Stefan Schwab betont, wie viel sich bei Rapid mittlerweile zum Positiven geändert hätte

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Sport Fußball
01/31/2020

Rapid-Kapitän Stefan Schwab: "Die Kritik hat an mir genagt"

Im KURIER-Interview spricht Stefan Schwab über die Veränderungen bei Rapid, seine Vertragsverlängerung und Badjis Probleme.

von Alexander Huber

Stefan Schwab macht das Dutzend voll. Der 29-jährige Salzburger absolviert in Belek sein zwölftes Trainingslager mit Rapid. Da der Vertrag des Kapitäns im Sommer ausläuft, könnte es das letzte mit den Hütteldorfern sein.

Wie der Mittelfeld-Motor seine Zukunft plant und was er von Rapid erwartet, verrät Schwab im KURIER-Interview.

KURIER: Rapid war vor einem Jahr Siebenter. Was hat sich seither verändert?

Stefan Schwab: Damals war die Angst vor dem Scheitern groß. Jetzt ist die Ausgangslage besser und man spürt die positive Stimmung, in der Mannschaft und im Verein.

Trainer Didi Kühbauer sieht als größten Unterschied, dass jetzt eine echte Mannschaft auf dem Platz steht. Sehen Sie das auch so?

Ja. Die vergangene Saison war mit der Kombination aus den Typen und dem Misserfolg, durch den das auch zu Tage tritt, das schwierigste von sechs Jahren bei Rapid. Wir waren oft keine echte Mannschaft, das habe ich auch in der Kabine gespürt.

  • Privat

Am 27. September 1990 in Saalfelden geboren, war der Salzburger als Jugendlicher auch ein starker Wintersportler. Seit Sommer ist Schwab mit einer Halb-Italienerin verheiratet. Sein Bruder, der auch als Volleyball-Trainer arbeitet, verhandelt alle Verträge.

  • Karriere

Vom Salzburger Nachwuchs ging es über FC Lustenau und Admira 2014 zu Rapid (bislang 228 Pflichtspiele). 2017 löste der einfache Teamspieler Steffen Hofmann als Rapid-Kapitän ab.

Was hat sich dann getan?

Der Trainer hat drei Wochen nach seiner Verpflichtung gespürt, was los ist. Das zu korrigieren, war richtig viel Arbeit, das hat er im Sommer mit Zoki Barisic super erledigt. Jetzt fühle ich mich wieder an meine Anfangszeit bei Rapid erinnert: Es gibt einen guten Kern, viele starke Junge und mit den Legionären passt es jetzt auch.

Wie läuft die Integration von Koya Kitagwa?

Koya ist intelligent, diszipliniert und schnappt extrem viel auf. Er hat unsere Abläufe schnell verstanden und bei der Kommunikation hilft ihm der Dolmetscher, der immer dabei ist. Auf dem Feld fällt auf, wie gut er kicken kann.

Warum hat es mit Aliou Badji nicht funktioniert?

Die größte Baustelle war, dass er sich nicht wohl gefühlt hat, vieles war ihm zu kompliziert. Er war mit dem Kopf woanders und ist am Schluss auch nicht mehr gerne zum Training gekommen. Der Knackpunkt war, wie er gespürt hat, dass er die Leute im Stadion verloren hat. Ab da hat er sich komplett zurückgezogen, obwohl wir immer wieder auf ihn zugegangen sind. Mit seiner Athletik und der Schnelligkeit wäre viel Potenzial da gewesen.

Red Bull investiert extrem viel in die Betreuung von Spielern aus Afrika. Muss Rapid da nachziehen?

Salzburg ist im Umgang mit Legionären einer der Vorreiter in Europa. Für uns war ein erster Schritt, dass wir jetzt im Trainingszentrum im Prater gemeinsam essen. Falls öfters Spieler von anderen Kontinenten kommen sollen, stimmt es sicher, dass der Verein künftig so vorgehen sollte wie bei Kitagawa – damit die Spieler auch funktionieren.

