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Interview
06/09/2021

ÖFB-Torfrau Manuela Zinsberger: "Ich traue mich was zu sagen"

Die Torfrau bereitet sich mit dem Nationalteam auf das Testspiel gegen Italien vor und erzählt über Freundschaft im Team, mentale Stärke in Corona-Zeiten und den Frauenfußball in England.

von Günther Pavlovics

Manuela Zinsberger kann nicht stehen bleiben. Die 25-jährige Torfrau verdient in London bei Arsenal ihr Geld. In der schwierigen Corona-Zeit hat sie sich weitergebildet als Ernährungsberaterin und sich viel mit Mindset beschäftigt. Derzeit bereitet sich die Niederösterreicherin mit dem Nationalteam in Bad Tatzmannsdorf auf das Testspiel gegen Italien (14. Juni, 16.30 Uhr, Wr. Neustadt, die rund 1.000 Tickets gibt es auf oeticket.com) vor.

KURIER: Im Februar fehlten Sie beim Turnier auf Malta, weil man aus England nicht nach Österreich durfte.

Manuela Zinsberger: Ich bin seit 2013 beim Nationalteam, das war der erste Lehrgang, bei dem ich gefehlt habe. Ich habe zwei Tage vorher erfahren, dass ich tatsächlich nicht anreisen darf. Da sind mir fast die Tränen gekommen.

Warum?

Weil wir uns extrem freuen, wenn wir uns wieder treffen. Wir sind wie eine Familie, wir kennen uns schon lange, wissen über die anderen mehr als nur, wie sie Fußball spielen. Das macht auch den Teamspirit aus.

Dabei ist das Team nach einer anstrengenden Saison eine zusätzliche Belastung.

Die Werte nach den Testungen bei meinem Verein Arsenal sagten, dass ich eine Pause brauche. Es war genug Zeit zum Relaxen. Ich hatte ein Trainingsprogramm, um beim Team fit zu sein.

In diesem Jahr kamen viele junge Spielerinnen neu zum Team. Ist es in der verschworenen Gemeinschaft schwer hineinzuwachsen?

Der Stamm ist schon lange gleich. Nina Burger hat aufgehört, andere plagen immer wieder Verletzungen. Wir wissen, dass wir junge Spielerinnen integrieren müssen, damit sie sich wohl fühlen und befreit im Team aufspielen können. Ich habe mich extrem gefreut, dass auf Malta gleich zwei Torfrauen Spielpraxis im Team sammeln konnten.

Was können Sie den jungen Spielerinnen sagen. Dass man sich sozial engagieren soll, so wie sie für das Kinderhospiz MOMO?

Ich möchte ihnen zeigen, dass man lustig sein kann und gleichzeitig Führungsfigur. Ich traue mich was zu sagen, stehe meine Frau und will über den Tellerrand blicken. Ich will auch zeigen, wie man Ziele erreicht und wieviel Arbeit dahinter steckt.

Sie meinen Mentalität. Modern auch Mindset genannt.

Ich habe viel zu diesem Thema gelesen. Ich habe über die Situation in der Coronazeit nicht gejammert, sondern geschaut, wie ich gestärkt daraus hervorgehen kann. Ich habe es als Chance gesehen. Das Thema hat mir geholfen, mich auf die Dinge zu fokussieren, die ich beeinflussen kann.

Also haben sie die Saison nicht als so hart empfunden?

Es war im Lockdown nicht einfach, wenn du nur rausgehen konntest zum Trainieren, Spielen und Einkaufen. Manche hatten auch Heimweh, weil sie nicht wie sonst kurz heimfliegen konnten. Das waren für manche mentale Strapazen. Aber gewisse Dinge muss man hinnehmen, das wird durch Jammern nicht besser.

Was haben Sie in der Zeit noch gemacht, außer sich mit Mindset zu beschäftigen?

Ich habe die B-Lizenz als Ernährungstrainerin gemacht und will auch noch die Beraterin-Ausbildung für Sporternährung machen. Ob das etwas ist für nach der Karriere, weiß ich noch nicht. Ich will mich generell immer weiterbilden.

Wie geht es nun mit Arsenal weiter?

Wir haben doch noch als Dritte einen Platz in der Champions League ergattert. Ich will nächste Saison angreifen, um einmal ganz oben zu stehen. Da müssen wir Mentalität in die Mannschaft reinbringen.

England entwickelt sich auch zur besten Frauen-Liga der Welt, bekommt einen neuen lukrativen TV-Vertrag.

Über den FA-Player kann man schon jetzt überall auf der Welt die Frauenspiele live anschauen. Die Vermarktung ist top. Es ist mehr Geld vorhanden als überall anders.

Chelsea hat schon letzten Sommer Pernilla Hader um 350.000 Euro geholt und damit einen Transferrekord im Frauenfußball aufgestellt. Wie viel würden Sie für Manuela Zinsberger zahlen?

Schwer zu sagen. Ich glaube generell, dass sich die Summen für Top-Spielerinnen weiter nach oben entwickeln werden. Ich bin gespannt, wo wir in zwei Jahren stehen mit den Ablösen und mit dem englischen Frauenfußball.

Was macht die englische Liga sonst noch aus?

Es ist halt etwas anderes gegen Tottenham zu spielen als gegen Sand in Deutschland. Die Frauen spielen im Tottenham-Stadion, hatten schon 38.000 Zuschauer. Auch die Frauen von Manchester United spielen im Old Trafford. Die werden auch von Marcus Rashford gepusht. Damit schafft er für den Frauenfußball eine enorme Reichweite.

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Ein Paradies für Spielerinnen.

Das aber durch den Brexit nicht mehr so leicht zu erreichen ist. Es dürfen nur noch Spielerinnen aus dem Ausland geholt werden, die eine gewissen Anzahl von Teamspielen absolviert haben.

Ohne Corona würden sie in zwei Monaten in England die EM spielen.

Das ist halt so, das kann nicht ändern. So können wir uns noch ein Jahr länger darauf vorbereiten.

Stattdessen spielen die Männer. Verfolgen sie die EM?

Natürlich. Man muss ja allen auf die Füße schauen, um zu wissen, was sich tut. Außerdem hoffe ich, dass unsere Männer weit kommen, wir müssen uns ja gegenseitig unterstützen.

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