Sport | Fußball
17.12.2017

Peter Stöger verleiht der Borussia wieder Hoffnung

Nach zwei Siegen in seinen ersten zwei Spielen keimt bei den Borussia-Anhängern so etwas wie Hoffnung auf.

Dortmund freut sich. Auf Weihnachten. Allgegenwärtig scheint der Wunsch nach einem Punsch, die gesamte Innenstadt, ansonsten nicht als Sinnbild gelungener Architektur berühmt, ist zu einem großen Weihnachtsmarkt geworden. Als würde man in Wien sämtliche Christkindlmärkte zusammenlegen.

So klein kann eine Seitengasse gar nicht sein, dass nicht ein Stand Devotionalien von Borussia Dortmund feilbietet. Maria trotzt dem Wetter ganz ohne Haube und Handschuhe, für den BVB kann sie sich nur teilweise erwärmen. „Natürlich bin ich Fan, aber eben nicht so intensiv“, erklärt sie. Und von diesem Stöger habe sie schon gehört, doch. „Aber ich kenne ihn zu wenig, um zu urteilen.“ Doch grundsätzlich kann es nur gut, weil eben nicht mehr schlechter werden. Damit spricht sie die in Dortmund vorherrschende Grundstimmung aus.

Die meisten Fans sind froh, dass sich der Verein vom Niederländer Peter Bosz getrennt hat. Nach der Verpflichtung von Peter Stöger herrscht zwar keine Euphorie, aber immerhin das Prinzip Hoffnung. Man wartet ab, was der Ex-Köln-Trainer zuwege bringt.

Stögers gelb-schwarzer Advent in Dortmund

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Dortmund im Advent

Dortmund im Advent

Dortmund im Advent

Dortmund im Advent

Dortmund im Advent

Dortmund im Advent

Dortmund im Advent

Reus hinter Glas

Fabian serviert im „ALEX“, einem Restaurant beim Alten Markt. An einer Säule hängt hinter Glas das Original-Trikot von Marco Reus, verziert mit den Unterschriften aller Spieler. „Immer wieder kommen Spieler bei uns vorbei. Zuletzt war Nuri Sahin hier. Wir haben ein wenig gesprochen.“ Wenige Tage nach dem Plausch zwischen Vor- und Hauptspeise war Bosz als BVB-Trainer Geschichte.

„Erstmals bin ich froh darüber“, meint Fabian. „Denn das hat einfach nicht geklappt.“ Und Stöger? „Ehrlich? Da bin ich noch skeptisch. Aber ich denke, dass die Rückrunde besser wird. Vom Typ her könnte er schon zu Dortmund passen.“ Doch beim Dortmunder Kellner liegt die Messlatte für Stöger sehr hoch. „Mein Herz sagt halt immer noch Jürgen Klopp. Für mich war er der Beste.“

Borussia über alles

Das sieht Majid anders. Er ist gebürtiger Perser und lebt seit 30 Jahren in Dortmund. Aktuell fährt er Taxi. Früher war alles anders, er vor allem jünger – und ein talentierter Fußballer, der sogar bei der Borussia vorspielte. Er wählte aber nicht die Profikarriere, sondern eine Berufslaufbahn als Diplomingenieur bei Siemens in Bochum. „Im Iran ist die schulische Ausbildung extrem wichtig. Daher bin ich auf die Uni gegangen.“ Dabei war er ein begnadeter, weil gnadenloser Verteidiger.

Vor Jahren wurde dann das Siemens-Werk geschlossen und Majid entlassen. Heute dreht er im Mercedes seine Runden und freut sich, wenn er mit einem Fahrgast über Fußball sprechen kann. Alles drehe sich hier um die Borussia. Aus Mangel an Alternativen. „Ich gehe hin und wieder zu den Heimspielen. Dortmund ist mein Verein, daran wird sich nichts mehr ändern.“ Majid spricht weniger von Klopp, viel lieber von Ottmar Hitzfeld. „Der ist ein Gentleman. Für mich ist er der beste Trainer, den Dortmund je hatte. Hitzfeld ist auch international angesehen und eine echte Nummer.“

Auch Majid begrüßt den Abgang des glücklosen Bosz. „Mich erinnert das an Bert van Marwijk.“ Der Niederländer coachte von 2004 bis 2006 die Borussia. „Die Holländer funktionieren nicht in Dortmund. Irgendwie klappt das mit der Spielphilosophie nicht.“

Gelbe Welt

Kann es mit diesem Stöger aus Österreich klappen? „Ich hoffe es. Der Wechsel ist doch sehr flott gegangen. Wenn Stöger im Frühjahr mit Dortmund Erfolg hat, dann wird sein Vertrag wohl verlängert werden.“

Samstag, 15 Uhr vor dem Signal-Iduna-Park. Weihnachten hat hier Sendepause. Dreieinhalb Stunden vor Anpfiff schieben sich die Massen durch die Fanwelt neben dem Stadion wie sonst nur durch die Shopping City Süd an einem Samstag. Die Merchandising-Maschinerie läuft auf Hochtouren. Ralf hat sich schon vor langer Zeit mit allem Notwendigen eingedeckt. Gelbe Weihnachtsmütze, Trikot, Stutzen, gelb-schwarze Fußballschuhe, um die Hüfte baumeln 15 BVB-Schals.

Vor Stögers Heimpremiere gegen Hoffenheim gibt sich der Mann von der berühmten Südtribüne zurückhaltend. „Mal schauen, was er bewirken kann. Immerhin hat er im Herbst mit Köln nur drei Punkte geholt.“ Für ihn ist Vorgänger Bosz nicht der alleinige Schuldige. „Das lag auch an den Spielern. Und die brauchen jetzt eher einen Arschtritt als Streicheleinheiten.“

Gelungene Premiere

Am Ende eines durchwachsenen Fußballabends feierten die Dortmunder Fans den knappen Sieg bei Stögers Heimpremiere lautstark: „Der BVB ist wieder da.“ Klar war die Angelegenheit ganz und gar nicht. Dortmund verjuxte die erste große Chance durch Yarmolenko, Hoffenheim erzielte dafür das erste Tor durch Uth (21.). Danach zeigten die Dortmunder Nerven, waren wieder verunsichert.

Erst ein Elfmeter von Aubameyang zum 1:1 (63.) brachte die Borussen so richtig zurück ins Spiel. Dortmund gab nicht auf und wurde eine Minute vor dem Ende mit dem 2:1 durch Pulisic belohnt. Stöger ballte die Fäuste und klatschte mit seinen neuen Arbeitskollegen ab. Seine Bilanz: Zwei Spiele, zwei Siege, vorerst sogar Platz drei.