Warum Rapid als Favorit in das Gipfeltreffen gegen Sturm geht
Rapid (links Ahoussou) gegen Sturm (Malone)
Nein, es ist dieses Mal nicht das Duell der lautesten Zuschauer in der Liga. Schon allein deshalb nicht, weil Rapid auf fast 10.000 Fans verzichten muss. Aber das Duell Rapid gegen Sturm birgt sportliche Brisanz in sich wie schon lange nicht: Es geht um Platz eins in der Meistergruppe. Mit einem Sieg würden die Wiener die Steirer überholen und kommende Woche als Tabellenführer ins Wiener Derby gehen. Im letzten Duell feierten die Hütteldorfer einen 2:1-Sieg und überholten Sturm. Doch damals behauptete Salzburg die Tabellenführung vor Rapid.
Welche Fragen stellen sich vor dem Oster-Schlager?
- Wie lautet die Bilanz zwischen den beiden Klubs?
Rapid hat die Nase vorn mit 115:65-Siegen bei 59 Unentschieden. Zuletzt gewannen die Wiener drei Mal in Folge und trafen dabei jedes Mal zumindest doppelt. Vier Siege gegen Sturm gelangen Rapid zuletzt von April bis November 2004 (später wurden die Hütteldorfer Meister). Rapid gewann zudem vier der jüngsten sechs Partien gegen den Meister. Was noch für die Wiener spricht: In der laufenden Saison gewann Rapid im August auswärts und im November in Hütteldorf jeweils 2:1. Ach ja, und an Ostersonntagen gab es das Duell auch zwei Mal. 2009 kassierte Rapid eine 0:1-Heimniederlage, 13 Jahre später setzten sich die Steirer in Graz mit 2:1 durch.
- Wie sehen die aktuellen Statistiken aus?
Sturm erzielte bereits 26 Treffer in den ersten zwölf Auswärtspartien – mehr waren es zuletzt 1995/1996 (27). Sturm ist mit acht Siegen aus zwölf Partien auch Erster der Auswärtstabelle, allerdings ist Rapid mit sechs Siegen aus zwölf Partien auch Zweiter in der Heimtabelle hinter dem LASK.
- Wie sieht es personell bei Sturm Graz aus? Kann Otar Kiteishvili spielen?
Sturm wird wohl ohne den besten Bundesliga-Kicker antreten. Kiteishvili musste bei Georgiens 2:2 gegen Israel nach 56 Minuten wegen einer Muskelverletzung ausgewechselt werden, war gegen Litauen nicht mehr dabei. Sonst waren die Grazer fleißig: Landsmann Gizo Mamageishvili spielte bei beiden Länderspielen durch, Filip Rozga stürmte in seinem dritten Länderspiel für Polen beim 2:1 gegen Albanien 45 Minuten neben Robert Lewandowski, kam aber beim bitteren 2:3 in Schweden nicht zum Einsatz. Weitere A-Team-Einsätze in Freundschaftsspielen hatten Ryan Fosso, der sein Debüt für Kamerun gab (90 Minuten beim 0:1 gegen Australien, beim 2:0-Sieg gegen China spielte er 21 Minuten) und Jeyland Mitchell, der für Costa Rica beim 2:2 gegen Österreichs WM-Gegner Jordanien 80 Minuten am Feld stand und gegen Iran (0:5) 45 Minuten abspulte. Jon Gorenc-Stankovic saß zweimal auf Sloweniens Bank.
- Auf wen muss Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup verzichten?
Links-Verteidiger Jannes Horn ist nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Der Trainer will am Spielsystem nicht viel ändern, er ließ sich aber noch nicht in die Karten blicken, wer den gesperrten Horn ersetzen soll. Bei Verteidiger Jakob Schöller, der zuletzt beim U21-Nationalteam nicht spielen konnte, muss Rapid aufpassen. „Es wird bis zum Ende der Meisterschaft so sein, dass wir seine Einsatzminuten dosieren müssen, damit er sich nicht verletzt“, sagt Hoff Thorup.
- Wie reagiert Rapid auf einen möglichen Ausfall von Kiteishvili bei Sturm?
Gar nicht. „Wir haben Sturm mit ihm und die Spiele ohne ihn analysiert. Das Spiel von Sturm ändert sich nicht viel, wenn Kiteishvili nicht dabei ist“, sagt Hoff Thorup. Tormann Niki Hedl meint: „Sturm hat genügend gute Spieler. Aber er hat mir schon mehrere Tore gemacht.“
- Wie sieht das Formbarometer der beiden aus?
Rapid holte in den fünf Partien vor der Ligapause vier Siege und ein Remis. Besonders die Leistungen bei den jüngsten Erfolgen gegen Salzburg (1:0) und LASK (4:2) zeigten, dass das auf Ballbesitz getrimmte Spielsystem von Trainer Hoff Thorup zu wirken beginnt. Der Trainer fordert: „Was ich gesehen habe, haben wir große Schritte gemacht. Gegen Sturm wird es wichtig sein, mit hoher Intensität und Energie zu spielen.“
Die Grazer stabilisierten unter dem neuen Trainer Fabio Ingolitsch die Defensive, kassierten im eigenen Stadion erst einen Gegentreffer. Auswärts klappte es nur einmal bzw. ein halbes Mal so richtig – beim 5:2-Kantersieg bei der Austria gefiel man zumindest nach der Pause. Das 1:1 gegen Salzburg war kein fußballerischer Offenbarungseid – allerdings von beiden Teams.
- Wie lange gilt im Allianz Stadion noch die Sektorsperre nach den Derby-Ausschreitungen?
Gegen Sturm müssen die Fan-Sektoren ein letztes Mal geschlossen bleiben. Weil die Grazer den 2.300 Plätze großen Auswärtssektor gut füllen werden, wird die Zuschauerzahl am Ostersonntag circa 16.000 betragen. Auf der Familien-Tribüne wird es kleine Oster-Überraschungen geben.
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