APA3923236 - 11042011 - WIEN - ÖSTERREICH: Interimsmäßiger Rapid-Trainer Zoran Barisic während der Pressekonferenz, am Montag 11 April 2011, in Wien. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

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Bundesliga
06/06/2016

Paukenschlag in Hütteldorf: Barisic nicht mehr Rapid-Coach

Der SK Rapid trennt sich einvernehmlich von seinem Trainer.

von Alexander Huber

Als Andreas Müller seine ersten Monate bei Rapid verbrachte, betonte der Deutsche oft, „wie gerne er in die Trainerkabine kommt“. Zoran Barisic hatte nach seinem Amtsantritt im April 2013 eine auf dem Boden liegenden Mannschaft übernommen und trotz strenger Einsparungen immerhin gleich in die Gruppenphase der Europa League geführt.

Das Duo Müller-Barisic funktionierte nicht nur 2014 gut, sondern auch 2015. Das erste Überwintern einer Rapid-Mannschaft im Europacup seit 20 Jahren wurde mit einer Vertragsverlängerung bis 2018 belohnt.

Doch seit dem Jahreswechsel waren kaum noch Lobesworte vom Sportdirektor zu hören. Das Verhältnis verschlechterte sich. Müller verlangte im KURIER, dass Barisic nach der Rückkehr nach Hütteldorf „mehr Härte zeigt“. Sein ewiges Vor-die-Mannschaft-stellen passte Müller nicht mehr. Der mittlerweile längstdienende Trainer in der Bundesliga nahm die Rückschläge gegen Valencia und in der Liga stoisch hin, wirkte auch öfters mitgenommen. Platz zwei – wie in den Vorjahren – sollte sich dennoch problemlos ausgehen.

In einer langen Sitzung mit dem Präsidium wurde gegen Saisonende schließlich besprochen, dass Barisic künftig auch öffentlich Spieler kritisieren wird und – zum ersten Mal – für den Kader mehr ausgeben darf als durch die regelmäßigen Verkäufe eingenommen wird.

Präsident Michael Krammer erklärte danach: „Barisic wird Rapid in die neue Saison führen.“ Wenige Wochen und einen Urlaub später ist alles anders.
Montag, um 19.45 Uhr, gab Rapid die einvernehmliche Trennung von Zoran Barisic bekannt. Neben den üblichen besten Wünschen und Dankesworten fällt auf, dass Müller betont wie „herausfordernd und kräfteraubend“ die drei Jahre für den Cheftrainer waren.

Keine Überzeugung

Der Vorstand des Sportbereichs hatte offensichtlich die Überzeugung verloren, dass im neuen Stadion mit einer neuen Mannschaft und neuen Kräfte auch der erwünschte neue Schub ausgelöst wird. Deshalb verzichtete Müller auch auf seinen Urlaub und sprach neben potenziellen Verstärkungen zuletzt auch mit möglichen neuen Trainern. Krammer beteuert im KURIER-Gespräch nach der Trennung, dass sein öffentliches Bekenntnis zu Barisic ernst gemeint war: „Das war damals keine taktische Aussage. Ich dachte wirklich, dass wir mit Barisic neu durchstarten. Aber im Fußball ändert sich manchmal wirklich alles schneller als gedacht.“ Barisic betont ebenfalls, dass es Zeit wäre, „eine neue Herausforderung zu suchen“. Der Großteil seines Trainerteams soll aber in Hütteldorf bleiben.
Bereits am Donnerstag will Rapid den neuen Chefcoach vorstellen.

Das Eröffnungsspiel im Allianz Stadion Rapid – Chelsea (16. Juli) ist übrigens ausverkauft. 15 Minuten nach dem Start des freien Vorverkaufs für die Rückkehr nach Hütteldorf waren die restlichen 5400 Karten vergriffen. Es wird der erste Auftritt des Neuen im neuen Heim sein, Barisic hat es doch nicht ganz zurück nach Hütteldorf geschafft.