Im Fokus: Bei Rapid wird Coach Kühbauers Zukunft diskutiert

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Sport Fußball
11/08/2021

Rapid und die Trainerfrage: Es gibt Gesprächsbedarf in Hütteldorf

Rapid-Sportchef Zoran Barisic übt nach dem Schock über das 1:4 in Wolfsberg Kritik. Über Trainer Didi Kühbauer wird intern diskutiert.

von Alexander Huber

Wer wann was sagt, hat öfters die größere Aussagekraft als die tatsächlich gefallenen Worte. Didi Kühbauer machte seinem Ärger über das 1:4 in Wolfsberg direkt nach dem Spiel Luft. „Beschämend, eine Qual, nicht Rapid-würdig“ war da vom Rapid-Trainer zu hören. Für eine genauere Analyse des Trauerspiels wollte der 50-Jährige lieber „eine Nacht drüber schlafen“.

Am Tag danach wurde in Hütteldorf viel besprochen, aber nur wenig nach außen kundgetan. Als Trainingstag wurde erst wieder der Dienstag eingetragen. Einer, der sein Wort erhebt, ist Zoran Barisic. Aber auch der Sportchef wollte im KURIER-Gespräch nicht zu allen dringenden Fragen Stellung nehmen.

Alarmsignal

Einigkeit herrscht bei den geschockten Rapidlern, dass die Niederlage im Lavanttal keine normale war. „Wir können verlieren – aber nicht so. Wir haben als Team komplett versagt und uns in Einzelaktionen verzettelt“, urteilt Barisic.

Die Körpersprache vermittelte nach der Pause eine Selbstaufgabe. Erstmals wurde nach drei Jahren und einem Monat in der Ära Kühbauer nicht einmal der Grundstandard erfüllt: Als Mannschaft auftreten und bis zum Schluss kämpfen. Bei den anschließenden Sky-Interviews musste endgültig der Alarm angehen.

„Wir waren nicht als geschlossene Mannschaft auf dem Platz, jeder hat sein eigenes Ding gemacht“, kritisierte Neuzugang Emanuel Aiwu.

Der U-21-Teamspieler regt eine Aussprache an: „Vielleicht setzen wir uns alle zusammen und müssen uns ehrlich ins Gesicht sagen, was nicht passt. So kann es auf jeden Fall nicht weitergehen.“

Barisic pflichtet bei: „Streit gehört dazu. Es wäre fatal, wenn sie alles über sich ergehen lassen.“ Der 51-Jährige drängt aber auch darauf, eine Frage ehrlich zu beantworten: „’Hat jeder alles, was möglich war, für sein Team getan?’ Ich glaube nicht.“

Der Saisonverlauf stellt eine andere Frage. Barisic ist weiter vom „sehr großen Potenzial im Kader“ überzeugt. Teilweise blitzt das auf. Aber wenn nach einem Monat mit vier Siegen und zwei Remis, der besten Saisonleistung gegen Dinamo (2:1) und einem trotz der großen Strapazen erfolgreichen Comeback gegen den LASK (3:2) so ein Absturz folgt – wie soll Rapid stabil und dauerhaft die eigenen Ansprüche erfüllen? Die Wiener sind in der Auswärtstabelle Letzter. „Ich werde sicher nicht alles verteufeln“, entgegnet Barisic.

Rapid hat den wegen Corona nötigen Sparkurs durchgezogen: „Ich weiß, dass das keiner mehr hören will, aber die Pandemie hat uns hart getroffen, und sie ist noch nicht vorbei.“ Dazu wurde das Saisonziel Europa League erreicht und das Cup-Viertelfinale. „Aber die Meisterschaft läuft schlecht, keine Frage.“

Da neben den spielerisch enttäuschenden Auftritten der Punkteschnitt abstürzt und die Qualifikation für die Meistergruppe in Gefahr ist, muss die Trainerfrage gestellt werden. Barisic: "Ich beteilige mich sicher an keiner medialen Trainerdiskussion."

Zu den Ansprüchen an das Trainerteam sagt der Sportchef nur grundsätzlich: „Unbestritten ist, dass der Tank nach vielen Spielen und vielen Verletzungen leer war. Wir haben viele Junge im Kader. Ihre Entwicklung dauert und trotzdem muss die Balance mit den nötigen Ergebnissen gewahrt bleiben.“

Unangenehme Aufgabe

Weil Kontinuität nicht nur ein Schlagwort ist, war ursprünglich geplant, den „brutal schwierigen Herbst“ gemeinsam durchzuziehen und dann in Ruhe Bilanz zu ziehen.

Jetzt ist klar: Die nötige Wende muss direkt nach der Länderspielpause her. Ob das Kühbauer noch zugetraut wird, ist laut KURIER-Recherchen derzeit Thema interner Gespräche und Analysen. Zoran Barisic kommt die unangenehme Aufgabe zu, zwischen seiner Freundschaft zum Trainer und dem Amt zu trennen.

Davor drücken wird sich der oberste sportlich Verantwortliche nicht.

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