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Fußball
10/21/2015

„Rapid kann gewinnen, Pilsen muss“

Die Ex-Rapidler Ladi Maier und Rene Wagner über den Top-Klub ihrer tschechischen Heimat.

von Alexander Huber

Insgesamt 446 Spiele haben sie für Rapid bestritten. Ab 1998 bildeten sie sechs Jahre lang ein tschechisches Duo in Hütteldorf. Der eine im Tor, der andere im Sturm. Ein Jahrzehnt später reisen die beiden früheren Fan-Lieblinge noch öfters aus Tschechien nach Wien, um im Legendenklub Rapid zuzusehen.

Ladi Maier und René Wagner sind also echte Experten, wenn es darum geht, über die Chancen von Rapid gegen Viktoria Pilsen am Donnerstag im Happel-Stadion (21.05 Uhr) und beim Rückspiel in Böhmen (5. November) zu berichten. „50:50. Beide Mannschaften haben ähnliche Qualität“, lautet die idente Antwort von Ladi Maier und René Wagner im KURIER-Gespräch vor der dritten Runde in der Europa League.

Sehr ähnlich ist auch die Spielanlage im 4-2-3-1-System. „Wie Rapid ist auch Pilsen auf viel Ballbesitz aus“, erklärt der 42-jährige ehemalige Torschützenkönig Wagner. Wobei Ex-Goalie Maier morgen einen strategischen Vorteil beim österreichischen Rekordmeister gegen den aktuellen tschechischen Champion sieht: „Weil Rapid mit dem Super-Sieg gegen Villarreal schon Bonuspunkte gesammelt hat, liegt der Druck mit drei Punkten Rückstand in der Tabelle bei Pilsen. Für Viktoria ist es das Spiel des Jahres. Sie dürfen nicht verlieren, sonst ist Rapid durch.“

Die Rapidler hoffen, dass rund 40.000 Fans die Mannschaft nach vorne peitschen werden – 34.000 Tickets sind verkauft. Doch Wagner, der 1996 nach einem Fan-Tipp aus Brünn geholt worden war und sich erst 2004 (nach 261 Spielen und 90 Toren) Richtung Mattersburg verabschiedete, warnt: „Die Rapid-Fans sorgen immer für eine super Kulisse. Aber das wird kein großer Pluspunkt sein. Pilsen hat eine erfahrene Mannschaft und im Europacup bei richtig großen Gegnern überzeugt.“ 2013 wurde in Neapel sogar mit 3:0 gewonnen, 2014 mit 2:1 in Donezk.

Formkurve

Diese Erfolge brachten Rang 39 in der UEFA-Klubrangliste, unmittelbar vor Salzburg. Rapid ist lediglich auf Platz 98.

Ganz eindeutig spricht auch die Formkurve für die Mannschaft von Karel Krejci: Seit der Trainer am 16. August in Folge des Champions-League-Ausscheidens bestellt worden ist, gab es in zehn Spielen neun Siege. Nur das 0:1 bei Villarreal verhinderte die perfekte Bilanz.

Es klingt also logisch, wenn bei Rapid nach den letzten Pleiten sowohl Trainer Zoran Barisic als auch Kapitän Steffen Hofmann meinen: „Pilsen ist der Favorit.“ Maier erwidert: „Für Rapid spricht der Teamgeist. Das erinnert mich an meine Zeit in Hütteldorf.“

Einer Meinung sind die Ex-Legionäre, wenn es um den Star von Pilsen geht: „Den gibt es nicht. Sie leben von einer sehr kompakten Mannschaft.“ Die höchste Qualität wird Kapitän David Limbersky zugebilligt. Der 32-jährige Linksverteidiger mit 34 Team-Einsätzen sorgte zuletzt mit einem Unfall unter Alkoholeinfluss für Schlagzeilen. „Seine Strafe war für tschechische Verhältnisse sehr hoch. In den letzten Teamspielen wurde Limbersky deswegen aus dem Kader entfernt, aber in Pilsen ist das schon vergessen“, erzählt Wagner, der selbst elf Mal für Tschechien stürmte.

Sogar beim EM-Finale 1996 dabei war der siebenfache Teamspieler Maier – als Ersatzgoalie. Der heute 49-Jährige hebt den slowakischen Teamtormann Matus Kozacik als zweiten Spieler von Pilsen hervor. Nicht ganz überraschend warnt Wagner hingegen vor einem Stürmer: „Michal Duris war zu Saisonbeginn nur als vierter Stürmer eingeplant, jetzt führt er mit neun Treffern die Torschützenliste an.“

Torgarantie

Wie geht’s also aus? Beide Tschechen betonen, dass sie zu Rapid halten. Beide werden im TV zu sehen sein – Maier als Co-Kommentator für einen tschechischen Sender, Wagner als Experte für Puls4. „Beide Teams suchen die Offensive. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein 0:0 gibt“, glaubt Wagner.

„Der Anspruch von Pilsen ist es, aufzusteigen“, sagt Maier, der sich 2005 nach 185 Einsätzen für Rapid als Meister in die Pension verabschiedet hat. „Diesen psychologischen Vorteil sollten die Rapidler nutzen: Sie können gewinnen, Pilsen muss.“