Realer Superstar: Luka Jovic (li.)

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Sport Fußball
06/17/2019

Österreich gegen Serbien: Das Kollektiv gegen die Stars

Start in die U-21-EM: Österreich will als verschworene Einheit die Serben mit Superstar Luka Jovic stoppen

von Alexander Huber

Personalisierung ist alles. Nicht nur in der Politik oder im Pop-Business zählen Namen, auch im Fußball wird immer stärker auf einzelne Stars fokussiert. Serbien ist das perfekte Beispiel.

Was kommt einem beim Gedanken an Österreichs Auftaktgegner (18.30 Uhr) in den Sinn? Luka Jovic! Der Stürmerstar, von Trainer Adi Hütter in Frankfurt groß rausgebracht, ist eben um 60 Millionen Euro Ablöse zu Real Madrid gewechselt.

Trotzdem wollte der 21-Jährige unbedingt bei der U-21-EM dabei sein. Deutschlands Trainer Stefan Kuntz sieht Serbien mit dem Jovic-Faktor sogar als Mitfavorit auf den Titel, Österreichs U-21-Teamchef Werner Gregoritsch stimmt zu.

Hannes Wolf hält dagegen: „Mich interessiert es gar nicht, ob Jovic spielt.“

Einzelkönner

Denn Serbien ist mehr als Luka Jovic. Da gibt es etwa Abwehrchef Nikola Milenkovic, bei Fiorentina unumstrittener Stammspieler. „Der sticht beim Marktwert auch heraus“, weiß Wolf. Auf transfermarkt.at werden 30 Millionen Euro aufgerufen. Oder Nemanja Radonjic, der vor einem Jahr um zwölf Millionen von Roter Stern zu Marseille gewechselt ist. Bei Olympique hatte der Flügelstürmer allerdings eine schwache Saison.

Xaver Schlager, an sich selbst ein potenzieller Starspieler, aber immer mannschaftsdienlich, gibt die Marschrichtung vor: „Ein echtes Team kann eine Mannschaft mit stärkeren Einzelspielern schlagen.“

In der Qualifikation ist das noch nicht gelungen. In der Südstadt, noch im Jahr 2017, gab es ein 1:3, Jovic traf per Elfer in Minute 87 zur 2:1-Führung. Auswärts wurde immerhin ein 0:0 gegen den Gruppensieger verteidigt.

„Das Spiel wird ganz anders als in der Quali“, vermutet Kapitän Philipp Lienhart. Gregoritsch hofft im architektonisch spannenden Stadion von Triest auf ein neuerliches Heimspiel: „Aus Bad Tatzmannsdorf kommt ein ganzer Bus, aus Graz radeln 20 Bekannte her. Ich hoffe, dass viele Österreicher anreisen und zum 12. Mann werden, der uns ans Limit führt.“

Gegen die Hitze

Xaver Schlager meint: „Das Schwierigste wird, bei der Hitze über den berühmten Punkt drüberzugehen.“ Zu sehen geben wird es jedenfalls ein Kollektiv, das bei der ersten Teilnahme an einer U-21-EM mit Herz und Überzeugung gelebt wird. Österreich, einer der großen Außenseiter im starken Zwölfer-Feld, wird mit einer leidenschaftlichen Einheit einlaufen und vielleicht auch überraschen.

Turnier-Routiniers

Einen großen Vorteil hat Serbien (so wie auch die Deutschen und Dänen) in der Turniererfahrung. Mehrere Spieler kamen letztes Jahr bei der WM in Russland zum Einsatz, einige sogar schon vor zwei Jahren bei der U-21-EM.

Andererseits ist nicht davon auszugehen, dass der Favorit eine so homogene Einheit wie die verschworenen Österreicher stellen kann.

Gleich mehrere Schlüsselspieler waren schon lange nicht mehr bei der U 21, Zeit zum Einspielen gab es kaum. So musste (oder eher: durfte) Jovic nach den Einsätzen beim A-Team noch nach Madrid, um bei Real offiziell vorgestellt werden zu können.

Und da ist er schon wieder. Dieser Luka Jovic, an dem auch die Journalisten nicht mehr vorbeikommen.