie psychischen Kraftakt aber in Zukunft wieder als Ansammlung von elf Individuen präsentiert, die sich auf ihre persönlichen Stärken verlassen, wird es bald wieder unruhig werden im Westen Wiens.

Mit dem LASK (beim 2:1 gegen Besiktas Istanbul stark, aber sehr unglücklich) und Play-off-Gegner FCSB alias Steaua Bukarest (gegen Hajduk Split durch ein Last-Minute-Tor aufgestiegen) warten bereits die nächsten hohen Hürden. Helfen könnte gegen die Rumänen, dass beim Hinspiel am Donnerstag im dann vollen Allianz Stadion Spielmacher-Kapitän Tanase und Linksverteidiger Junior Morais gesperrt fehlen werden.

Rotation

Davor wird am Sonntag beim LASK in Pasching rotiert werden. Für Kapitän Stefan Schwab, der aller Voraussicht nach an der Rotation beteiligt sein wird, muss sich das derzeit noch labile Gebilde des Rapid-Spiels festigen: „Wir sollten jetzt nicht übertreiben, es hat noch immer sehr große Schwächephasen gegeben, die wir abstellen müssen. Aber es schaut jetzt nicht mehr so schwarz aus wie vor dem Slovan-Spiel.“ Über Schwabs Einsatz wird am Samstag entschieden.

Djuricin will jetzt, dass seine Spieler nachsetzen: „Die Jungs müssen demütig bleiben und eine Leistung wie gegen Slovan so oft wie möglich abrufen. Ich will sehen, dass sie nicht nur dann so eine Leistung bringen, wenn der Megadruck da ist.“

Christoph Knasmüllner hält nach seinem Dreierpack bei einer außergewöhnlichen Bilanz: drei Tore, sechs Assists und vier Aluminiumtreffer in nur sechs Pflichtspielen. Dass der 26-Jährige sein immenses Talent nicht mehr verschwenden will, zeigt die Vorbereitung auf den Rapid-Transfer: „Weil ich in Barnsley nicht drangekommen bin, habe ich mit meinem Personal Coach Josef Schober sehr viel extra gearbeitet. Der Körper ist mein Kapital.“

Damit am Sonntag nicht Zahltag ist, müsse daher jede Stunde bis zum Spiel gegen den LASK optimal genützt werden. „Regenerieren, regenerieren, regenerieren“, sagte Christoph Knasmüllner am Donnerstag nach dem 4:0. „Wir sind ja gegen Slovan über unsere Grenzen hinausgegangen.“