Sport | Fußball 19.03.2016

Rapid und die Angst vor dem bösen M-Wort

Frage der Demut: Barisic scheut Rapids öffentlichen Titelanspruch © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Warum sich die Rapidler mit dem Satz "Unser Ziel ist der Meistertitel" so schwertun.

Der erste Tiefschlag war das 0:4 gegen die Admira. Der zweite war die Reaktion von Zoran Barisic: "Wir sollten uns von den Titelträumen verabschieden", erklärte der geschockte Rapid-Trainer.

Unverständnis machte sich breit. Mindestens eine Frage stellt sich – vor allem für den eigenen Anhang: "Wollen die gar nicht Meister werden?" Ist das heutige Spiel in Ried (16.30 Uhr) gar nicht so wichtig, weil die – als Mindestziel ausgegebene – Europacup-Qualifikation ohnehin nicht zu verspielen ist?

"Wir müssen wieder zu unseren Grundsätzen zurückkehren und von Spiel zu Spiel schauen", fügte Barisic damals noch an. Doch das ging in der Aufregung unter, weil die ursprüngliche Botschaft nicht ankam. "Natürlich wollen wir Meister werden", sagt der Chefcoach jetzt. Nach seiner Grippe-Auszeit versucht er präziser zu formulieren: "Die Fans dürfen träumen. Wir müssen jeden Tag hart arbeiten. Wer zu weit nach vorne blickt, vergisst im Heute das Arbeiten." Denn es störte ihn, dass vor dem Admira-Spiel schon die ersten Titel-Hochrechnungen angestellt worden waren.

Trotzdem.

Es fällt auf, wie schwer sich die Rapidler damit tun, den Satz "Unser Ziel ist der Meistertitel" öffentlich zu formulieren. Mit dem Trainer entwickelt sich zum Thema ein verbales Pingpong. Seine Gegenfrage: "Was spricht dafür, das jetzt zu tun?" Was spricht dagegen? Sein Beispiel: "Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wir wollten auch die Europa League gewinnen. Jeder hat die Depression nach den Valencia-Spielen gespürt. Jetzt kann man sich ausrechnen, was passiert wäre, wenn wir davor auch noch so ein Ziel ausgegeben hätten."

Barisic-Weltbild

Die Zurückhaltung von Barisic hängt mit seinem Fußball-Weltbild zusammen: Respekt und Demut sind (neben Loyalität) die zentralen Werte. Er würde es weder respektvoll noch demütig finden, den Titelanspruch offiziell anzumelden, obwohl Salzburg das dreifache Spielerbudget zur Verfügung steht. In der Barisic-Zeitrechnung war das erst nächste Saison eingeplant. Nach der Rückkehr nach Hütteldorf, wenn die Mannschaft (sofern sie halbwegs zusammengehalten wird) ein Jahr reifer ist und allein der Heimvorteil im Allianz Stadion fünf bis sechs Punkte mehr bringen soll.

Außerdem: Intern wird ohnehin anders gesprochen. Im Winter haben sich die Spieler auf einen Titelgewinn eingeschworen. Der Cup wurde erneut vergeigt. Es bleibt also nur der Meistertitel.

( kurier.at ) Erstellt am 19.03.2016