Gemeinsam statt einsam: Richard Strebinger betont, dass mit den neuen Rapidlern der Zusammenhalt im Kader stärker geworden sei

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Sport Fußball
10/20/2019

Rapid-Tormann Strebinger: "Mein Helm macht mich stolz"

Vor dem Schlager gegen den WAC: Richard Strebinger im Interview über seine Verletzungen, den Glauben und neue Rapid-Stärken.

von Alexander Huber

Mehr als 20.000 Zuschauer werden heute (17 Uhr) bei Rapid – WAC erwartet. Den zuletzt so starken Wolfsbergern stellt sich in seinem 150. Spiel für die Hütteldorfer Tormann Richard Strebinger, 26, entgegen.

KURIER: Das letzte Heimspiel gegen den WAC endete mit einem 0:0 und einem riesigen Pfeifkonzert. Wäre heute ein Punkt auch noch eine Enttäuschung?

Richard Strebinger: Wir haben diese Saison alles gezeigt: Gegner ausgespielt, ohne Glanz niedergefightet oder nach einem Rückstand besiegt. Ich glaube, dass wir gewinnen, wenn beide Teams für ihre Verhältnisse sehr gute Leistungen bringen.

Sie beschäftigen sich intensiv mit den Gegnern. Was zeichnet den WAC aus?

Dass sie seit einem Jahr konstant stark sind, weil sie eine gute Mischung haben aus ehrlichen Arbeitern und besonderen Spielern wie Liendl mit seinen Standards oder Weissman, bei dem jeder zweite Schuss ein Tor ist.

Jürgen Macho löste Helge Payer als Tormanntrainer ab. Was hat sich verändert?

Es war ein reibungsloser Wechsel. Ich hatte immer alle paar Jahre einen neuen Trainer, und das ist sogar gut so. Weil Jürgen genauso wie davor Helge in sehr detaillierter Arbeit etwas Neues in mein Spiel einbringt.

Was genau?

Für ihn hat es einen extrem hohen Stellenwert, dass ich auch sehr scharfe Bälle fange und nicht nur abwehre. Das trainieren wir intensiv.

Sie haben nach dem Cup-Aus gegen Salzburg betont, dass der Zusammenhalt so stark geworden ist, dass Rapid nichts mehr umhauen könne. Wann haben Sie diese Veränderung gespürt?

In der Vorbereitung. Wie Taxi Fountas vom ersten Tag an brutal marschiert ist, war beeindruckend. Das war dann auch bei den anderen Neuen so. Ein gutes Beispiel war das Dienstag-Training.

Was ist da passiert?

Trainer Kühbauer hat ein Turnier mit Viererteams zwischendurch sogar unterbrochen, weil es so heiß hergegangen ist. Er hat gesagt, dass wir schon genug Verletzte haben und uns die Schienbeine nicht durchtreten sollten. Aber da war so ein Feuer drin, das überträgt sich dann auch auf das Wochenende.

Vor einem Jahr waren Sie ein Transferkandidat. Woran ist ein Wechsel gescheitert?

Im Winter war ein Wechsel für mich kein Thema. Im Sommer gab es eine konkrete Anfrage: Finanziell war es sehr gut, ich hätte mir nach drei Jahren in Österreich ein riesiges Haus darum hinstellen können. Aber die Liga war nicht das, was ich will. Das wäre nicht ich gewesen. Für meine Familie hätte es auch nicht gepasst.

Sie hatten im Frühjahr einige Wochen einen Durchhänger. Wurde das analysiert?

Ja. Ich will nicht im Detail darauf eingehen, aber wir haben schnell die richtigen Schlüsse gezogen, was zu ändern ist.

Sie hatten diese Saison bereits eine Gehirnerschütterung und einen Eingriff am Herzen, bei dem eine Rhythmusstörung behoben wurde. Müssen Sie jetzt besser auf sich aufpassen?

Nein, so wie ich immer mehr trainiert habe als vorgegeben, mache ich das auch jetzt so. Der Weg nach oben zu besseren Leistungen ist immer frei. Ich sehe die Ausfälle nicht so dramatisch, wie es von außen wahrgenommen wurde. Für mich war das nicht aufregender als die letzte Europacupsaison.

Sie sind ein sehr gläubiger Mensch. Hat das bei den Verletzungen, die ja auch schlimmer enden hätten können, eine Rolle gespielt?

 

Bei der Gehirnerschütterung nicht. Da habe ich gefühlt: Ich bin stolz auf meinen Helm und mich.

Warum?

Weil du mit Helm am Anfang natürlich schon auch belächelt wirst. Aber mir war das wurscht. Weil ich auch eine Verantwortung gegenüber meiner Familie habe: Ich hatte schon eine schwere Kopfverletzung, und wenn dann aus Eitelkeit wieder etwas passiert, hätte ich mich schuldig gefühlt.

Und vor der Herz-OP?

Die Wahrscheinlichkeit waren 99,9%, dass alles gut läuft. Aber es gibt Einzelfälle. Da hab’ ich mir einen Tag lang gedacht: Ich vertraue auf Gott und die Ärzte. Und dann war ich schon wieder im verrückten, getriebenen Fußballer-Modus drinnen.

Was heißt das?

Ich wusste, dass ich eine Woche lang nicht trainieren darf. Deswegen hab ich am Montag so verrückt die Beine trainiert, dass ich über die OP hinaus bis Sonntag Muskelkater hatte. Erst am Montag hatte ich keine Schmerzen mehr und durfte auch wieder Laufen gehen.

Gegen den WAC wartet Ihr 150. Spiel für Rapid. Wie haben Sie sich seit Ihrem ersten 2015 verändert?

(denkt lange nach) Ich bin ein gestandener und selbstbewusster Tormann geworden. Weil ich glücklich bin, weil meine Ehe super ist, weil ich als Familienvater den perfekten Ausgleich habe, kann ich all das geben, was ich immer machen wollte. Ich kriege die Rückendeckung und kann mich frei entfalten.