David Alaba brachte Österreich früh in Führung.

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ÖFB-Team startet mit 1:1 gegen Schweden in die Quali
09/08/2014

ÖFB-Team startet mit 1:1 gegen Schweden in die Quali

Österreich ist gegen Schweden überlegen, doch wieder fehlt die nötige Kaltschnäuzigkeit.

von Bernhard Hanisch

Nur ein Buchstabe. Aber einer, der ein ziemlich wichtiges Wort beginnen lässt. „G“ wie Gewinnen nämlich. Der fromme Wunsch, der den Auftakt einer EM-Qualifikation immer begleitet. Alles war angerichtet für das Heimspiel gegen Schweden. Ein mit Fähnchen schwingenden Menschen restlos gefülltes Happel-Stadion, ein mit einer motivierenden Heimbilanz (vier Siege in Folge) gestütztes Team und der Wille, dem Gegner mit der eigenen Präsenz die Luft zu nehmen.

Eintritt in die Reifeprüfung nannte es Teamchef Marcel Koller. Zielstrebiger, kompakter, harmonischer, sollte sich seine Mannschaft präsentieren. Ansätze waren tatsächlich erkennbar. Aber ohne die letzte Konsequenz weiterhin. Denn wieder war es ein Geduldsspiel, eine eklatante Überlegenheit in kollektive Jubelstimmung zu verwandeln. Koller setzte auf das 4-2-3-1-System, auf Baumgartlinger neben Alaba im defensiven Mittelfeld, hatte sich für den Australien-Reisenden Janko als Solospitze entschieden, vertraute auf solide Abwehrarbeit des Innenverteidigerduos Dragovic und Hinteregger.

Dabei gelang den Österreichern bald die Führung gegen die robusten Schweden. Bitter, dass sogar ein (berechtigter) Elfmeter in der 6. Minute als Beruhigungspille versagte. Larsson hatte eine Alaba-Flanke im Strafraum unerlaubt mit den Händen pariert. Alaba selbst verwandelte zum 1:0. Eine Parallele zum 7. Juni 2013: Damals wurde nach seinem Elfmetertor 2:1 gewonnen.

Die Richtung war auch dieses Mal vorgegeben, das Ziel allerdings noch lange nicht in Sicht. Denn es dauerte nur fünf Minuten zur folgenschweren Unachtsamkeit in der Hintermannschaft. Warum sich Alaba in ein Kopfballduell mit dem kompromisslosen Ibrahimovic einlassen musste, bleibt ein Rätsel. Warum Erkan Zengin trotz verlängerter Reaktionszeit zum erfolgreichen Torschuss kommen durfte, verlangt auch nach einer schlüssigen Erklärung. 1:1 stand es jedenfalls nach 12 Minuten. Es sollte jene Schwäche zu Tage treten, die die Österreicher schon die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Brasilien gekostet hatte: Große Ambition bleibt unbelohnt, weil die letzte Konsequenz vor gegnerischen Toren fehlt.

Es wurde gedrückt und nicht zerdrückt, es wurde für lange Zeit ein Spiel auf ein Tor und zu einer Auseinandersetzung Österreich gegen Ibrahimovic. Schwedens Star hätte durch Rot zum Aufhören gezwungen werden müssen, doch der Schiedsrichter sah den Ellbogencheck gegen Alaba nicht. Ibrahimovic sah nur Gelb nach einem rustikalen Einsteigen gegen Harnik.

KURIER-Noten für die Teamspieler

Unbelohnt

Als nach dem Wechsel Junuzovic das Tor nicht traf, Janko nach Baumgartlingers Vorlage aus fünf Metern Ähnliches passierte, wurde die schon vergessen geglaubte Befürchtung konkret. Ein gutes Spiel blieb ergebnislos, langsam schwanden die Kräfte aus einer lange unantastbar wirkenden Heimmannschaft. Der Frust gesellte sich als Mitspieler dazu, der Frust, einen durchaus zu bezwingenden Gegner nicht schon längst in die Schranken gewiesen zu haben.

Österreich hätte den Beginn zur EM-Qualifikation freudvoller gestalten können. Ein Punkt gegen Schweden ist nach der ansprechenden Vorstellung zu wenig. Der neuen Modus lässt aber weiterhin und noch lange auf eine Teilnahme in Frankreich 2016 hoffen. Die leidige Angelegenheit mit der mangelnden Chancenauswertung muss aber dringend verbessert werden.

