WM-Test gegen Ghana: Was Rangnick mit dem ÖFB-Team vor hat

Ralf Rangnick will gegen Ghana Automatismen schärfen und zugleich neue Spieler sehen. Das Stadion wird wieder annähernd voll.
Ralf Rangnick

Nach vier frühsommerlichen Tagen in Marbella gibt es für Österreichs Fußballteam einen Kälteschock. Bei rund 2 Grad Celsius probt die Mannschaft von Ralf Rangnick am Freitag in Wien gegen Ghana den WM-Ernstfall (18 Uhr/ live ORF 1). Das Team zieht, 40.000 Tickets waren am Donnerstag verkauft. „Für ein Freundschaftsspiel ist das großartig, vielleicht wird es sogar ganz voll“, hofft Ralf Rangnick. „Wir wollen dafür sorgen, dass das zweite Spiel am Dienstag gegen Südkorea ausverkauft sein wird.“ Was es rund um das Spiel gegen die „Black Stars“ zu wissen gilt.

  • Vorbereitung 

Bessere Bedingungen als in Marbella hätte das Team nicht vorfinden können, wie auch Michael Gregoritsch zugibt: „Das war perfekt und ein voller Erfolg. Schade, dass es schon wieder vorbei ist“, sagt der Stürmer, der am Freitag wohl von Beginn an spielen wird. Nach vier Monaten Nationalteam-Pause ging es für Ralf Rangnick vor allem darum, Altbewährtes zu üben und zu verbessern. „Es ging um unsere Spielprinzipien, bei eigenem und bei gegnerischem Ballbesitz“, so der Teamchef

Dass die Österreicher für die WM etwas Grundlegendes ändern, um damit dort zu überraschen, ist unwahrscheinlich. „Ich bin ein großer Freund davon, beizubehalten, was sich bewährt hat“, sagt der Teamchef, der bei der Grundformation weiterhin zwischen einem 4-2-3-1 und einem 4-2-2-2 wechseln wird. „Alle internationalen Top-Mannschaften spielen im Grunde mit einer Viererkette, ich sehe keinen Grund, einen Offensivspieler zu opfern.“

  • Aufgabenstellung 

Warum testet Österreich ausgerechnet gegen Ghana? Die WM-Auslosung hat dem ÖFB-Team Jordanien, Argentinien und Algerien drei Gegner beschert, gegen die man noch nicht gespielt hat in der Ära Rangnick. Dementsprechend will man nun auch gegen ungewohnte Gegner proben. Bei der Suche nach den Testgegnern hat man dazu auch nach taktischen Parallelen Ausschau gehalten und ist fündig geworden. Die Partie gegen Ghana soll die Partie gegen Jordanien „simulieren“. Die Ghanaer spielen wie der WM-Auftaktgegner meistens mit einer Dreierkette in der Abwehr, die es bei vermutlich viel Ballbesitz für Österreich zu knacken gilt.

  • Schiedsrichter 

Nicht überall auf dem Erdball wird nach der gleichen Linie gepfiffen. Um ein weiteres Gefühl für die WM zu gewinnen, wollte der ÖFB einen Schiedsrichter aus einem anderen Kontinent und hat als Gastgeber eine Einladung an den Verband Saudi-Arabiens geschickt, um einen Referee zu entsenden. Geworden ist es Mohammed Khaled Al-Hoaish.

  • Viele Wechsel 

Der Unparteiische wird viel zu notieren haben. Denn ab sofort sind in FIFA-Freundschaftsspielen bis zu elf Spielerwechsel möglich. Rangnick: „Durch die neue Regelung habe ich die Möglichkeit, dass wir auch am Freitag schon möglichst vielen bis allen Spielern die Chance geben, sich zu zeigen.“

  • Ausfälle 

Bei vier der 28 Kaderspieler ist ein Einsatz gegen Ghana wohl ausgeschlossen. David Alaba machte in Marbella nur Teile des Mannschaftstrainings mit. Ebenso Xaver Schlager, der im Training laut Rangnick „im Muskel etwas gespürt“ hat und deshalb bis Dienstag geschont wird. Maximilian Wöber ist ebenso noch am Weg zurück nach seiner Muskelverletzung und Alessandro Schöpf ist wegen einer Blessur überhaupt erst am Donnerstag in Wien zum Team gestoßen.

  • Startelf 

Rangnick machte in der spanischen Sonne einen entspannten Eindruck. Statt der oft nur üblichen ersten 15 Minuten, die Journalisten beim Training zusehen dürfen, gewährte der Teamchef den Medienvertretern bei drei Einheiten vollen Zutritt. Am Mittwoch konnte man einen Eindruck gewinnen, welche Elf gegen Ghana beginnen könnte. Zu erwarten ist ein 4-2-3-1 das wie folgt aussieht: A. Schlager; Posch, Danso, Friedl, Prass; Seiwald, Laimer; Schmid, Baumgartner, Sabitzer; Gregoritsch.

  • Debütanten 

Die vier neuen Teamspieler Chukwuemeka, Wanner, Affengruber und Wiegele machten gute Figur. „Das sind vier sehr vernünftige Jungs, die super Fußball spielen können und uns auf jeden Fall weiterbringen können“, sagt Michael Gregoritsch. Über die zwei mit Spannung erwarteten Offensivkräfte Wanner und Chukwuemeka sagt Rangnick: „Sie haben in Marbella bestätigt, dass sie uns schon kurz- und mittelfristig helfen können. Sie werden sicherlich zum Einsatz kommen in den beiden Spielen.“ Gut möglich ist auch, dass jeder der vier Torhüter eine der vier Halbzeiten in den beiden Partien spielen darf.

  • Das Ziel 

„Wir wollen unser Selbstvertrauen vor der WM weiter ausbauen durch gute Spiele“, sagt der Teamchef, der einen Spagat schaffen will: Einerseits will man altbekannte Automatismen schärfen, andererseits neue Spieler sehen. Über allem steht aber das Ziel, zu gewinnen. Rangnick: „Es gibt keinen Ersatz für Siege.“

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