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Sport Fußball
09/12/2021

ORF-Experte Mählich: "Ich muss mir keine Freunde mehr machen"

Warum er sich beim ORF kein Blatt mehr vor den Mund nimmt, auch Ex-Kollege und Teamchef Franco Foda kritisiert und welche Fehleinschätzung ihn selbst ärgert.

von Andreas Heidenreich

Bereits von 2009 bis 2018 analysierte Roman Mählich Fußballspiele beim ORF. Nach seinen Stationen als Trainer im Profifußball kehrte der Wiener 2021 zurück. Bei den jüngsten Länderspielen zeigte sich der ehemalige WM-Teilnehmer vor der Kamera ähnlich leidenschaftlich, wie einst als Sechser im Mittelfeld von Sturm Graz.

KURIER: Kurz vor Ihrem 50. Geburtstag: Stimmt der Eindruck, dass sie gerade einen Job ausüben, in dem Sie richtiggehend aufgehen?

Roman Mählich: Durchaus. Ich lebe mit und ärgere mich, wenn das Nationalteam so spielt, wie zuletzt. Ich versuche, nicht zu allem Ja und Amen zu sagen. Aber ich freue mich genauso, wenn sie gut spielen. Es sind einfach Emotionen dabei. Ich bin auch Fan, mir gefällt das Wort "Experte" gar nicht.

Sie sind kritischer, als bei Ihrem ersten ORF-Engagement. Wieso ist das so?

Mittlerweile habe ich die Erfahrung gemacht, was es heißt, Trainer in der höchsten Spielklasse zu sein. Was dazukommt: Ich habe nicht mehr die Ambition, noch einmal Trainer zu werden. Ich will in der Berichterstattung bleiben, muss keine Rücksicht mehr nehmen und habe mich dazu entschlossen, mutig zu sein und richtig Position zu beziehen.

Das wird nicht allen gefallen.

Ich sage Dinge, die vielleicht auch einmal wehtun und auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere auf mich angefressen ist. Aber ich muss mir keine Freunde mehr machen. Das will ich auch gar nicht. Während meiner ersten Zeit habe ich noch mehr Protagonisten persönlich gekannt. Ja, Österreich ist ein kleines Land.

Dass Sie die Arbeit des Teamchefs kritisiert haben, war in diesem kleinen Land vermutlich doch für den einen oder anderen recht überraschend, wo Sie doch vier Jahre lang gemeinsam mit Franco Foda gespielt haben.

Ich schicke eines voraus: Ich habe nie die Ablöse Franco Fodas gefordert, dieses Statement wird es nicht geben. Meine Kritik hat sich in erster Linie auf das Spiel der Mannschaft an und für sich bezogen. Dass da der Trainer immer mit dabei ist, ist klar. Zum anderen: Ich will mir nicht den Vorwurf machen lassen, dass ich weniger kritisch bin, weil ich ihn kenne. Das wäre der größere Fehler.

  • Privat

Roman Mählich wurde am 17. September 1971 in Wien geboren. Der Fast-50er ist verheiratet in zweiter Ehe und hat zwei Kinder, ein drittes hat seine Frau in die Patchwork-Familie mitgebracht.

  • Karriere

Mählich begann bei Citizen Kagran, spielte danach u.a. beim Wiener Sport-Club, in Tirol und mit Sturm Graz in der Champions League. Er brachte es auf 20 Länderspiele, darunter drei bei der WM 1998 in Frankreich. Trainer war er u.a. von Wiener Neustadt, Sturm und Austria Lustenau.

Wie war Ihr Verhältnis zu ihm als Mitspieler in Graz?

Gut, wir waren ja sehr erfolgreich. Es gab nie persönliche Differenzen, es geht hier nur um die Sache an sich.

Es soll Fußballromantiker geben, die vielleicht davon ausgehen, dass in einer Mannschaft alle immer Freunde sind – oder bleiben.

Ich habe mit den wenigsten von damals noch Kontakt. Bei einem Kader von 25 Spielern ist es vielleicht eine Handvoll, mit der man ab und zu noch telefoniert.

Was speziell hat Sie am Spiel des ÖFB-Teams gestört?

Die Systemwechsel innerhalb einer Woche, die waren mir zu viel. Es wäre besser gewesen, am 4-2-3-1 aus den EM-Spielen gegen die Ukraine und Italien festzuhalten. Das System ist nicht das wichtigste, die Spielanlage wird immer wichtiger. Aber trotzdem ist es für die Spieler ein Unterschied, wie sie sich am Spielfeld positionieren. Das ist bei diesen Systemwechseln immer anders. Da hätte Kontinuität den Spielern Sicherheit gegeben.

Hat Sie Franco Foda nach Ihrer Kritik kontaktiert?

Nein, gar nicht.

Was muss passieren, damit das ÖFB-Team im Oktober anders auftritt?

Das möchte ich umschreiben: Ich war Trainer bei Sturm, wir haben unser Ziel, die Meistergruppe, erreicht. Aber ehrlich: Die Spiele waren nicht schön anzusehen. Der Druck der Medien ist groß geworden, die Unzufriedenheit bei den Fans ebenso. Wenn es einmal so ist, wird es für einen Trainer schwer, das Ruder herumzureißen. Ich wünsche es dem Team, die Kurve zu kriegen, aber es wird schwierig in dieser Konstellation.

Schauen Sie sich etwas von anderen TV-Experten ab, wenn Sie etwa Schweinsteiger bei ARD sehen?

Wenn ich es sehe, klar vergleiche ich dann. Die Deutschen haben meist eine ganz andere Karriere hinter sich, das wird ja oft als Symbol hergenommen. Ich liege nicht immer richtig, aber fachlich würde ich mich als kompetent beschreiben. Es ist ein Vorteil, die höchste Trainerausbildung zu haben und als Trainer gearbeitet zu haben.

Wie lauft so ein Abend als Experte im Studio ab?

Es ist durchaus stressig. Du sitzt am Regieplatz, schaust das Spiel und suchst nach Szenen, die du dann mit einem Grafiker für die Pause vorbereitest. Eine Szene aus der 40. Minute kann ich nicht nehmen, weil es sich von der Zeit her nicht ausgeht. Daher müssen wir hoffen, dass in den ersten 30 Minuten etwas passiert, das die Geschichte des Spiels widerspiegelt. Das ist schwierig genug und absurd, mit einer Szene, die vielleicht 20 Sekunden dauert, das gesamte Spiel zu analysieren. Ich würde mir oft mehr Zeit wünschen.

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Sie sind neulich auch sehr aktiv in sozialen Netzwerken. Tauschen Sie sich gerne aus mit den Menschen?

Grundsätzlich schon, weil ich es auch als Plattform verwende, meine Meinung als Anregung zu platzieren. Das find’ ich ganz cool.

Und bietet umgekehrt auch die Chance, mit Ihnen zu diskutieren, oder Sie etwa zu kritisieren.

Im Moment überwiegt noch das positive Feedback. Aber es gibt natürlich auch jene, die nicht einverstanden sind mit dem, was ich sage oder wie ich es sage. Wenn das alles auf einer sachlichen Ebene passiert – super! Fehler machen wir alle.

Welchen werfen Sie sich vor?

Meine Reaktion beim Elfer-Foul von Hinteregger gegen Schottland.

Weil sie gemeint haben, es sei nicht Elfmeter-würdig?

Genau. Da hab’ ich mich festgerannt, das war nicht gut. Das habe ich mir dann zu Hause noch einmal angeschaut und habe mich über mich selbst geärgert. Da bin ich falschgelegen.

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