Wales' David Vaughan (R) challenges Austria's Marko Arnautovic during an international friendly soccer match at the Liberty Stadium in Swansea February 6, 2013. REUTERS/Rebecca Naden (BRITAIN - Tags: SPORT SOCCER)

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Testspiel
02/06/2013

Österreich verliert in Wales

Das ÖFB-Team zeigt bei der 1:2-Niederlage eine enttäuschende Leistung.

von Alexander Strecha

Schlechte Generalprobe, gelungene Premiere. Österreichs Fußballteam muss sich an einem Sprichwort aus der Kultur orientieren, um sich selbst aufzubauen. Denn der Auftakt in das Länderspieljahr 2013 ist in Swansea vor nur 8000 Zuschauern mit einem 1:2 gründlich schief gegangen. Der Probegalopp für die kommenden Qualifikations-Spiele im März gegen Färöer und Irland ist missglückt, es setzte nach dem 0:3 gegen die Elfenbeinküste die zweite Niederlage in Folge. Teamchef Marcel Koller sah dennoch eine kleine Steigerung.

Seine Direktiven wurden von der Mannschaft zu Beginn auch umgesetzt, man störte die in der Abwehr nicht sattelfesten Waliser in deren Hälfte mit viel Aggressivität und Laufbereitschaft. Die Folge waren frühe Möglichkeiten, die Prödl und Ivanschitz nicht nützten.

Zugeschlagen

Wales wirkte zunächst harmlos, schlug dann aber aus dem Nichts zu. Zuerst sorgte Gareth Bale für ein Highlight, als er auf der rechten Flanke mit einem Sprint Suttner und Pogatetz stehen ließ wie ein Ferrari einen Trabi. Bellamy nützte wenig später einen haarsträubenden Fehler von Pogatetz nicht zur Führung, Kollege Bale machte es danach besser: Abermals entwischte er Suttner und schob seelenruhig zum 1:0 für Wales ein (21.).

Österreich benötigte zehn Minuten, um diesen Schock zu verdauen. Dann fand man zurück zur optischen Überlegenheit, zumal auch Wales nicht entscheidend nachsetzen konnte. Doch was nützt die Kontrolle des Spiels, wenn man die Chancen abermals nicht verwertet? Ein Pogatetz-Treffer wurde wegen Abseits von Passgeber Janko zurecht aberkannt, Alaba traf aus großer Distanz die Stange. Das war Pech. Koller: „Unser Problem ist eben, dass wir zu wenige Tore schießen.“

Entschieden

Dem rot-weiß-roten Offensivspiel fehlte es bei allen Bemühungen an Nachdruck und Effizienz. Eigenschaften, die die Waliser an den Abend legten. Viele Chancen hatten sie nicht, aber diese nützten sie eiskalt. Gleich nach der Pause flankte Bale auf den Kopf von Vokes, Prödl war zu weit weg und bestaunte die Aktion – 2:0 (52.). Koller ernüchtert: "Wir hatten in der Defensive Unsicherheiten, die Wales ausnützte."

Bale durfte nach 60 Minuten vom Platz gehen, weil die Partie ohnehin entschieden schien. Das war sie aber nicht, weil Österreich in einer Phase, wo alles vor sich hin plätscherte, plötzlich durch Janko nach Vorarbeit von Arnautovic auf 1:2 verkürzte. Arnautovic selbst zirkelte den vermeintlichen Ausgleich dann knapp am Tor vorbei. Folglich blieb es beim 1:2.

"Wir haben uns das anders vorgestellt. Phasenweise gut zu spielen ist zu wenig, wenn man verliert. Wir müssen endlich auswärts gewinnen, wenn wir zur WM wollen", meinte Andreas Ivanschitz kritisch. Auch Alaba fand klare Worte: „Wir können nicht zufrieden sein, weil wir nach vorne zu wenige produziert haben."

Hinten fehlte die Abstimmung, vorne die schon seit langem geforderte Effizienz. Der Test für Irland (26. März in Dublin) ist in Swansea freilich daneben gegangen. ÖFB-Präsident Leo Windtner relativiert. "Das Spiel war in Ordnung, das Resultat nicht." Doch darauf kommt es an.

Wales - Österreich 2:1 (1:0)

Swansea, Liberty Stadium, 8.000, SR Menashe Mesiah (ISR)

Tore:
1:0 (21.) Bale
2:0 (52.) Vokes
2:1 (75.) Janko

Wales: Myhill - Matthews (73. Gunter), Ricketts, Williams, Davies - Allen, Vaughan (46. King), Ledley - Bale (60. Robson-Kanu), Collison (84. Church) - Bellamy (46. Vokes)

Österreich: Almer - Klein, Prödl, Pogatetz, Suttner (88. Schiemer) - Kavlak (75. Leitgeb), Alaba - Weimann (62. Jantscher), Ivanschitz (62. Junuzovic), Arnautovic - Janko

Gelbe Karten: keine bzw. Klein
Die Besten: Bale, Allen bzw. Arnautovic, Prödl

Meinungen zum Spiel

Marcel Koller (ÖFB-Teamchef): "Es waren genügend Möglichkeiten da. In der Defensive haben wir die eine oder andere Schwäche gehabt, die die Waliser dann auch ausgenutzt haben mit Toren. Ich habe von Anfang an gesagt, dass Bale der Schlüsselspieler ist. Das ist ein Weltklasse-Spieler, das hat er zweimal aufblitzen lassen. Wenn ihn die Leute aus dem Mittelfeld anspielen können, dann wird es schwierig. Es sind aber auch sonst ein, zwei Unsicherheiten drinnen gewesen, das müssen wir abstellen."

Marc Janko (ÖFB-Torschütze): "Es war nicht einfach heute. Wir haben ihnen in die Karten gespielt, indem wir zu stark aufgerückt sind. Dadurch haben sie ihre stärkste Waffe einsetzen können, die Schnelligkeit von Bale. Wir haben uns aber nicht aufgegeben. Tore tun immer gut für einen Stürmer, aber ich hätte natürlich lieber gewonnen."

Marko Arnautovic (ÖFB-Offensivspieler): "Ich entscheide nicht selber, wie ich spiele. Ich urteile nicht über mich. Als Mannschaft waren wir besser als die. Die haben zwei Chancen gehabt und die haben sie genützt. Wir haben mehr Chancen gehabt, die haben wir nicht genützt. Das ist das Hauptproblem. Wir müssen die Tore machen, denn wir sind eigentlich gut nach vorne gekommen."

Markus Suttner (ÖFB-Außenverteidiger): "Leider hat Bale ein Tor gemacht und eines vorbereitet. Es ist schwierig zu spielen gegen ihn, er ist sehr schnell. Wir hätten ihn schon doppeln wollen, das hat leider nicht ganz funktioniert. Das werden wir analysieren. Sie haben nur zwei echte Torchancen gehabt, aber wir haben 1:2 verloren. Das ist bitter. Wenn wir gut gespielt hätten, hätten wir heute gewonnen. Wir werden besprechen, was wir gegen Färöer und Irland besser machen müssen."

Chris Coleman (Wales-Teamchef): "Die Österreicher haben eine großartige Leistung geboten. Sie hatten gute Ballstafetten, waren aggressiv und haben uns weit vorne attackiert. Ich bin von ihnen beeindruckt, sie werden Irland große Probleme bereiten."

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