Rapid-Tormann Hedl über Krise und Rückkehr: "Das Handy weglegen"
Zurück im Rampenlicht: Rapid-Tormann Niklas Hedl
In Ried hat die Pause von Niklas Hedl begonnen, und im Heimspiel gegen Ried ist die Zeit auf der Bank – mit der achten Partie – auch wieder zu Ende gegangen.
Im Cup-Viertelfinale im Innviertel am Samstag (17.30 Uhr, ORF 1 live) wird der Rapid-Tormann bei der Premiere von Trainer Johannes Hoff Thorup als offizielle Nummer eins aufs Feld geschickt werden.
Das liegt auch daran, dass der Däne bereits als Norwich-Coach ein Auge auf Hedl geworfen hatte: „Niki war auf unserer Liste.“
"Es hat nicht gepasst mit Norwich"
Nach dem Ende von Hoff Thorup in England verhandelte Hedl im Frühjahr 2025 mit dem Zweitligisten.
„Ich hab’ es mir angehört, aber am Ende hat es sich nicht ergeben mit Norwich“, verrät der Wiener im KURIER-Gespräch.
Niki Hedl im Rapid-Tor.
Wenn der Langzeitrapidler von seiner späteren Krise im Herbst gewusst hätte, wäre im Sommer wohl nach 18 Jahren doch Schluss in Hütteldorf gewesen.
„Andererseits gibt es nichts Besseres als Rapid, wenn es läuft. Auch diese Saison kann noch leiwand werden“, sagt der 25-Jährige, der seine Freude zurückgewonnen hat.
"Kick and Rush nicht so gemocht"
Das liegt stärker, als es bei einem Tormann zu vermuten wäre, am Spielstil der Vorderleute: „Das Derby war der Anfang vom Ende. Wir haben dann das Kick and Rush nicht so sehr gemocht. Diese Mannschaft will den Ball, darüber definieren wir uns wieder stärker. Das macht Spaß.“
Eine zusätzliche Belastung war das angespannte Verhältnis von Jürgen Macho und Chefcoach Peter Stöger, der den Tormanntrainer im Winter ausgetauscht hätte: „Eigentlich hätte es mir wurscht sein müssen, war es aber nicht. Alle haben es mitbekommen.“
"Mit dem Fuß sollten sie richtig gut sein"
Jetzt sind die Herausforderungen gestiegen, weil Hoff Thorup mitspielende Goalies will: „Mit dem Fuß sollten sie richtig gut sein, für mehrere Lösungen mit dem Ball bereit – das sind sie bei Rapid.“
Hedl berichtet, dass die Tormänner im Training nun stärker in die Spielformen eingebunden werden: „Das hilft. Ich muss ja dann im Spiel Ruhe bewahren und Vertrauen haben, dass sich die Mitspieler rechtzeitig anbieten. Das letzte Hemd riskieren und ins Dribbling gehen will ich wirklich nicht.“
Trainer fordert von Goalies Tapferkeit
Hoff Thorup betont noch eine Eigenschaft, die ihm an Schlussmännern wichtig ist: „Tapferkeit, wenn der Druck im Spiel und von den Fans kommt.“
Den Druck bei Rapid kannte Niklas bereits von Papa Raimund (115 Spiele von 1994 bis 2011) und hat diesen ab Oktober selbst voll abbekommen.
Der EM-Teilnehmer von 2024 schildert, wie er nach starkem Saisonstart in die Krise geschlittert ist: „Es hat mehr Höhen und Tiefen als in der Vorsaison gegeben. Wenn ein Fehler passiert, bist du im Kopf gehemmt und denkst nach. Aber als Torhüter hast du schon verloren, wenn du zu viel nachdenkst.“
Geholfen hat in dieser Phase auch Paul Gartler, der an sich härteste Konkurrent: „Pauli ist ein echter Freund und so ein geiler Typ, der wie ein Papa für die meisten ist. Er macht so viel für die Mannschaft, bis hin zum Dolmetschen. Deswegen hab’ ich ihn auch jeden Tag in seiner Zeit als Nummer 1 unterstützt.“
Statistik besser als Fan-Meinung
Übrigens sind Hedl und Gartler – neben Salzburgs Schlager – die einzigen Goalies der Bundesliga, die im Herbst mehr gehalten haben als statistisch wahrscheinlich war.
"Das ist halt Rapid"
Ganz anders, als es viele Fans sehen: „Das ist halt Rapid. Wenn es nicht läuft, wird noch genauer hingeschaut. Dann wird jeder kleine Fehler in die Waagschale geworfen und so schaukelt sich das auf. Da hilft nur, das Handy wegzulegen und noch härter zu arbeiten. Aber wir wissen schon, dass wir es besser machen hätten können.“
Hedl blickt nach vorne: „Bereits in jungen Jahren eine schwere Phase durchzumachen, hilft für später sehr. Das hat auch als Mensch etwas mit mir gemacht. Ich habe gelernt, mir nicht alles zu sehr zu Herzen zu nehmen.“
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