Der zwölfte Mann von Rapid.

© Agentur Diener/DIENER / Philipp Schalber

Bundesliga
08/28/2016

Rapid nähert sich Ligaprimus Salzburg an

Vor dem Hit: Die Wiener haben nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich aufgeholt.

von Alexander Huber, Stephan Blumenschein

Es ist das Spiel der beiden Klubs, die seit Jahren die Bundesliga dominieren: Rapid, drei Mal Vizemeistger in Folge, trifft auf Salzburg, drei Mal Meister in Folge (16.30 Uhr, live ORFeins, Sky Sport Austria).

Sportlich stehen beide Teams in dieser Saison bisher auf einer Stufe. Sowohl Salzburg als auch Rapid haben sich für die Europa-League-Gruppenphase qualifiziert. Beide Teams haben nach fünf Bundesligarunden zehn Punkte auf dem Konto, nur das bessere Torverhältnis spricht derzeit für die Wiener.

Unterstützung

Rapid setzt im Schlagerspiel auch auf den 12. Mann. Das Allianz Stadion ist ausverkauft, 2000 freie Plätze wird es allerdings im Gästesektor geben. "Wir haben schon in den letzten Jahren Salzburg Paroli geboten. Und jetzt haben wir auch noch diese geile Wand hinter uns", sagt Christopher Dibon über den lautstarken Fan-Block. "Die Stimmung wird bombastisch. Die Unterstützung war auch gegen Trencin fantastisch. Dieses Niveau konnten wir nicht halten. Das soll am Sonntag anders sein", kündigt Trainer Mike Büskens an.

"Einen Hexenkessel im positivsten Sinn", erwartet Geschäftsführer Christoph Peschek, der mit 20.000 Zuschauern im neuen Zuhause kalkuliert hat. Dieser Schnitt dürfte allein aufgrund der 14.600 verkauften Jahreskarten überboten werden. Bei den Zuschauern liegt Rapid klar vor dem großen Konkurrenten. Salzburg kam in der abgelaufenen Saison auf rund 9500 Zuschauer im Schnitt, in dieser hofft man auf über 10.000, was für eine Stadt mit 150.000 Einwohnern durchaus ordentlich ist.

Der Ticketverkauf macht aber nur einen kleineren Teil des Budgets aus. Wirtschaftlich konnte Rapid in den letzten Jahren zwar aufholen, aber bei den nackten Zahlen dominiert Salzburg weiterhin klar.

Millionen-Gewinn

Auf rund 60 Millionen hat sich der Umsatz in den letzten Jahren eingependelt. Rund zwei Drittel der Kosten gehen in den Betrieb des Profiteams. Erstmals könnte es in der Bilanz ein deutlich größeres Plus geben als jene eine Million, die Salzburg die letzten Jahre immer hatte.

Rapid konnte die Einnahmen aus dem nationalen Bewerb (also ohne Transfers oder Europacup) auf 30 Millionen steigern. "35 Millionen sind unser nächstes Ziel", sagt Peschek. Dann wird die Luft für einen "Mitgliederverein" in Österreich zusehends dünner.

Büskens-Kritik

"Es ist kein Geheimnis, dass Salzburg viel mehr Geld zur Verfügung hat und sich deswegen Ausnahmespieler leisten kann", sagt Büskens, der davor warnt, von zwei Klubs auf Augenhöhe zu sprechen: "Wenn sie wollen, holen sie jetzt die größten Talente aus Liefering oder geben einfach noch ein paar Millionen aus. Das ist wie ein Verschub-Bahnhof. Es darf sich keiner wundern, wenn über die fehlende Identifikation gesprochen wird."

Peschek sieht noch immer einen "Wettstreit der Philosophien". In Hütteldorf wird daran geglaubt, dass auch ohne Investor die Schere zu Red Bull geschlossen werden kann. "Wir verbinden Tradition mit Moderne, ohne deswegen unsere Werte aufgeben zu müssen: Niemand steht über dem Wappen."

Dass mit einem potenten Geldgeber wie Red Bull vieles einfacher ist, liegt auf der Hand. Die finanzielle Unterstützung des Getränkekonzerns, der offiziell nur mehr Sponsor ist, ist aber in den letzten Jahren signifikant zurückgegangen.

Transfer-Plus

Die Salzburger konnten neue Geldquellen anzapfen, der Sponsorenpool ist wesentlich größer geworden. Dazu konnte mehr Geld in den europäischen Bewerben lukriert werden. Einen Großteil machen allerdings die Einnahmen aus dem Transfergeschäft aus.

Bei Spielerverkäufen sind die Salzburger in den vergangenen beiden Jahren in ungeahnte Dimensionen für einen österreichischen Verein vorgedrungen. Über 70 Millionen Euro wurden lukriert. Zum Vergleich: Rapid verkaufte für weniger als 20 Millionen Euro Spieler.

In einem anderen Bereich hat Rapid Salzburg aber überholt: Die Zahl der Mitarbeiter hat sich auf 130 verdoppelt. Rund die Hälfte ist für den wirtschaftlichen Bereich zuständig. Bei Red Bull sind es – ohne der Akademie, die gemeinsam mit dem Salzburger Eishockeyklub geführt wird, rund 120. 48 arbeiten in der Administration

Imagespagat

Es sind in Hütteldorf aber auch kritische Töne zu hören. Das Image als "Arbeiterverein" sei nicht mehr glaubhaft. Zu sehr würde auf die zahlungskräftigen VIPs geachtet, die – als Ironie der Geschichte – jetzt dort sitzen, wo früher die legendäre Westtribüne stand, und sich gerade einmal zum Beginn der Rapid-Viertelstunde aus den bequemen Sesseln bemühen.

Andererseits: Rapid hat gerade die letzten beiden der insgesamt 41 noblen Logen dauerhaft verkauft. Und damit mehr verdient als mit 7000 lautstarken Fans in einem ausverkauften Block West. "Das ist ein Balance-Akt", gesteht Peschek. "Aber anders geht es nicht."

2500 VIPs finden im Allianz Stadion Platz. In der Salzburger Red Bull Arena sind es mit maximal 870 deutlich weniger. Diese müssen für ein VIP-Ticket auch weniger zahlen. 240 Euro waren es beim Champions-League-Play-off gegen Dinamo Zagreb. Rapid verlangte für die VIP-Tickets gegen Salzburg 300 sowie 480 Euro. Trotzdem waren Samstag Nachmittag nur mehr rund 100 Karten zu haben.