EM-Quali: Alle Ergebnisse und Tabellen

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Spieler mit Remis unzufrieden

Ergebnisse

Österreich - Schweden 1:1 (1:1)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 48.500 (ausverkauft), SR Kralovec (CZE)

Torfolge:: 1:0 ( 7.) Alaba (Hand-Elfmeter) 1:1 (12.) Zengin

Österreich: Almer - Klein, Dragovic, Hinteregger, Fuchs - Baumgartlinger, Alaba - Harnik (86. Lazaro), Junuzovic (77. Leitgeb), Arnautovic - Janko (69. Okotie)

Schweden: Isaksson - Bengtsson, Granqvist, Antonsson, M. Olsson - S. Larsson, Källström (85. Wernbloom), Ekdal - Durmaz (72. Elmander), Ibrahimovic, Zengin

Gelbe Karten: Klein bzw. Ibrahimovic, S. Larssen, Källström

Russland - Liechtenstein 4:0 (1:0) Chimki. Tore: M. Büchel (4./Eigentor), Burgmeier (50./Eigentor), Kombarow (54./Elfer), Dsjuba (65.)

Montenegro - Moldawien 2:0 (1:0) Podgorica Tore: Vucinic (45.+3), Tomasevic (73.)

Tabelle
1. Russland 1 1 0 0 4:0 3
2. Montenegro 1 1 0 0 2:0 3
3. Schweden 1 0 1 0 1:1 1
4. Österreich 1 0 1 0 1:1 1
5. Moldawien 1 0 0 1 0:2 0
6. Liechtenstein 1 0 0 1 0:4 0

Junuzovic: "Hatten immer wieder kleine Hänger drin"

David Alaba (ÖFB-Torschütze): "Den Elfer habe ich so geschossen, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Der Gegentreffer war zu verhindern, schade. Wir waren die über weite Strecken dominierende Mannschaft, hatten gute Chancen und hätten mehr daraus machen können. Wir sind deshalb nicht zu 100 Prozent zufrieden. Viele Dinge sind uns gelungen, aber wir müssen noch viele Dinge besser machen, das ist uns bewusst."

Zlatko Junuzovic (ÖFB-Mittelfeldspieler): "Wir haben eine gute Leistung abgeliefert, sind aber mit dem Ergebnis unzufrieden. Wir hatten zwar immer wieder kleine Hänger drin, aber dieses hohe Tempo kann man nicht über die ganze Zeit gehen. Wir hätten mehr herausholen müssen aus unseren Chancen. Es gehört noch vieles verbessert, auch wenn wir vieles gut gemacht haben und es von der Leistung her ganz in Ordnung war. Das Gegentor darf man nicht so einfach kriegen. Das war eine der wenigen Chancen, die sie hatten. Sonst war es schwer gegen sie zu spielen, weil sie sehr tief standen. Die Enttäuschung ist jetzt da, weil wir kein zweites Tor gemacht haben."

Zlatan Ibrahimovic (Schweden-Kapitän): "Es war ein schwieriges Spiel nach dem frühen Gegentor. Wir haben aber schnell den Ausgleich geschafft. Die Österreicher hatten danach weitere Chancen und haben uns unter Druck gesetzt. Wir sind zwar nicht glücklich, können aber mit dem Punkt zufrieden sein. Österreich hat es uns sehr schwer gemacht. Die Gruppe ist sicher offen, jeder Punkt ist daher wichtig."

Marcel Koller (ÖFB-Teamchef): "Ich denke, wir haben ein gutes Spiel gezeigt und die meiste Zeit das Spiel dominiert. Die Schweden sind defensiv kompakt gestanden, haben es uns schwer gemacht. Wir hätten in der ersten Hälfte noch ein zweites Tor machen können, das ist uns leider nicht gelungen. Auch haben wir sehr schnell nach dem 1:0 den Ausgleich bekommen. Von unserer Seite war es ein gutes Spiel, nur in der zweiten Hälfte haben wir zehn Minuten lang ein kleines Tief gehabt. Die Schweden hatten Glück, dass sie kein zweites Tor gekriegt haben. Ich habe ja schon vorher gesagt, gegen Russland, Schweden, Montenegro und Moldawien werden es sehr enge Spiele werden. Wichtig ist dabei, die Ruhe zu bewahren. Das haben wir heute gemacht. Die Schweden haben aber die Räume sehr eng gemacht, deshalb war es schwierig für uns da durchzukommen. Es gilt nun weiter die Ruhe zu bewahren und die Punkte zu sammeln. Wir haben jetzt nach einem Spiel einen Punkt, das ist ein besserer Start als in die letzte Qualifikation. Ich appelliere an die Vernunft und an die Geduld, es warten noch viele enge Spiele."

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