Im Trainingslager sind 30 Spieler. Wie verändert das Ihre Aufgabe als Kapitän?

Ich habe beim Essen auf den Nebentisch geschaut und rund zehn Spieler gezählt, die im Sommer noch nicht dabei waren. Es hat sich extrem viel getan. Die Jungen sind unkompliziert, professionell, die wissen, wie’s bei Rapid läuft. Ich versuche, noch Selbstvertrauen zu vermitteln.

Wer von den Jungen hat den größten Sprung gemacht?

Ganz klar Kelvin Arase.

Er gehört zu den ersten 14 Spielern und hilft uns immer.

Wobei muss sich die Mannschaft am meisten steigern?

Bei der Heimbilanz. Wir müssen bei Ballbesitz bestimmen, was los ist, vor allem gegen die sogenannten Kleinen. Mit besseren Lösungen gibt es mehr Topchancen.

Warum hat das im Herbst nicht funktioniert?

Der Trainer und der Sportdirektor haben den Kader ausgemistet, da war klar, dass nach so vielen Änderungen zuerst eher das Einfache, also das Umschaltspiel, funktioniert. Es wäre unmöglich gewesen, dass nach Platz sieben gleich alle Facetten funktionieren. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt setzen.

Wird es im Frühjahr mehr Spiele mit Dreier- oder Viererkette geben?

Beides hat Vor- und Nachteile. Ich finde es gut, wie der Trainer geswitcht hat und glaube, das bleibt so. In Bestbesetzung wären wir wohl im 4-2-3-1 besser. Entscheidend wird sein, wie viele Flügel ohne Schobesberger noch voll fit sind, da könnte es eng werden. Positiv ist, dass wir anders als früher, wie etwa im Derby, wechseln können.

Es ist noch offen, ob Sie Ihren Vertrag verlängern. Trainer Kühbauer hat Ihnen gesagt, dass er will, dass Sie nicht zu lange mit Ihrer Entscheidung warten?
Ja, ich will dem Verein nichts vorspielen. Es wird im Februar die entscheidenden Gespräche geben und spätestens im März eine Entscheidung. Wichtig ist, dass für mich im Kopf alles klar ist. Es gibt Leute im Umfeld, die machen Stress, aber da muss ich nur ein Jahr zurückdenken.

Wie meinen Sie das?

Damals hat es geheißen, ich wäre nicht der richtige Kapitän und jetzt muss ich schnell verlängern, weil das beim Kapitän so wichtig wäre? Ich werde mich nicht rechtfertigen dafür, dass ich mit 29 eine sehr wichtige Entscheidung zu treffen habe und da auch Zeit brauche.

Ist es ein Pluspunkt von Rapid, dass sowohl der Trainer als auch der Sportdirektor Sie bereits lange kennen und voll auf Sie bauen?

Ja, und das zählt auch. Ich bin gerne Kapitän, weil die verschiedenen Verantwortlichen das alle einheitlich so gesehen haben.


Es klingt durch, dass die „Kapitäns-Kritik“ von unzufriedenen Fans und aus dem Umfeld an Ihnen genagt hat.

Ja, die Kritik hat an mir genagt. Ich wusste, in welch große Fußstapfen ich nach Steffen Hofmann trete und wollte zu viel. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis ich kapiert hab, dass ich es nie allen recht machen könnte. Jetzt hab ich gegenüber manchen Dingen ein Wurschtigkeitsgefühl entwickelt und schau einfach, dass ich intern und auf dem Platz meine Aufgabe so gut wie möglich erledige.

Gibt es eine Tendenz zu einer Vertragsverlängerung?

Entscheidend sind die sportliche Perspektive und dass die Pläne für das Trainingszentrum realisiert werden können. Ich habe ein extrem offenes Verhältnis mit Zoran Barisic. Wenn ich sehe, dass die Pläne von Zoki umgesetzt werden können und wir auch in den ersten Frühjahrsrunden untermauern, dass wir in den Europacup kommen, liegt eine Vertragsverlängerung nahe.